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Mehrwertsteuer-Senkung: Was wird in Karlsruhe jetzt günstiger?
Karlsruhe
04.07.2020 06:00
Jeder kennt sie vom Kassenbon: die Mehrwertsteuer. Mit der Senkung zum 1. Juli sollen viele Waren und Dienstleistungen günstiger werden - auch in Karlsruhe. Wie geben die Karlsruher Unternehmen das "Steuergeschenk" an ihre Kunden weiter? Und welche Branchen behalten das finanzielle Polster zum Ausgleich der Verluste für sich?

Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, hat sich der Bund für ein "Steuergeschenk" entschieden: Zum 1. Juli sinken die Abgaben, die Unternehmen bei jedem Kauf an das Finanzamt abführen müssen.

Unternehmen nicht zu Preissenkung verpflichtet

Die Mehrwertsteuer beträgt nun statt 19 nur noch 16 Prozent. Der reduzierte Satz, der beispielsweise für viele Lebensmittel gilt, sinkt von 7 auf 5 Prozent. Der Steuerbonus gilt ab nun für genau ein halbes Jahr und endet zum Januar 2021.

"Steuersenkung auf alles": Beim Einkaufen fallen ab heute für ein halbes Jahr nur noch 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer an. Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Das Ziel: Einkaufen soll billiger werden, die Kunden zum Konsum anregen und so den Unternehmen - ob Café am Markt, Dienstleister oder Supermarkt - aus der Krise helfen. Denn die Wirtschaft hat unter den Folgen der Corona-Krise gelitten.

Bedeutet das für die Kunden, dass alle Waren nun mit einem Schlag billiger werden? Nein, denn: Die Unternehmen sind nicht verpflichtet, die Steuererleichterung an ihre Kunden weiterzugeben. Das Bundesfinanzamt ist allerdings zuversichtlich, dass die abgesenkte Umsatzsteuer auch den Bürgern zu Gute kommt. Bekommen auch die Karlsruher etwas vom "Kuchen" der niedrigeren Steuerlast ab?

Steuerbonus als Rabatt auf dem Kassenzettel

Das wohl größte Unternehmen für Alltagseinkäufe mit Sitz in Karlsruhe ist die Drogeriemarktkette dm. Wie Geschäftsführer Christoph Werner erklärt, werde der gesamte Betrag der Mehrwertsteuersenkung an die Kunden weitergegeben.

Im Drogeriemarkt dm wird die Mehrwertsteuersenkung als Rabatt an die Kunden zurückgegeben. Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Das sehen die Kunden auf dem Kassenbeleg schwarz auf weiß: Die Mehrwertsteuer wird als Rabatt vom Einkaufspreis abgezogen. An den Regalen selbst ist die Preissenkung jedoch nicht gekennzeichnet. Jegliche Preisschilder auszutauschen sei ein zu hoher finanzieller Aufwand, teilt das Unternehmen mit.

Werden die Bahntickets in Karlsruhe günstiger?

Ein großer Kostenpunkt für viele Karlsruher Bürger ist der ÖPNV: Ob Bus oder Bahn - das Wabensystem der Region Karlsruhe ist mitunter kompliziert. Ein neues Tarifmodell soll in den kommenden Jahren entwickelt werden. Verspricht der Corona-Steuerbonus eine schnellere Anpassung der Preise?

Ob die Fahrkarten aufgrund der Mehrwertsteuersenkung günstiger werden, steht noch nicht fest. Bild: VBK

Ob die Bahntickets im Karlsruher Raum nun günstiger werden, das steht noch nicht fest. "Wir prüfen derzeit, in welcher Form wir den Kunden einen Teil der Steuerlast zurückgeben können", teilt der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) auf Nachfrage von ka-news.de mit. Die technische Umsetzung, beispielsweise eine Senkung der Preise an den Fahrkartenautomaten, sei jedoch nicht so einfach.

Wird der Restaurantbesuch in Karlsruhe günstiger?

Den Karlsruher Gastronomen wird nun gleich doppelt unter die Arme gegriffen: Zusätzlich zur Mehrwertsteuersenkungen des Bundes erlässt die Stadt die Gebühren für die Außenbestuhlung.

Bislang galt: Stellte ein Café oder ein Restaurant Tische oder Stühle auf die öffentlichen Straßen, fielen dafür Gebühren an. Je nach Lage zwischen 2,50 Euro und 20 Euro pro genutztem Quadratmeter. Diese Kosten entfallen nun bis zum Jahresende.

Das Oxford Pub in Karlsruhe. Bild: Oxford Pub

"Jede Entlastung hilft uns weiter, auch wenn der Wegfall der Gebühren für die Außenbestuhlung nicht den größten Ausschlag gibt", sagt Arya Farmann, Geschäftsführer des Oxford Pub Karlsruhe. Über die gesamte Zeit der Sommermonate würde das Restaurant rund 1.200 Euro durch den Gebührenerlass sparen.

Vor der Preissenkung müssen Verluste aufgeholt werden

Den Kunden zu Gute kommt dies und die niedrigere Mehrwertsteuer vorerst nicht. Im Fokus stehe nun, die Verluste der letzten Monate so gut es geht wieder aufzuholen, so Farmann. Bliebe ein Überschuss zurück, könnte dieser möglicherweise im Jahr 2021 in der ein oder anderen Form an die Gäste weitergegeben werden.

Das Oxford Pub in Karlsruhe. Bild: Oxford Pub

Besonders die Gastronomie und Hotelleriebranche hat unter den Folgen der Corona-Beschränkungen gelitten. Ab Mitte März mussten alle Restaurants und Cafés für mehrere Wochen schließen. Während viele große Lebensmittel- und Warenhäuser die Mehrwertsteuersenkung an ihre Kunden weitergeben können, steht in der Gastronomie wohl die eigene finanzielle Sicherheit der Betriebe vorerst an erster Stelle.

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