Kinemic
Bild: ps
Steuern ohne Berührung: Karlsruher Startup will Industrie revolutionieren
Karlsruhe
06.01.2017 14:47
Die Digitalisierung wird die Art, wie wir leben und arbeiten, grundlegend verändern – wenn es klappt, dann ist ein Startup aus Karlsruhe ganz vorne mit dabei. Kinemic heißt die junge Firma, gegründet von den ehemaligen Studenten Christoph Amma, Marcus Georgi und Tomt Lenz.
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Die Gründer des Startups Kinemic, die alle am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert haben, wollen mit ihrem Startup den Arbeitsalltag von Facharbeitern revolutionieren. Hierfür haben die drei Unternehmer ein System entwickelt, das in die Luft ausgeführte Gestik, wie etwa Schrift, erkennt.

Technik übersetzt einfache Handbewegungen

Der Nutzer trägt lediglich ein Armband oder ein anderes mit Sensoren ausgestattetes Wearable (Anm. d. Red.: Dieser Begriff bezeichnet ein Computersystem, das während der Anwendung am Körper des Benutzers befestigt ist), das die Drehrate und die Beschleunigung der Hand- und Armbewegungen aufzeichnet.

Die von Sensoren erfassten Daten verarbeitet dann die Kinemic-Software, die Bewegungsmuster erkennt und das Ergebnis dann an das Endgerät weiterleitet. Damit nicht jede Handbewegung in einen Befehl mündet, unterscheidet ein intelligenter Algorithmus zwischen der gewünschten Gestik und anderen Alltagsbewegungen.

Die Zukunft für Produktion, Wartung und Co.?

In der Fachwelt ist das Startup längst ein Begriff. Informatiker Christoph Amma hat das System während seiner Promotion am KIT entwickelt und dafür etliche Preise abgeräumt, unter anderem den Google Faculty Research Award. Nun klopfen er und seine zwei Mitgründer bei der Industrie an. Denn für die ergeben sich dank der Erfindung völlig neue Möglichkeiten.

Mitgründer Tomt Lenz, ein Ex-Unternehmensberater mit Erfahrung im Unternehmensaufbau, nennt als mögliche Einsatzfelder Produktion, Logistik, Wartung und Qualitätssicherung. So könnten etwa Facharbeiter in der Fertigung Maschinen bedienen, ohne Knöpfe drücken oder ein Touchpad bedienen zu müssen. Das Einzige, was sie bräuchten, wäre ein Wearable und die intelligente Software von Kinemic. 

Von der Promotion Ammas bis zur Unternehmensgründung war es ein kraftraubender Schritt. Mit so viel Verwaltungsarbeit hätten sie nicht gerechnet, sagen die drei Gründer. Doch es hat sich gelohnt. Der Weg vom wissenschaftlichen Nachweis zum Einsatz beim Kunden sei unglaublich spannend, schwärmt Informatiker Amma.

Mit Hilfe des Bundesförderprogramms EXIST-Forschungstransfer konnten die drei Unternehmer das Startup gründen und die Technik verfeinern. Nun brauchen sie Abnehmer. "In den vergangenen Monaten waren wir viel unterwegs, um Kunden zu gewinnen", sagt Tomt Lenz. Die Gespräche liefen gut, Pilotprojekte laufen. Im kommenden Jahr wollen sie ein Development Kit herausgeben, um auch über Kundenprojekte hinaus mit Lizenzen für die Software Geld zu verdienen. 

Von der Kanzlerin abgenickt

Und eine prominente Unterstützerin haben sie auch schon gefunden: Kanzlerin Angela Merkel. Auf ihrem jährlichen Rundgang über die CeBIT besuchte die Kanzlerin 2016 den Stand von Kinemic. Amma erklärte Merkel, was es auf sich habe mit dem Unternehmen.

Sie habe kluge Fragen gestellt, sagt er. Etwa, wie das funktioniert mit den Sensoren. Sie ist ja Physikerin. Für Kinemic war der Besuch der Kanzlerin ein Erfolg, bestätigt Amma. "Unser Bekanntheitsgrad ist mit ihrem Besuch deutlich gestiegen."

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