Südtangente Stau
In der Ferienzeit ziehen Lkw-Fahrer den Kürzeren, sie müssen samstags stehenbleiben.
Bild: Tim Carmele
Während der Ferien haben Lkws auf den Autobahnen samstags Fahrverbot - das trifft Karlsruher Speditionen und Einzelhändler
Karlsruhe
11.07.2019 18:45
Wenn Baden-Württembergs Schüler Ende Juli in die wohlverdienten Sommerferien starten, zieht es viele Familien zum Urlaub weg aus der Heimat - das wird spätestens bei einem Blick auf stauverstopfte Autobahnen klar. Auch rund um Karlsruhe ist Ferienzeit Stauzeit. Um die Situation zu entspannen, gilt seit dem 1. Juli auf mehreren Autobahnen ein Samstagsfahrverbot für Lkws. Doch welche Auswirkungen hat das auf Speditionen und den Einzelhandel? Und halten sich tatsächlich alle Lkw-Fahrer an das Verbot?

Seit 1985 ist es in der sogenannten Ferienreiseverordnung bundesweit gesetzlich geregelt: Jährlich vom 1. Juli bis einschließlich 31. August sind Lastwagen samstags zwischen 7 und 20 Uhr auf bestimmten Straßen Tabu - zumindest dann, wenn sie mit einem zulässigen Gesamtgewicht über 7,5 Tonnen oder Anhängern unterwegs sind. Sondergenehmigungen werden nur in dringenden Einzelfällen oder bei bestimmten Lebensmitteltransporten ausgesprochen.

Solche langen Blechlawinen - wie hier auf der A8 - sollen durch die Verordnung vermieden werden. Bild: Peter Eich

Das gilt auch für Strecken rund um Karlsruhe: Das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) hat die A8, die A61 und die A5 zwischen dem Darmstädter Kreuz und Karlsruhe Süd während der Ferienzeit zur Lkw-freien Zone erklärt. Auch auf der A6 zwischen der Anschlussstelle Schwetzingen/Hockenheim und dem Autobahnkreuz Nürnberg Süd greift die Einschränkung. 

Zur Ferienzeit wird es eng auf den Autobahnen

Die Maßnahmen sollen einen reibungslosen Fernreiseverkehr während der Sommerferienzeit gewährleisten, denn: Kommen zu den Urlaubern auf der Autobahn auch noch die Lkws hinzu, wird es nicht selten eng auf den Straßen. Fast 80 Prozent der Güter werden laut Verkehrsministerium in Baden-Württemberg auf der Straße transportiert - allein im Jahr 2017 sind der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) zufolge pro Tag rund 22.670 Laster über die A5 bei Karlsruhe gerollt.

Ganz schön was los: 22.670 Laster waren 2017 täglich auf der A5 unterwegs. (Symbolbild) Bild: Florian Kaute

"Das Samstagsfahrverbot ist in unseren Augen natürlich sinnvoll, da durch die Reduktion der Lkws der Verkehr deutlich flüssiger fließt", erklärt Florian Herr, Sprecher der Polizei Karlsruhe, auf Nachfrage von ka-news.de. Doch halten sich tatsächlich alle Fahrer an den zusätzlichen Ruhetag? Schließlich könnten die Lkws einfach die gesperrten Teilstrecken umfahren, oder? "Das würde theoretisch gehen", meint Herr.

"Verstöße gegen das Fahrverbot sind selten"

"Allerdings sind diese Ausweichstrecken meist so unattraktiv, dass kaum jemand davon Gebrauch macht." Generell zähle die Polizei nur wenige Verstöße gegen die Verordnung. "Einzelne Fahrzeuge fallen natürlich gleich auf - das erhöht für uns den Kontroll-Druck", so Herr. Wer das Verbot doch einmal missachtet, wird mit 25 Euro zur Kasse gebeten. Fährt man länger als 15 Minuten, kostet es sogar schon 60 Euro.

Um samstags fahren zu dürfen, brauchen viele Fahrer Ausnahmegenehmigungen - die sie aber nicht immer haben. Bild: Lukas Hiegle

Doch nicht alle heißen das Samstagsfahrverbot gut: Maron Giu, Sprecher des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), sieht hier einen steigenden Druck für die Speditionen im Land: "Auch wenn die Lastwagen stehen: Der Bedarf an Gütern ist schließlich trotzdem da", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de. "Die gleiche Menge muss dann in einer kürzeren Zeitspanne transportiert werden."

"Die Einschränkungen sind planbar"

Und auch der Einzelhandel steht dem Samstagsfahrverbot skeptisch gegenüber. Swen Rubel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordbaden, sagt: "Natürlich bedeutet das für die Einzelhändler gewisse Einschränkungen in der Flexibilität."

Swen Rubel
Swen Rubel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordbaden. Bild: Handelsverband Baden-Württemberg

Dennoch ist er - wie auch VSL-Sprecher Maron Giu - sicher, dass sowohl Speditionen als auch der Einzelhandel sich auf die temporäre Veränderung eingestellt haben. "Die Einschränkungen sind in gewisser Weise ja schon planbar", meint er gegenüber ka-news.de und beruhigt: "Versorgungsengpässe muss also niemand befürchten!"

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