Sturzassistent
Bild: Hochschule Pforzheim
Neuer Helfer bei Stürzen: Pforzheimer Student will Altenpflege revolutionieren
Pforzheim
05.02.2017 12:00
Wenn ältere oder kranke Menschen stürzen, kann das gefährlich werden. Sogenannte "Sturz-Assistenten" sollen helfen, schlimmeres zu verhindern. Juri Kübler, Student an der Hochschule Pforzheim, hat jetzt ein neues, preisgekröntes System entwickelt. Wie funktioniert es?
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Herr Kübler, Sie haben für Ihre Bachelor-Thesis einen mobilen Sturz-Assistenten für vornehmlich ältere Menschen konstruiert. Wie viele Senioren haben sich schon gemeldet?

Bisher noch keine. Es war aber auch nicht mein Wunsch, möglichst viele Geräte zu verkaufen. Design und Programmierung sind Open Source, also frei verfügbar. Jeder kann das Gerät nachbauen und für sich nutzen. Mir ging es darum, eine Alternative zu bisherigen Systemen aufzuzeigen. 

Was ist an den handelsüblichen Sturzassistenten denn schlecht?

Erst einmal nichts. Mein System geht aber über die Fähigkeiten der meisten Modelle weit hinaus. 

Inwiefern?

Die meisten Systeme sind für den Einsatz zu Hause gedacht. Man trägt ein Armband, das über Funk Signale an die Empfängerstation schickt. Nach einem Sturz drückt man einen Knopf und die Empfängerstation wählt den Notruf. Bei meinem System gibt es ein Sensorgerät, das man am Gürtel befestigt und das sich mit einer von mir entwickelten App auf meinem Handy austauscht.

Registriert der Sensor einen Sturz, aktiviert das Handy die Freisprecheinrichtung und verbindet mich mit der Person, die ich als Notfallkontakt hinterlegt habe, meist ein Familienangehöriger oder die Leitstelle. Ich kann also meinen Notfallkontakt frei wählen. Außerdem funktioniert mein System überall dort, wo mein Handy Empfang hat, also auch außerhalb der eigenen Wohnung. 

Neuer Sturzassistent aus Pforzheim
Juri Kübler im Gespräch mit Professor Karlheinz Blankenbach, der die Abschlussarbeit betreute. Bild: Hochschule Pforzheim

Und der Sensor schickt nicht mal aus Versehen ein falsches Signal an das Handy?  

An der Hochschule haben wir etliche Versuche durchgeführt, um die Charakteristika eines Sturzes festzustellen, zum Beispiel, wie hoch die Energie ist. Mittlerweile arbeitet der Algorithmus nahezu fehlerfrei. Sollte er dennoch mal falsch anschlagen, hat man zehn Sekunden Zeit, den Notruf zu stoppen. Und wenn ein Sturz nicht schlimm war und man innerhalb der zehn Sekunden wieder geordnet aufstehen kann, deaktiviert das System ebenfalls den Countdown.

Für Ihr System haben Sie den ersten Platz beim internationalen Hackster-Wettbewerb belegt, ausgetragen vom Elektronikhersteller mikroElektronika und weiteren Hexiwear-Sponsoren. Hätten Sie damit gerechnet?  

Das war überraschend. Mein System basiert auf der Hardware des Unternehmens und ich bin viel in der Open Source Community unterwegs. Dort habe ich auch von dem Wettbewerb erfahren und meine Arbeit eingeschickt. Gewonnen habe ich schlussendlich in der Kategorie "3D-Modelling". Das Sensorgerät entstand mittels eines CAD-3D-Modellierungsprogramms und wurde später von einem 3D-Drucker gedruckt. Das scheint der Jury gefallen zu haben. 

In Folge schon das ein oder andere Jobangebot erhalten?

Ich bewerbe mich gerade und die Urkunde lege ich natürlich in die Bewerbungsmappe. Schaden sollte das nicht. Außerdem gab es Lob vom Professor und von Freunden. Und das Medienecho war auch nicht schlecht. 

Die Fragen stellte Kevin Schrein. 

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