Jens Fahrenberg
Jens Fahrenberg ist Leiter der Dienstleistungseinheit Innovationsmanagement.
Bild: ps
Ideenschmiede KIT: So viele StartUps gründen die Karlsruher Studis pro Jahr
Karlsruhe
15.05.2015 07:01
Wie innovativ ist Karlsruhe? Einer, der diese Frage beantworten kann, ist Jens Fahrenberg. Der promovierte Techniker leitet seit 2008 das Innovationsmanagement am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Mit seinen 30 Mitarbeitern ist er unter anderem in den Bereichen Patente, Lizenzen, Technologiemarketing sowie Unternehmensgründung aktiv.

Herr Fahrenberg, Sie sind Leiter des Innovationsmanagement am KIT - was ist Ihr Aufgabenbereich?

Wir sind für den Technologietransfer am KIT verantwortlich, der auf spezifischen Know-how und Patenten basiert (Intellectual Property - IP). Unsere Leistungen reichen dabei von der Beratung der Erfinder und der Patentierung aussichtsreicher Ideen, über das Technologiemarketing zu Identifizierung von Industriepartnern bis hin zu Umsetzung über Lizenzverträge oder Ausgründungen.

Zur Unterstützung haben wir in den letzten Jahren ergänzende Instrumente entwickelt, so gibt es zum Beispiel einen KIT-Innovationsfonds, mit dem wir Verwertungsprojekte oder Prototypen finanzieren können, einen Inkubator, in dem junge KIT-Gründungen ansiedeln können und den KIT-Business-Club als strategische Kommunikationsplattform. Verkürzt könnte man sagen, dass wir eine "one-stop-agency" für den Schutz und die wirtschaftliche Verwertung von IP am KIT sind.

Seit wann gibt es das Innovationsmanagement am KIT? Wie viele Mitarbeiter sind hier tätig? Aus welchen Motiven entstand das Innovationsmanagement?

Das Innovationsmanagement hat seine Wurzeln in der Patentabteilung des ehemaligen Forschungszentrums, die bereits 1958 eingerichtet wurde. Natürlich hat sich die Abteilung seit damals deutlich weiterentwickelt und ist heute im KIT mit rund 30 Beschäftigten eine moderne unternehmerisch aufgestellte Einheit.

Letztlich geht es darum, gemeinsam mit den Instituten marktrelevante Forschungsergebnisse zu identifizieren, zu schützen und in einem zielgerichteten Prozess in den Markt zu bringen. Das ist weniger einer Verwaltungs- sondern eine unternehmerische Managementaufgabe. In der deutschen Wissenschaftslandschaft gelten wir daher auch als ein anerkannter Benchmark im Technologietransfer.

An wen adressieren sich die Angebote des Innovationsmanagements?

Hier gibt es gesetzliche Regelungen, die unsere Leistungen zunächst auf die am KIT Beschäftigten Personen beschränken. Bei über 6.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Forschung ist aber auch gar nicht mehr zu leisten. Eine Ausnahme bilden Studierende, die planen ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Hier übernehmen wir ergänzend die Beratung hinsichtlich der einschlägigen Förderprogramme des Bundes und des Landes. Darüber hinaus haben wir natürlich vielfältige Kontakte und Kommunikationsinstrumente in die Industrie und zunehmend auch zu Investoren, da wir ja Partner brauchen, die die Technologien letztlich in den Markt bringen.

Wie viele StartUps begleitet das Innovationsmanagement pro Jahr? Wie viele davon sind von Studenten gegründet?

Das Thema Gründungen hat sich am KIT in letzten zwei Jahren im Rahmen des Förderprojekts Gründerschmiede deutlich weiterentwickelt - es gibt mehr Angebote in der Lehre und der Weiterbildung sowie dem Beratungs- und Veranstaltungsangebot. Hier arbeiten wir eng mit dem KIT-Lehrstuhl Entrepreneurship und Technologiemanagement von Professor Orestis Terzidis zusammen. So gab es letztes Jahr 33 Gründungen, davon 26 von Studierenden und sieben auf Basis von KIT-Forschungsergebnissen. Aktuell sind wir damit auf Rang drei im nationalen Gründungsradar der Hochschulen.

Wie viele davon sind erfolgreich - was sind "Vorzeige-Exemplare" in der Karlsruher Gründerlandschaft?

Beispiele gibt es natürlich viele: Exemplarisch möchte ich mal "lengoo.de" nennen, einen Übersetzungsdienst, der im studentischen Umfeld entstanden ist und die "cynora GmbH", die sich mit organischen Leuchtdioden beschäftigen und nach einer dreijährigen Übergangsphase im KIT-Inkubator nun nach Bruchsal gezogen ist. Cynora wurde 2013 in einem internationalen Wettbewerb als "Science Start-up of the Year" ausgezeichnet.

Welche erfolgreichen Projekte/Unternehmen/Entwicklungen der vergangenen Jahre entstanden in Karlsruhe  aus der Zusammenarbeit mit dem KIT Innovationsmanagement?

Wir melden pro Jahr etwa 50 neue Patente an und schließen eine entsprechende Vielzahl an Verträgen mit Partnern aus der Wirtschaft ab. Der Markt für die KIT-Technologien ist aber letztlich global, so dass das meiste außerhalb der Region vermarktet wird - vieles davon ist auch vertraulich. Eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit in Karlsruhe, die man nennen kann, ist aber sicher die bereits öfters publizierte Zusammenarbeit mit Bruker im Bereich der Supraleitung.

Im Gründungsbereich hat die Region sicher mehr vom KIT, hier gibt es neben cynora mehrere junge Technologiegründungen wie die wachsende Nanoscribe GmbH, die IONYS AG oder die Acquifer AG, an denen das KIT teilweise auch beteiligt ist. Nicht vergessen darf man aber auch, dass weltweit renommierte Unternehmen wie beispielsweise die init AG oder die PTV AG ihre Wurzeln ebenfalls am KIT beziehungsweise der Universität hatten.

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