Reha-Beraterinnen
Verena Dachnowski (l.) und Martina Bürgy sind Teamleiterinnen für den Bereich Rehabilitation und Teilhabe bei der Arbeitsagentur Karlsruhe.
Bild: Melissa Betsch
"So normal wie möglich, so speziell wie nötig": Reha-Berater helfen Behinderten bei der beruflichen Wiedereingliederung
Karlsruhe
03.12.2018 12:00
Ob schwerer Unfall, körperliche oder geistige Behinderung oder Depression - die Gründe, warum Menschen ihren Beruf nicht mehr ausüben können, sind vielfältig. Eine berufliche Rehabilitation soll Betroffenen helfen, wieder in das Arbeitsleben zurückzufinden. Was genau hinter dem unbekannten Beruf steckt, erklären Martina Bürgy und Verena Dachnowski. Sie arbeiten als Teamleiterinnen der Reha-Beratung bei der Arbeitsagentur Karlsruhe.

Die berufliche Rehabilitation, auch "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" (LTA) genannt, hat zum Ziel, Menschen mit Behinderungen oder drohenden Behinderungen bei der Suche nach einer Ausbildung oder einer Arbeitsstelle zu unterstützen, wenn die Ausübung der vorherigen Tätigkeit beispielsweise aus medizinischen Gründen nicht mehr möglich ist.

"Wir beraten behinderte Menschen und erstellen mit ihnen zusammen einen individuellen Plan", erklärt Martina Bürgy im Gespräch mit ka-news. Dabei gilt der Grundsatz: "So normal wie möglich, so speziell wie nötig." Zuständig ist Bürgy für die reine Beratung, die Vermittlung der Arbeitnehmer übernimmt ihre Kollegin Verena Dachnowski.

Nur wenige wissen über berufliche Rehabilitation Bescheid

Insgesamt 10 Reha-Berater haben sie für den gesamten Agenturbereich in ihrem Team. Zusammen bearbeiten sie zwischen 3.000 und 3.500 Fälle pro Jahr. Einen Antrag auf LTA kann grundsätzlich jeder stellen, so Bürgy. Die Wege hin zur Beratung sind dabei vielfältig, denn: Nur wenige wissen, dass es das Angebot der Reha-Beratung überhaupt gibt. Oft stelle sich bei der Arbeitsvermittlung oder der medizinischen Reha heraus, dass jemand Anspruch auf LTA habe, meint Bürgy. "Nur die wenigsten wissen so gut Bescheid, dass sie selbst einen Antrag stellen."

Mit der beruflichen Rehabilitation soll behinderten Menschen bei der Arbeitssuche geholfen werden. (Symbolbild) Bild: pixabay.com@stevepb

Bei der Beratung selbst gehe es dann neben der Vorgeschichte des Rehabilitanden - ähnlich einer Berufsberatung - auch um dessen Eignung, Neigungen und Interessen. "Wir beziehen persönliche Vorstellungen natürlich mit ein, müssen diese aber auf die Umsetzbarkeit überprüfen", meint Verena Dachnowski gegenüber ka-news. "Zu einer Stelle zwingen können wir natürlich niemanden." Eine gewisse Flexibilität des Antragstellers hinsichtlich etwaiger Alternativen - im Bereich des Möglichen - setzen die Reha-Beraterinnen aber durchaus voraus.

Normaler Fall dauert zwischen zweieinhalb und drei Jahren

In ihrem Arbeitsalltag, so geben die beiden zu, stoßen sie auch immer wieder an ihre Grenzen, besonders wenn es um Kinder geht, die sie teilweise jahrelang begleitet haben. "Zu sagen, dass einen das nicht berührt - so abgebrüht ist niemand", macht Bürgy deutlich. "Wenn ich abends nach Hause gehe, muss ich einen Weg finden, solche Gefühle abzuschütteln." Aber: "Umso schöner ist dann das Gefühl, wenn auf eine jahrelange Begleitung endlich eine unbefristete Arbeitsstelle folgt. Ein tolles Erfolgserlebnis!", meint Dachnowski.

Doch trotz allem gibt es auch immer wieder Fälle, die die Beraterinnen fast durch das ganze Arbeitsleben hindurch begleiten - entweder, weil sich beispielsweise der Gesundheitszustand verändert hat, oder weil die Klienten nicht genug Eigeninitiative zeigen. "Wir sind bei der LTA auf Zusammenarbeit angewiesen", erklärt Bürgy. "Auch die 'Bilderbuchfälle' dauern schon zwischen zwei und dreieinhalb Jahren."

Zwischen Unternehmen und Klienten gab es nach Angaben der Reha-Beraterinnen bisher keine Probleme. (Symbolbild) Bild: pixabay

Zusammenarbeit mit Unternehmen verläuft reibungslos

Von Seiten der Unternehmen habe es bisher bei der Zusammenarbeit aber noch keine Probleme gegeben. "Wirklich viele Arbeitgeber sind bei der Beratung sehr aufgeschlossen", erklärt Verena Dachnowski. Damit die Chemie auch wirklich stimmt, werden im Voraus Praktika und Probearbeitstage vereinbart. "Aber wenn alles passt, haben wir unglaublich treue, motivierte und glückliche Klienten", so Dachnowski. "Und das ist eine echte Bereicherung!"

Menschen mit Behinderungen in Karlsruhe

Am internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen widmet sich ka-news den Arbeitsbedingungen und der Integrationsmöglichkeiten in Karlsruhe. Die weiteren Artikel der Serie finden Sie hier:

Zu wenig Schwerbehinderte in Karlsruher Unternehmen: Drücken sich die Betriebe vor ihrer Beschäftigungspflicht?

Inklusion im Verborgenen: Wie ein kleines Karlsruher Unternehmen sich für Behinderte einsetzt

 

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