Axel Reichenberger
Axel Reichenberger ist Inhaber der Zebra-Fahrschule in Karlsruhe.
Bild: Fahrschule Reichenberger
Fahrlehrer in Karlsruhe: Beruf wird sich verändern - "wir stellen uns der Aufgabe!"
Karlsruhe
12.01.2018 12:00
Den deutschen Fahrlehrern geht der Nachwuchs aus. Erst kürzlich thematisierte ka-news die Probleme und vermeintlich schlechten Zukunftsaussichten des Fahrlehrerberufes. Daraufhin meldete sich ein Karlsruher Fahrschullehrer bei ka-news: Ja, es gebe einen Mangel - aber man stelle sich der Herausforderung.
Wirtschaft interessiert Sie?

Bestellen Sie gratis unseren Business-Newsletter von Redaktionsleiterin Corina Bohner

Eine teure Ausbildung, niedriges Gehalt, späte Arbeitszeiten und schlechte Zukunftsaussichten - das sollen die Gründe für den aktuellen Lehrermangel an deutschen Fahrschulen sein. Erst kürzlich berichtete ka-news über den Fahrlehrermangel in Karlsruhe und bezog sich dabei auf die aktuellen Probleme der Deutschen Fahrlehrer-Akademie und des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg.

"Wir haben keinen Mangel"

Auch der Karlsruher Fahrschulinhaber Karsten Klein bestätigte den Mangel an Fachkräften in dieser Branche und sagte, mit Hinblick auf das autonome Fahren, "dass der Fahrlehrerberuf langfristig keine Zukunft habe". Diese Meinung teilen allerdings nicht alle Karlsruher Fahrlehrer. So meldete sich Axel Reichenberger, Inhaber der Zebra-Fahrschule in Karlsruhe, nun zu Wort: "Wir weinen nicht, sondern stellen uns der Aufgabe und bringen unseren Berufsstand nach vorne. Daran arbeiten hier in Karlsruhe einige Kollegen und auch ich", sagte Reichenberger gegenüber ka-news.

Zwar stellt Reichenberger ebenfalls einen "erheblichen Mangel an Fahrlehrern" fest, sieht aber die Gewinnung neuer Fahrlehrer als seine primäre Aufgabe an und investiert in dieses Feld massiv Zeit und Aktivität. "Wir haben in der Zebra-Fahrschule keinen Personalmangel. In meiner Fahrschule arbeiten aktuell 13 Fahrlehrer. Wir zählen zu den sehr großen Fahrschulen in Deutschland", erklärt Reichenberger.

"Kosten müssen nicht privat geschultert werden"

Schlechte Arbeitszeiten lösen "die Zebras" mit einer freien Zeiteinteilung der Fahrlehrer. "Jeder Fahrlehrer erstellt seinen täglichen Arbeitsplan selbst. Vorgegeben ist eine 37,5 Stundenwoche die sich der Fahrlehrer folgerichtig frei einteilt. Private Belange haben absolute Priorität. Im Vergleich zu vielen anderen Berufen stellen wir uns damit ganz gut", informiert Reichenberger.

Die vom Verband und der Akademie genannte "schlechte Bezahlung des Fahrlehrerberufs" kann Reichenberger nicht bestätigen: "Dank des Fahrlehrermangels befinden sich die am Markt realisierbaren Konditionen im rasanten Steigflug. Dies zieht Löhne und Gehälter mit nach oben". Die rund 11.000 Euro hohen Ausbildungskosten müssen angehende Fahrlehrer, in den Augen von Reichenberger, nicht alleine tragen.

"Die Kosten dieser Weiterbildungsmaßnahme müssen nicht zwangsweise privat geschultert werden. Hier gibt es Möglichkeiten wie Meister-Bafög, den Bildungsgutschein der Arbeitsagentur oder auch Unterstützung durch die Rentenkasse. Modelle wie 'Wegebau' und Finanzierungsmöglichkeiten über Datapart" sind ebenfalls nutzbar. Es findet sich also fast immer eine Möglichkeit."

Zukunftsproblem: Autonomes Fahren?

Im Hinblick auf das autonome Fahren, sehen viele Fahrlehrer, keine rosige Zukunft auf die Fahrschulen zukommen - und darin zusätzlich einen Grund, den den potentiellen Fahrschullehrer abschrecken könnte. Wo viele das "Aus" einer Branche erkennen, sieht Reichenberger aber eine Chance auf Veränderung.

"Die langfristige Perspektive für unseren Beruf sehe ich durchaus als gegeben an. Die Form und die Inhalte unserer Tätigkeit werden sich sicherlich verändern. Diesem Anspruch werden wir uns stellen müssen. Hellwach und mit einer positiven Grundeinstellung wird es uns aber möglich sein neue Geschäftsfelder zu erkennen und zu besetzen. Autonom fahrende Kraftfahrzeuge gehören hier sicherlich auch dazu."

Reichenberger fordert, dass seine Fahrschulkollegen ebenfalls positiv in die Zukunft blicken: "Der Fahrlehrer der neuen Generation erwartet akzeptable Arbeitszeiten, einen hohen Freiheitsgrad bei der Planung seines Arbeitsalltags, eine motivierende Entlohnung sowie Zusatzleistungen von Seiten des Arbeitgebers". Zudem wäre sinnvoll, so Reichenberger, den Beruf des Fahrlehrers zu einem Ausbildungsberuf weiter zu entwickeln. 

6 Kommentare

Hinweis: Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren. Bitte beachten Sie die Kommentarregeln.
Betreff/Titel


Ihr Kommentar

Noch Zeichen