Bild: Carmele / TMC-Fotografie
"Ohne Hilfen gehen die Lichter aus": Zerbricht der Karlsruher Einzelhandel an der Corona-Krise?
Karlsruhe
10.02.2021 09:57
Triste Fußgängerzonen, verwaiste Geschäfte, leere Kassen - der Corona-Lockdown setzt dem Einzelhandel schon seit Monaten massiv zu. Und das wird wohl auch erst einmal weiter so bleiben, sollte der Lockdown noch einmal verlängert werden. Auch Karlsruhe hat die Krise hart getroffen, das weiß Unternehmerin Petra Lorenz. Ihre bittere Bilanz: "Bleibt die aktuelle Situation so wie sie aktuell ist, geht in vielen Läden bald das Licht aus."

Die Corona-Krise hat den Einzelhandel derzeit fest im Griff. Eine Aussicht auf Besserung besteht aktuell nicht. Denn: Aller Voraussicht nach wird der Lockdown bei den am Mittwoch anstehenden Bund-Länder-Beratungen bis Ende Februar erneut verlängert. In Karlsruhe zieht sich damit für viele Unternehmen die finanzielle Schlinge weiter zu.

Von Hilfszahlungen keine Spur

"Die Situation in Karlsruhe ist wirklich sehr sehr schlecht", meint Petra Lorenz im Gespräch mit ka-news.de. Die Stadträtin der Fraktion Freie Wähler/Für Karlsruhe ist selbst Inhaberin eines Einzelhandelsgeschäfts und kennt die Sorgen, die die lokale Wirtschaft derzeit plagen. "Die Stimmung ist am Tiefpunkt. Viele wissen nicht mehr weiter", stellt die ehemalige OB-Kandidatin fest.

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Das wohl größte Problem: Die von der Regierung versprochenen Überbrückungshilfen seien zu großem Teil immer noch nicht geflossen. "Viele Händler warten noch immer auf Hilfen für November und Dezember, wenn diese in den nächsten zehn Tagen nicht fließen, wird Ende Februar in vielen Läden das Licht endgültig ausgehen", prognostiziert Lorenz.

Bei den laufenden Kosten müsse nicht nur die zu zahlende Miete berücksichtigt werden, auch Faktoren wie Lieferungen oder Gehälter kommen dazu. "Viele Händler stehen mittlerweile schon mit dem Rücken zur Wand."

Ketten schließen ihre Karlsruher Filialen

Erst Konsequenzen könne man schon jetzt hören und sehen. "In der Karlsruher Kaiserstraße sind schon viele Läden geschlossen, in Durlach hat es auch schon einige Geschäfte erwischt und auch einige große Ketten haben schon angekündigt, viele ihrer Filialen zu schließen", so Lorenz. Beispiele wären Modehäuser wie Pimkie und Promo, aber auch Douglas.

Laut Lorenz sei dies aber erst die Spitze des Eisbergs: Weitere Insolvenzen und Pleiten drohen, wenn nicht bald mehr Hilfen ausbezahlt werden. "Die bisherigen Hilfen und das Click&Collect-System sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", so Lorenz. 

Händler gefangen in der Perspektivlosigkeit

Hinzu kommt: Viele Händler würden aufgrund mangelnder Perspektive den Mut verlieren und sich nach Alternativen umschauen. "Viele sagen auch 'Ich mache zu', weil die Perspektive fehlt, weil es einfach keine Anhaltspunkte gibt, um eventuell Pläne aufzustellen."

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Perspektivlosigkeit - und das, obwohl viele Kunden Solidarität zeigen würden. "Eine Kollegin hat mir vor Kurzem erzählt, dass eine ihrer Stammkunden einen 1.000 Euro-Gutschein gekauft hat, weil sie so viel Mitleid hatte. Aber auch sowas hilft nur kurz weiter", erzählt Lorenz.

Wenig Hoffnung in kommendes Bund-Länder-Treffen

Am Mittwoch kommen die Kanzlerin und Länderchefs wieder zusammen, um über das weitere Vorgehen in der Krise zu beraten. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bremste schon in der vergangenen Woche die Erwartungen über mögliche Lockerungen. 

Auch deswegen knüpft Lorenz wenig Hoffnung an das Treffen von Merkel, Kretschmann und Co. "Meiner Erfahrung nach wird dabei nichts herauskommen, außer, dass der Lockdown verlängert wird - und dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen", sagt Petra Lorenz.

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