Frank Mentrup bei seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg.
Oberbürgermeister Frank Mentrup
Bild: Thomas Riedel
Karlsruher OB von Corona-Beschlüssen für Handel "schwer enttäuscht": "Unsere Inzidenzlage hätte mehr zugelassen"
Karlsruhe
11.02.2021 19:41
Es ist beschlossene Sache: Der Lockdown geht weiter. Doch was heißt das jetzt speziell für Karlsruhe? Oberbürgermeister Frank Mentrup hat in einer virtuellen Pressekonferenz zum Austausch zur aktuellen Corona-Situation eingeladen. Fest steht: Nicht mit allen Punkten, die Bund und Länder am Mittwoch beschlossen haben, ist der Karlsruher OB einverstanden.

Friseure, Kitas, Grundschulen und Einzelhandel - die Oberpunkte der letzten Besprechungen von Bund und Länder haben es auch in die Pressekonferenz der Stadt Karlsruhe geschafft. 

"Ich bin mit den gestrigen Ergebnis soweit zufrieden, da sich jetzt eine verbindliche Öffnung der Kindertagesstätten und Grundschulen abzeichnet", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup zu Beginn.

Mentrup, selbst einstiger Kinderarzt, hatte sich bereits vor einigen Wochen für eine Öffnung der Einrichtungen ausgesprochen. Der Grund: Nach Ansichten Mentrups würden sich allmählich Folgeschäden bei den Kleinsten abzeichnen, die sie in ihrer Entwicklung ausbremsen könnten. 

Zufrieden zeigt er sich auch mit der Verlängerung des Lockdowns bis zum 7. März und nicht - wie lange debattiert wurde - bis zum 14. März. Das Gegenteil ist jedoch beim Thema Einzelhandel der Fall. Hier sei Mentrup von der Beratung von Bund und Ländern "schwer enttäuscht", denn: Ihm fehle eine "klare Ansage für eine entsprechende Öffnung".

"Inzidenzlage hätte mehr zugelassen"

Denn, so das Stadtoberhaupt, eine solche Öffnung könne er sich in Karlsruhe aufgrund der fallenden Infektionszahlen durchaus bereits vorstellen. "Allein schon darum, um eine Entzerrung der Einkaufenden vorzunehmen."

Bild: Hammer Photographie

Der Grund: Weil weniger Geschäfte geöffnet haben, würden sich die Einkäufer laut Mentrup in den geöffneten Läden stärker konzentrieren: "Jeder, der am Samstag in den Supermarkt oder die Drogerie geht, merkt, dass diese Läden zum Ausflugsziel von Familien geworden sind - das ganze bekommt eine Art Freizeitpark-Charakter", meint er.

Umso kritischer sieht der Rathaus-Chef vor diesem Hintergrund die neue Vorgabe, dass sich ab sofort pro 20 Quadratmeter Ladenfläche nur noch ein Kunde aufhalten darf. "Zehn Quadratmeter waren gut einzuhalten, aber diese Hochsetzung macht den Kleinhändlern das Leben wieder zusätzlich schwer. Ich denke, unsere Inzidenzlage hätte mehr zugelassen."

FFP2-Masken jetzt auch in Karlsruher Kitas

Sorge, dass sich bei einer zu frühen Öffnung die gefürchteten Mutationen ausbreiten könnten, plagt den Oberbürgermeister dabei jedoch weniger. "Es ist nicht erkennbar, dass dort eine große Infektionsgefahr hervorgeht, trotz Mutationen." 

Als "größeres Problem" sieht Mentrup die Mutationen eher bei Einrichtungen, in denen "die Hygieneregeln nicht unbedingt eingehalten werden können", so etwa bei Kindergärten. Diese sind in der Notbetreuung aktuell bei rund 48 Prozent ihrer sonstigen Auslastung.

"Ich finde es daher gut, dass Erzieher und Lehrer jetzt in die zweite Impfwelle aufgenommen werden", so der OB. Aber nicht nur das Vorrücken bei den Impfungen ist für die Stadt Karlsruhe ein Thema - auch die aktuelle Sicherheit von Kita-Personal und Kindern wird am Donnerstag virtuell diskutiert.

Hier gibt die Leiterin der Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe, Karina Langeneckert, allerdings Entwarnung: "Das Personal wird bei Aktionen, bei denen der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, ab sofort FFP2-Masken tragen, wie zum Beispiel beim Wickeln", erklärt Langeneckert.  "Aber wenn es Familien gibt, die da Sorge haben, dann können sie die Kinder auch zu Hause lassen."

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