IHK Präsident Wolfgang Grenke
Präsident der IHK Karlsruhe, Wolfgang Grenke.
Bild: ka-news
Kommt er oder kommt er nicht, der Brexit - für Karlsruher Unternehmen könnte es kritisch werden: "Es ist eine Phase zwischen Hoffen und Bangen"
Karlsruhe
13.03.2019 18:35
Es fing alles Ende Juni 2016 an, als etwa 46 Millionen Briten aufgerufen waren, sich für oder gegen ein Verbleib in der EU auszusprechen. Das Ergebnis war denkbar knapp: 51,9 Prozent votierten für den Ausstieg aus der Europäischen Union. Der "Brexit" war beschlossen - und Ende März ist es wohl so weit: Das Vereinigte Königreich verlässt die EU. Mit unabsehbaren Folgen, auch für die Wirtschaft in Karlsruhe.

Es sind bange Tage, denn schon seit Wochen sind die Gespräche zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich (UK) festgefahren. Ein kleiner Durchbruch konnte am Montag, 11. März, erzielt werden, da Premierministerin Theresa May bei der EU ein paar kleine Zugeständnisse aushandeln konnte. Doch mit der Abstimmung am Dienstag fand sich keine Mehrheit im Parlament für den Deal mit der Europäischen Union. Heißt: Wie es mit den Briten weitergeht, steht immer noch in den Sternen. 

Unterhaus
Jeremy Corbyn gestikuliert im britischen Unterhaus. Premierministerin May war den Gegnern eines No-Deal-Brexits zuvor weit entgegengekommen. Bild: Mark Duffy/UK Parliament/AP

Experten fürchten, dass es am 29. März zu einem "No-Deal"-Austritt kommt. Das könnte enorme wirtschaftlich Folgen haben, sowohl für Großbritannien als auch für die EU - die Region um Karlsruhe eingeschlossen, wenn Zölle erhoben und Zollkontrollen nötig werden. Das kostet Zeit und Arbeitskräfte, weiß Wolfgang Grenke, Präsident der IHK Karlsruhe.

Mehr Anfragen bei der IHK

"Es ist eine Phase zwischen Hoffen und Bangen derzeit", erklärt Grenke. "Wir könnten mit einer Norwegen-Lösung gut leben. Das heißt, dass UK Mitglied im Zollbereich bleibt und viele Bedingungen einhalten muss - aber zeitgleich wird das Mitspracherecht sehr stark eingeschränkt", so Grenke im Gespräch mit ka-news. 

IHK Präsident Wolfgang Grenke
Präsident der IHK Karlsruhe, Wolfgang Grenke. Bild: ka-news

Bei der IHK Karlsruhe häufen sich derzeit die Anfragen in Sachen Brexit und wirtschaftliche Zukunft. "Das Problem ist bisher, dass viele Unternehmen gut ausgelastet sind und sich erst spät um das Thema gekümmert haben", so der Kammer-Präsident. Nur rund die Hälfte der Unternehmen, auch in und um Karlsruhe, fühlt sich auf den sogenannten harten Brexit vorbereitet. Dabei leisten Grenke und seine Kollegen viel Aufklärungsarbeit und unterstützen die Unternehmen mit Checklisten und Beratungsangeboten. 

Existenzängste bei den Unternehmen? Noch nicht

Dennoch plagen die Unternehmen Sorgen und Ängste. "Die, die starke grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen haben, fürchten um einen nicht unerheblichen Einbruch ihrer Geschäfte", sagt Grenke. Die Zahlen belegen, dass das UK ein wichtiger Handelspartner vom Ländle ist. So wurden laut Statistischem Landesamt 2017 Güter für rund 11,1 Milliarden Euro auf die Insel exportiert, 2018 waren es nur 9,8 Milliarden.

Hamburger Hafen
Container liegen zur Abfertigung an einem Terminal im Hamburger Hafen. Bild: Axel Heimken

Waren aus Großbritannien wurden im Wert von 4,2 Milliarden Euro (2017) nach Baden-Württemberg eingeführt. Daher ist der drohende Brexit und das derzeitige Chaos kein Grund zur Schadenfreude aus Sicht von Europaminister Guido Wolf. "Der Export ging landesweit um 9 Prozent zurück und ein harter Brexit wäre schmerzhaft - für die Menschen und die Wirtschaft", so der Minister in einer Pressemeldung. 

Der britische EU-Austritt wäre am 29. März, fast drei Jahre nach dem Referendum. Bild: Kirsty O'connor/PA Wire

Von Existenzängsten der IHK-Mitglieder möchte Wolfgang Grenke nicht sprechen. "Da ist mir bisher noch nichts bekannt!" Ob die Unternehmen eventuelle Einbußen nach dem Brexit auffangen können? "Es gibt keine Prognosen, keine Statistiken. Deswegen empfehlen wir unseren Mitgliedern, sich mit ihren Kunden, Abnehmern oder Lieferanten in Verbindung zu setzen und darüber zu sprechen, was wirklich passieren kann", so der IHK-Präsident gegenüber ka-news weiter. "Aufregung hilft aktuell kaum weiter, die Welt ist aufregend genug", sagt er. "Deswegen ist es besser, das zu machen, was möglich ist." Heißt wohl: Abwarten und Tee trinken! 

17 Kommentare
Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Hinweis:
Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder. Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!