Martin Kerner ist einer von drei Geschäftsführern im Karlsruher "Basislager".
Martin Kerner ist einer von drei Geschäftsführern im Karlsruher "Basislager".
Bild: Kerner
Corona-Krise trifft Karlsruher "Basislager" hart: "Was an Hilfen kommt reicht für keine Monatsmiete"
Karlsruhe
21.02.2021 08:00
Noch hat der Lockdown den Karlsruher Einzelhandel fest im Griff. Nach den letzten Bund-Länder-Verhandlungen gibt es zwar einen Lichtblick: Am 7. März sollen die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Doch der Einzelhandel ist von den vergangenen Monaten bereits schwer gebeutelt. Deswegen hofft Martin Kerner, Geschäftsführer des "Basislager" in Karlsruhe bald wieder Kunden in seinem Ladengeschäft empfangen zu können: "Es geht ums blanke Überleben."

Die Corona-Krise setzt dem Einzelhandel weiterhin schwer zu. Seit Monaten sind die Geschäfte im ganzen Land geschlossen. Am 8. März sollen die Läden nun endlich wieder öffnen dürfen. Dafür muss allerdings die Inzidenz im Umkreis stimmen. Für viele Einzelhändler ist die Zukunft also weiterhin ungewiss. 

Nicht nur der Einzelhandel ist betroffen

Die Unternehmerin Petra Lorenz und die Managerin des Einkaufszentrums Ettlinger Tor, Anne Klausmann, hatten im Gespräch mit ka-news.de bereits von den Sorgen und Nöten des Einzelhandels berichtet.  Und auch Martin Kerner, Geschäftsführer des "Basislager" in Karlsruhe sieht die aktuelle Lage sehr kritisch.

Auch hier fehlen die Kunden: Basislager Karlsruhe.
Auch hier fehlen die Kunden: Basislager Karlsruhe. Bild: Basislager

Das Reisen ist in Zeiten von Corona schon lange nicht mehr möglich. Für ein Geschäft wie das "Basislager", das seine Waren hauptsächlich an Reisende verkauft, ist dies eine schwierige Situation. Es mache das Planen schwer, sagt Kerner im Gespräch mit ka-news.de. Fernreisen und das Wintergeschäft fielen derzeit komplett aus. Zwar gingen Menschen derzeit vermehrt wandern oder spazieren - die hier verkauften Waren könnten die Ausfälle jedoch nicht kompensieren.

Und nicht nur für den Einzelhandel stellt dies eine enorme Herausforderungen dar. Kerner erklärt, dass altbewährte Produktionsketten zum Teil nicht mehr funktionierten. Da die Einzelhändler ihr Sortiment nur schwer planen können, wissen auch die Hersteller nicht, was auf sie zukommt. Erste Marken liefern bereits nichts mehr aus. "Es wird langfristig ein Ladensterben und auch ein Firmensterben geben", prophezeit Kerner. 

"Wir sind über jeden dankbar und froh, der uns auf dem Sender hat"

Als Fachgeschäft hat das "Basislager" ein sehr spezielles Sortiment. Der Geschäftsführer erklärt, dass nicht immer viele Kunden in das Geschäft kämen - wer kommt, der kauft dann jedoch auch etwas. Allerdings, so Kerner, lebe der Einzelhandel von einer Frequenz an Kunden. 

Hier sieht Kerner auch die Städte in der Pflicht: "Die Städte sind gefordert dafür zu sorgen, dass die Innenstädte attraktiv bleiben." Nicht nur für Ladenbesitzer ist dies wichtig. Es gäbe auch Menschen, die einfach gern einkaufen gingen. Diese wollten sich dann auch in Geschäften beraten lassen.

Bild: Felix Zeiffer/Basislager
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Wie lange dies allerdings noch möglich sein wird, ist fraglich. Denn die versprochenen Leistungen des Bundes helfen, laut Kerner, nur wenig. "Es funktioniert im Grunde genommen überhaupt nicht", berichtet der Einzelhändler verbittert. Lange Zeit habe die Plattform zur Beantragung von Hilfsmitteln überhaupt nicht existiert. Und nun wo sie existiert, sei es zu kompliziert und zu wenig unbürokratisch um schnell Hilfe zu erhalten. Zwar freue Kerner sich über das Geld, doch die Summen könnten seine Verluste auch nicht ausgleichen. 

Online-Shops sind keine Alternative

Vielen Einzelhändlern wird deshalb in dieser Zeit zum Öffnen eines Online-Shops geraten, um Einnahmen zu bekommen. Kerner kann dies nicht verstehen. Es sei nicht so einfach Waren online zu verkaufen, wie dies häufig suggeriert würde. Dahinter steckten viel Arbeit und viel Geld. 

Und auch die Auffindbarkeit eines Online-Shops sei, so Kerner, ein Problem. "Wer außer unseren Stammkunden soll uns finden?", fragt er. Denn sucht man nach einem bestimmten Produkt, zeigen Suchmaschinen immer zuerst die großen Anbieter an. Einzelhändler und kleine Geschäfte kämen dann auf Seite zwei oder drei. So lange würden die Kunden aber gar nicht erst suchen. "Online-Shops sind keine Garantie für gute Geschäfte", stellt er klar. 

"Es muss klar sein, wie Öffnungsszenarien aussehen können"

Mit Hoffnung und Sorge blickt Kerner deshalb auf den kommenden Bund-Länder-Beratungen. Bisher ist die Lage nach Meinung des Einzelhändlers für ihn selbst und andere noch zu unsicher. "Es muss klar sein, wie Öffnungsszenarien aussehen können", fordert Kerner deshalb. 

Bild: Felix Zeiffer/Basislager

Denn das "Basislager" wieder öffnen zu dürfen sei zwar wichtig, Geschäfte sollten dann aber nicht nach kurzer Zeit wieder schließen müssen. Ein Szenario, in dem die Geschäfte ab dem 8. März zwar für einige Wochen öffnen dürften, dann ihre Türen aber wieder schließen müssten, wäre laut Kerner eine Katastrophe. 

Seit einem Jahr wüssten Einzelhändler nun schon nicht, wie es weiterginge, klagt er. Und auch wenn Kerner seine Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Lockdowns setzt, steht fest: "Die Nerven sind blank". So verfolgt Kerner aufmerksam die weiteren Entwicklungen und hofft, bald wieder Kunden im "Basislager" begrüßen zu können.

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