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Bild: Needham/Mowhawkvisuals
Corona-Hilfen reichen nicht: Viele Karlsruher Einzelhändler müssen draufzahlen - und treffen eine schwere Entscheidung
Karlsruhe
10.04.2021 08:28
Existenzängste, Bürokratie und die ständige Ungewissheit vor der Zukunft. Seit über einem Jahr macht Corona den Unternehmern das Leben schwer. Diverse Corona-Hilfspakete wurden dementsprechend auf den Weg geschickt, um zumindest das Geschäft am Leben zu erhalten. Das Problem: Inhaber gehen da zumeist leer aus - und beginnen deshalb mit einem Berufswechsel zu liebäugeln.

Sie sind Freud' und Leid zugleich - die Corona-Hilfen. Eigentlich als Hilfsmaßnahme für Unternehmer und Selbstständige gedacht, die durch die Corona-Krise helfen sollen, sind die Finanzspritzen häufig nur "ein Tropfen auf dem heißen Stein". 

Aktuell laufen viele der Anträge auf die "Corona Überbrückungshilfe III" hinaus. Doch die birgt ein Problem: Je nach Unternehmen soll das Hilfspaket bis zu 100 Prozent sämtlicher Fixkosten des Betriebs decken, zumindest laut Website der Bundesrepublik Deutschland.

Die Realität sieht aber meistens anders aus. So werden zwar einige der Fixkosten in verschiedenen Höhen erstattet, für den eigenen Lebensunterhalt reicht es aber trotzdem nicht aus. Das heißt: Der Einzelhändler zahlt in der Regel sogar drauf. 

"Dass da Existenzen dranhängen, versteht niemand"

Einer von ihnen ist Stefan Krickeberg, Mitinhaber des Basislagers in Karlsruhe. Sein Outdoor-Shop bekommt Zuschüsse in Form von Corona-Hilfe III ausgezahlt, wodurch 90 Prozent seiner Fixkosten gedeckt sind. Zehn Prozent bleiben da über, die er wegen fehlendem Einkommen nicht füllen kann. 

Bild: Felix Zeiffer/Basislager

"Dass da Existenzen dranhängen, versteht niemand", empört er sich gegenüber ka-news.de. "Das können sich die ganzen Lehrer gar nicht vorstellen, wenn man vom Gewinn des Betriebs abhängig ist." 

Schon im ersten Lockdown, hätten die ersten Hilfszahlungen nicht wirklich etwas gebracht. So habe er damals zwar rund 30.000 Euro überwiesen bekommen, doch tatsächlich, so der Unternehmer, hätte man da "noch eine Null mehr dranhängen müssen". Fehlende Regelungen für die Immobilien hätten ihm weitere Probleme beschert.

"Die Vermieter sind uns da auch nicht entgegengekommen und haben sich quer gestellt", erklärt Krickeberg gegenüber ka-news.de. Auch dem ständigen "Auf und Zu" infolge der schwankenden Inzidenz um die 100er-Marke steht der Geschäftsinhaber mit gemischten Gefühlen gegenüber. "Kaum jemand verfolgt aktiv, wann wir geöffnet haben", sagt er.

Kein Geld für den eigenen Geldbeutel

Hinzu kommt jedoch noch ein ganz anderes Problem: Unternehmer haben weder Anspruch auf Hartz IV und noch auf Kurzarbeitergeld. Das bedeutet: Selbst wenn Inhaber wie Stefan Krickeberg mit den Zuschüssen eventuell die Fixkosten stemmen können, im eigenen Portemonnaie wird sich kein Cent wiederfinden.

Lediglich die Angestellten der Geschäfte können vom Arbeitsamt Kurzarbeitergeld erhalten, was in der Regel 60 Prozent des Einkommens ausmacht. Minijobber gehen dabei ebenfalls komplett leer aus.

Bei den Corona-Hilfen wird kein Geld für den privaten Gebrauch gezahlt. Bild: Chronomarchie@pixabay.com

Das führt dazu, dass viele Geschäftsinhaber bereits ihre Altersvorsorge plündern müssen. So erzählt die Kosmetikerin Alexandra Schwinn: "Die November und Dezemberhilfen sind zwar gekommen, aber gereicht hat das trotzdem nicht. Jetzt bekomme ich die Fixkosten zu 75 Prozent erstattet, das heißt, ich muss die 25 Prozent trotzdem drauflegen. Die kommen von meiner Altersvorsorge."

Viele wollen sich beruflich umorientieren

Von diesem Dilemma weiß auch die Präsidentin des Einzelhandelsverbandes Nordbaden, Petra Lorenz. "Das Problem ist, wenn sie keine großen Fixkosten haben, dann bekommen sie auch nicht viel", erklärt Lorenz im Gespräch mit ka-news.de. "Für den Eigenbedarf bleibt dann noch weniger. Da brechen viele die Ersparnisse oder die Altersvorsorge an."

Petra Lorenz weiß um die Existenzängste der Karlsruher Einzelhändler. Viele wollen deshalb auch den Beruf wechseln. Bild: Carmele / TMC-Fotografie

Kurzum: Der Einzelhändler muss Ware verkaufen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Wann das aber in Zukunft wieder soweit möglich ist, damit es sich für die Inhaber rentiert, bleibt ungewiss. Diese Ungewissheit ist es auch, die viele Unternehmer dazu animiert, beruflich neu anzufangen und umzusatteln, wie Lorenz weiß.

"Es gibt zwei Arten von Inhabern. Die einen können es finanziell nicht mehr stemmen und die anderen verlieren zusehends den Glauben in die Politik", erzählt Lorenz im Gespräch mit ka-news.de. "Letztere wollen jetzt nur noch den Laden leer machen und sich dann was anderes suchen. Eben weil die Zukunft des Einzelhandels für sie nicht sicher ist."

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