Bild: Stadt Karlsruhe/Monika Müller-Gmelin
Verhindert der Karlsruher Gemeinderat die Staatstheater-Sanierung? Am Dienstag fällt die Entscheidung
Karlsruhe
20.06.2021 20:00
Es ist fast wie bei "täglich grüßt das Murmeltier": Nachdem das Projekt "Sanierung und Modernisierung des Badischen Staatstheaters" in der vergangenen Gemeinderatssitzung von der Liste verschwand, soll nun am Dienstag endlich über das Thema abgestimmt werden. Der Kern dabei: Das Projekt soll nicht nur teurer werden, sondern auch in der Umsetzung mehr Zeit in Anspruch nehmen - dazu will die Verwaltung die Zustimmung der Stadträte. Das Problem: Je länger sich das Projekt hinzieht, desto teurer kann das Vorhaben werden - angesichts der aktuellen Haushaltslage eine besonders knifflige Angelegenheit.

Das Badische Staatstheater gehört zu den finanziellen Sorgenkindern der Fächerstadt. Was einst bei 125 Millionen Euro Sanierungskosten begann, hatte sich zwischenzeitlich auf 325 Millionen, inzwischen aber auf rund 580 Millionen hochgesteigert. Vor diesem Hintergrund soll der Gemeinderat nun erneut seine Zustimmung zur Fortsetzung des Projektes geben. Welche Punkte umfasst die Beschlussvorlage dabei genau?

Bebauungsplan "Baumeister-, Finter-, Ettlinger, Kriegs- und Meidingerstraße“

Zum einen Bedarf es der Zustimmung zu dem Bebauungsplan, der bereits im vergangenen Monat eigentlich zur Abstimmung gebracht werden sollte. Dieser beinhaltet neben zwölf Jahren Bauzeit auch, dass die Baufläche fast sämtliches Grünarsenal verlieren wird, um Platz für den Bau selbst zu schaffen.

Dateiname : Staatstheater Entwurf
Dateigröße : 959.76 KBytes.
Datum : 17.05.2021 14:11
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Des Weiteren wird darin geschildert, wie der Bau möglichst klimaneutral gestaltet werden kann - etwa durch die Installation einer Photovoltaik-Anlage und die Begrünung des Theaterdachs. Auch der Abbau von Parkplätzen wird darin thematisiert.

580 Millionen statt ursprünglich 125 Millionen

Als nächstes gilt es, hinter den Beschluss der Stadtverwaltung einen Haken zu setzen - oder eben nicht. Denn zusammengefasst würden die Fraktionsmitglieder einem Beschluss zustimmen, der sich inzwischen auf rund 580 Millionen Euro aufsummieren würde. 

Von diesen 580 Millionen Euro würde das Land Baden-Württemberg ungefähr die Hälfte übernehmen. Die Idee eines Neubaus soll inzwischen aber vom Tisch sein. Der Grund: Eine Sanierung sei unterm Strich wirtschaftlicher.

Warum diese letztendlich nicht mehr mit den zuvor veranschlagten 325 Millionen Euro möglich sei, erklärt die Stadtverwaltung unter anderem mit einer verlängerten Bauzeit, anfallenden Baunebenkosten, dem eben erwähnten Risikoaufschlag Baupreissteigerungen und der Interimslösung.

Letztere sei mit enormen Aufwand verbunden, da alle Theaterbereiche während der Bauzeit gleichzeitig ausgelagert werden müssten. Darüber hinaus müssen sämtliche Sparten dem Theater erhalten bleiben, da ansonsten die Bezuschussung seitens des Landes wegfalle. 

"Nur" 20 Millionen pro Jahr Mehrkosten

Aus diesem Grund setzt die Stadtverwaltung in der neuen Beschlussvorlage fest, dass der "Aufwand für Interimsunterbringungen möglichst gering gehalten" und die "Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit und des künstlerischen Anspruchs des Staatstheaters" im Blick behalten werden solle.

Des Weiteren solle eine Finanzierungsvereinbarung zwischen Stadt und Land den jährlichen Geldfluss von Karlsruhe regeln. Demnach dürfte ein Betrag von 20 Millionen Euro pro Jahr für das Badische Staatstheater nicht überschritten werden. Laut den Gemeinderats-Unterlagen der Stadt Karlsruhe seien bislang rund 37 Millionen Euro für Planungsarbeiten und Vorwegmaßnahmen ausgegeben worden.

Um weiteren "bösen Überraschungen" entgegenzuwirken, schlägt die Verwaltung außerdem vor, den Gemeinderat halbjährlich über den aktuellen Projektstand zu informieren.

Das badische Staatstheater im Umbau.
Das badische Staatstheater im Umbau. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

FW/Für Karlsruhe fordern Kostendeckel für Staatstheater-Sanierung

Diese mangelnde Sicherheit ist es auch, die die Fraktion der Freien Wähler/ Für Karlsruhe veranlasst hat, einen Änderungsantrag für die Beschlussvorlage einzureichen. "Was uns natürlich stört, ist, die Kostenentwicklung. Denn wir glauben nicht, dass die Kosten bei den 580 Millionen Euro bleiben werden", erklärt der Fraktionsvorsitzende Jürgen Wenzel gegenüber ka-news.de. "Die 700 Millionen, die wir mal vorgelegt haben, sind nicht mehr weit weg."

Jürgen Wenzel
Jürgen Wenzel Bild: Freie Wähler Karlsruhe

Das Problem sei ihm zufolge nicht nur, dass das Vorhaben immer teurer werde, je länger es dauert, sondern auch die Rohstoffe selbst. Beides zusammen treibe letztendlich die Preise in die Höhe. "Weil man uns schon drei Mal irgendwelche Zahlen erzählt hat, wollen wir jetzt endlich eine Sicherheit mit drin haben", so Wenzel weiter. Das heißt: Insgesamt 311 Millionen Euro sollen von der Stadt für die Baukosten getragen werden, hinzu kommen 65 Millionen Euro für die Außenanlagen. Mehr dürfe die Stadt nicht mehr in die Hand nehmen.

In diesem Zusammenhang kann er auch die Entscheidung der Grünen, sich erst einmal nicht klar zu dem weiteren Vorhaben positionieren möchten, nicht nachvollziehen. "Als größte politische Gruppierung im Gemeinderat hat man eine ganz besondere Verantwortung. Ich finde das nicht gut."

Finanzielle Schenkungen von Projektliebhabern

Des Weiteren schlägt die Fraktion in ihrem Antrag vor, dass Schenkungen und Werbungen für das Projekt angenommen werden sollen. Hier bringt die Fraktion den Theaterbau aus Heidelberg mit ins Spiel, der somit rund 39 Millionen Euro zusätzlich sammeln konnte. Eine Idee auch für Karlsruhe?

Junges Staatstheater "Schwalbenkönig"
(Archivbild) Eine Aufführung im Badischen Staatstheater Bild: bernadette

Nach Ansicht Wenzels auf jeden Fall. Denn hier könnten Projektliebhaber einspringen, um die Kosten - durch Spenden und Schenkungen - etwas abzufedern. Damit könnten, seiner Ansicht nach, jene Steuerzahler entlastet werden, die selten oder nie das Badische Staatstheater besucht haben. 

"Ich glaube, bei so einem Projekt, das viele Liebhaber hat, sollten diese sich auch einbringen, anstatt über analoge Zeitungen Werbung dafür zu machen, die auch nicht wenig kostet", so die Meinung des Stadtrats. "Wenn Heidelberg es fast auf 40 Millionen Euro geschafft hat, dann dürfen 80 Millionen Euro für Karlsruhe kein Problem sein."

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