Galeria Karstadt Kaufhof will 62 seiner 172 Filialen schließen.
Galeria Karstadt Kaufhof will 62 seiner 172 Filialen schließen.
Bild: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa
Keine Schließung: Karstadt in Karlsruhe bleibt weiter geöffnet
Essen
18.06.2020 20:05
Die Corona-Krise hat Deutschlands letzter großer Warenhauskette schwer zugesetzt. Harte Einschnitte sollen nun ihr Überleben sichern. Das ist nicht nur für Tausende Beschäftigte eine schlechte Nachricht. In Karlsruhe setzte sich Oberbürgermeister Frank Mentrup für einen Erhalt der Karstadt-Filiale ein.

Es ist eine Hiobsbotschaft nicht nur für Tausende Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof, sondern auch für viele deutsche Innenstädte: Der letzte große deutsche Warenhauskonzern wird 62 seiner 172 Filialen schließen. 

Bereits vergangenen Woche hatte sich Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup für den Erhalt der Karlsruher Karstadt-Filiale eingesetzt.  "In der Vergangenheit wurde mir aus ihrem Konzern immer wieder bestätigt, dass der Standort Karlsruhe einer der Topstandorte sei. Mit der neu gestalteten und schienenfreien Fußgängerzone sowie der erleichterten Erreichbarkeit wird sich der Standort Karlsruhe noch weiter verbessern", so Mentrup in der Bitte, die Bemühungen der Stadt "zum Vorteil aller Beteiligten zu unterstützen".

Welche Filialen schließen, bleibt offen

Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Verhandlungskreisen. Welche Filialen betroffen sind, blieb aber zunächst offen. Die Zahl der Filialschließungen fällt damit zumindest etwas geringer aus als zunächst befürchtet.

"Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden", sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Letztlich gehe es darum, das Unternehmen und damit viele tausend Arbeitsplätze zu sichern. 

Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 Filialen geschlossen werden könnten. Doch konnte durch Zugeständnisse von Vermietern und Beschäftigten offenbar noch Schlimmeres verhütet werden.

6.000 Mitarbeiter verlieren Job

Doch das ist wohl nur ein kleiner Trost. Nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" dürften rund 6.000 der 28.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Auch in vielen der von den Schließungen betroffenen Kommunen dürfte Alarmstimmung herrschen. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte.

"Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Krise durch Corona-Schließung 

Die Gewerkschaft Verdi warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

Doch ist der Sanierungsdruck bei Galeria Karstadt Kaufhof gewaltig. Der Handelsriese war durch die pandemiebedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen.

"Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen", beschrieb der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz im Mai die Probleme des Konzerns.

Verdi kämpft für Mitarbeiter

Dabei standen die Rettungsbemühungen unter großem Zeitdruck. Bis Ende des Monats muss die Konzernführung einen Sanierungsplan vorlegen. In den vergangenen Wochen rangen die Gewerkschaft Verdi, der Betriebsrat und die Geschäftsführung dennoch erbittert darum, welche Opfer die Beschäftigten noch bringen müssen und auf welche Einschnitte der Konzern verzichten kann.

Am Mittwochabend meldete Verdi dann erste Fortschritte: Der geplante Personalabbau von zehn Prozent in den bestehenden Filialen sowie die Ausgliederung des Waren Service Teams (WST) seien "unter dem Vorbehalt einer Gesamtlösung vom Tisch", hieß es.

Details sollen am Freitag folgen

Doch das Ringen um einen Sozialtarifvertrag, einen Interessensausleich für die von Kündigung betroffenen Mitarbeiter und ein Zukunftskonzept für den Konzern ging weiter. Offenbar mit Erfolg. Eine entsprechende Vereinbarung mit Betriebsrat und Gewerkschaften sollte noch am Donnerstagabend unterschrieben werden.

Welche Filialen genau betroffen sind, darüber sollen die Mitarbeiter nach dpa-Informationen am (heutigen) Freitag um 14 Uhr informiert werden. Schon zwei Stunden früher sollen die Führungskräfte Details der Zukunftsplanung erfahren. Durch die Schließung und weitere Sparmaßnahmen dürften mindestens 5.000 der 28.000 Stellen bei dem Konzern wegfallen.

16:03Karstadt in Karlsruhe bleibt geöffnet

Nach Angaben der dpa sollen in Baden-Württemberg voraussichtlich fünf Filialen von den Schließungen betroffen sein. Konkret soll es sich laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi um Kaufhof-Filialen in Mannheim, Stuttgart-Bad Cannstatt und Göppingen dichtgemacht werden, außerdem die Karstadt-Häuser in Leonberg und Singen. Es seien rund 300 Mitarbeiter betroffen.

Noch offen ist weiterhin das Schicksal der Karstadt-Sport-Häuser. Hier gelten laut dpa mehr als zwei Drittel der rund 30 Filialen als gefährdet. Auch bei den Galeria Reisebüros werden drastische Einschnitte erwartet.

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