TramTrain Vorstellung
Geschäftsführer der VBK, Ascan Egerer.
Bild: Anya Barros
VBK und AVG ordern 150 neue TramTrains, die ab 2028 fahren sollen: "Wir haben unser eigenes Standardmodell entwickelt, damit sind wir Vorreiter"
Karlsruhe
12.03.2019 17:44
Fünf Verkehrsbetriebe ordern 240 Bahnen - so sollen Kosten gesenkt werden und bessere Konditionen ausgehandelt werden können. Die Zweisystem-Fahrzeuge, die TramTrains, die in Karlsruhe unterwegs sind und das "Karlsruher Modell" ausmachen, müssen Stück für Stück ersetzt werden. Aber nicht mit irgendeiner Bahn, sondern mit einem Fahrzeugtyp, der von VBK und AVG gestaltet wurde.

Knapp zwei Jahre ist es her, dass das Projekt TramTrain von der Idee ein bisschen mehr zur Wirklichkeit wurde. Denn Bahnen für das Karlsruher Modell und andere Zweisystem-Modelle, etwa das der Saarbahn, stieg in der Vergangenheit kräftig an Kosten, weiß Ascan Egerer, Geschäftsführer der VBK und der AVG zu berichten. Es galt, laut Chef der Verkehrsbetriebe Karlsruhe und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, die Kosten zu senken, "nicht nur für uns, auch für andere Gesellschaften!"

Für AVG und VBK, dem Hauptabnehmer der 240 bestellten Fahrzeuge, eine gute Möglichkeit, wirtschaftlicher zu handeln. "Anderen helfen wir mit diesem Konzept, die Hürde überhaupt zu nehmen, daher war die Idee schon 2017 da, die Kooperation mit den anderen Verbünden zu starten", so Egerer im Gespräch mit ka-news am Rande der Vertragsunterzeichnung. 

Nach eigenen Bedürfnissen wird Fahrzeug konfiguriert

Das bahnbrechende an der gemeinsamen Bestellung für neue Fahrzeuge: Diese wurden von den Kooperationspartnern gemeinsam entwickelt. Konkret: Es gibt ein Standard-Fahrzeug, das dann von den Verkehrsbetrieben konfiguriert werden kann. "Das ist ähnlich wie beim Kauf eines Neuwagens", sagt Thorsten Erlenkötter von den VBK und Gesamt-Projektleiter des TramTrains.

TramTrain Vorstellung
Thorsten Erlenkötter, Gesamt-Projektleiter TramTrain. Bild: Anya Barros

So haben etwa die VBK andere Einstiegshöhen als die AVG oder der Verkehrsverbund Mittelsachsen. Oder wenn die einzelnen Kooperationspartner andere Scheinwerfer oder eine andere Lackierung wünschen - lediglich die Hülle verändert sich, die Technik der Varianten bleibt gleich. 

TramTrain Vorstellung
Bild: Anya Barros

Denn: Ein Modell von der Stange gibt es laut Egerer nicht, daher musste eigens eines entwickelt werden. "Das ist der Knackpunkt, denn die Anforderungen sind so speziell - immerhin müssen wir zwei technische Systeme in einem Fahrzeug kombinieren", so Egerer weiter. Mit dem TramTrain gehe man nun ein "wenig in die Richtung, ein Standard-Modell zu haben", so könne dann auch die produzierte Stückzahl erhöht werden. "Damit sind wir ein Vorreiter!" 

1 Million Ersparnis durch Großbestellung: "Enorme Preisvorteile"

Durch dieses Standard-Modell, auf denen die Bahnen der teilnehmenden Verkehrsbetriebe basieren, sollen zudem die Kosten für die Bahnen gesenkt werden. "Wir können, im Vergleich zu den ET2010, die wir 2009 bestellt haben, etwa eine Million Euro pro Fahrzeug sparen. So zahlen wir nur etwa vier Millionen Euro pro Bahn", so Erlenkötter. Bei 150 bestellten Fahrzeugen investieren der VBK und die AVG etwa 600 Millionen Euro in die neuen TramTrains. "Das sind enorme Preisvorteile, wenn mehr Bahnen vom Band rollen", sagt Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe. "Das sichert die Zukunftsfähigkeit des Karlsruher Modells'!"

TramTrain Vorstellung
Bild: Anya Barros

Weiterer Vorteil der Großbestellung: "Kinderkrankheiten, die man sonst in Kleinserien immer hat, können vorher abgearbeitet werden", so Ascan Egerer gegenüber ka-news. Hintergrund: Es soll eine Pilotphase geben, in der vier der Fahrzeuge ausgiebig getestet werden. "Wenn dann die 'Massenproduktion' beginnt muss alles klar sein und die Bahnen sind sofort einsatzfähig!"

Eigenentwicklung soll schneller Zulassung bekommen

Laut VBK und AVG haben die neuen Modelle noch ein weiteres Plus: Durch die Standardisierung der technischen Teile wie Antrieb, Energieversorgung und Zugsicherung versprechen sich die Verkehrsbetriebe eine schnellere Zulassung. Das bringt daher auch Vorteile für den Passagier mit sich, denn die neuen TramTrains können so schneller ausgeliefert werden. 

TramTrain Vorstellung
Geschäftsführer der VBK, Ascan Egerer. Bild: Anya Barros

Die ersten Zweisystem-Fahrzeuge aus eigener Entwicklung werden voraussichtlich erst ab 2028 durch die Fächerstadt rollen. "Dann haben die Wagen ihre 30-jährige Betriebsdauer erreicht und sind nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben", erklärt Egerer. Daher sei es wichtig, sich bereits jetzt um neue Bahnen zu kümmern. Damit werden die TramTrains die Zweisystem-Bahnen, die vom Umland in die Innenstadt fahren, ersetzen. 

Auftrag geht ab 2020 an Unternehmen

Nachdem nun in Karlsruhe der Kooperationsvertrag zwischen den VBK, der AVG, der Erms-Neckar-Bahn (ENAG), der Saarbahn und dem Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) unterzeichnet wurde, kann es an die weiteren Planungen gehen. "Es können auch noch weitere Unternehmen dazu kommen, da sind wir offen", so der Geschäftsführer der VBK und AVG gegenüber ka-news.

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Bild: Anya Barros

"Wir werden das Konzept der TramTrains weiter verfeinern, dass wir die Ausschreibung starten können. Das soll bis zum Spätsommer der Fall sein!" Dann fehlen noch die Unternehmen, die müssen die Beauftragung einer solchen Bestellung genehmigen. Bei den beiden Karlsruher Verkehrsunternehmen ist das bereits passiert. Ein Jahr später soll dann die Vergabe erfolgen, also frühestens ab Sommer 2020.

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