Schwimmen in Karlsruhe
(Symbolbild)
Bild: pixabay.com © Survivor
Handyverbot im Freibad? Karlsruher Unternehmen startet Sticker-Aktion
Karlsruhe
02.08.2017 07:00
Sommerzeit ist auch Badezeit. Zum Ärger einiger Bäderbetreiber tauchen immer wieder Bilder von Badegästen auf, die mit Smartphones geknipst wurden. In der Hausordnung der Karlsruher Bäder gibt es schon seit Jahren ein Handyverbot. Aber ginge es auch ohne? Eine Karlsruher Start-Up-Schmiede will das testen.
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In Zeiten von wasserfesten Smartphones sorgt der Schutz der Badegäste vor unfreiwilligen Aufnahmen immer wieder für Diskussionen bei Bäderbetreibern. Auch in der Fächerstadt ist das Problem mit den unfreiwilligen Schnappschüssen in Bikini und Badehose ein Thema. Seit Jahren ist in der Hausordnung der Karlsruher Bäder etwa ein Handyverbot aufgeführt. Daher haben die Bademeister ein Auge auf Gäste, die mit einem Smartphone am Beckenrand sitzen. 

Trotz des Handyverbots wollen viele beim Freibadbesuch dennoch nicht auf ihren ständigen Begleiter verzichten. Aber wie lässt sich unterscheiden, ob die Person am Beckenrand Fotos der badenden Gäste schießt oder tatsächlich nur E-Mails liest? Eine Karlsruher Start-Up-Schmiede und Werbeagentur will jetzt eine Lösung anbieten- und zwar ganz ohne Handyverbot. 

Ein gelber Aufkleber gegen Spanner und Handyverbot

Ein generelles Verbot muss nicht sein, finden Kristian Schmid und seine Kollegen von "Mosaik". Sie haben die Aktion "Spannen? Nein Danke!" ins Leben gerufen. Die Lösung des Karlsruher Unternehmens: Aufkleber für die Handy-Linse gegen Voyeurismus in Schwimmbädern und Saunen. Die Aufkleber sollen mit ihrer leuchtgelben Farbe von weitem gut erkennbar sein. Auf diese Weise sollen die Smartphone-Besitzer anderen Badegästen zeigen, dass sie nicht heimlich fotografieren. 

Ganz neu ist diese Idee nicht: In einigen Bädern Deutschlands wurde diese Maßnahme bereits getestet, so beispielsweise in Bädern in Frankfurt. Schmid und seine Kollegen wollen diese mit ihrer Aktion nun auch in Karlsruhe verwirklichen.

"Wollen Gästen ihre Privatsphäre zurück geben" 

Die Idee dafür sei einer Mitarbeiterin gekommen, die bei einem Besuch der Therme in Bad-Wildbad eine unangenehme Erfahrung gemacht habe, berichtet Schmid gegenüber ka-news. "Im textilfreien Außenbereich der Sauna, vernahm sie mit Unbehagen einen Gast, der ihr mit hervorgehaltenem Tablet diagonal gegenüber saß", schildert er die Situation. Die Mitarbeiterin habe sich dann verunsichert gefragt, ob der Herr nur im Internet surfe oder sie gerade heimlich gefilmt werde. 

"Als dann dieses Jahr der Artikel auf ka-news über das Smartphone-Verbot in den Karlsruher Bädern erschien, haben wir die Sticker aus der Schublade gezogen und einen Plan gefasst, der folgendes zum Ziel hat: einerseits Gästen ihre Privatsphäre und Entspannung zurückzugeben, andererseits ein generelles Verbot zu verhindern", erklärt Schmid weiter. Damit man auch nach dem Freibad-Besuch noch etwas von den Stickern hat, sollen sie gleichzeitig als Display-Reiniger genutzt werden, so eine weitere Idee des Karlsruher Teams. 

Spannen? Nein Danke!
Der Aufkleber der Aktion "Spannen? Nein Danke!" Bild: Marc Bendt/Werbeagentur Mosaik Karlsruhe

Erste Gespräche mit Karlsruher Bädern 

Im Rahmen der Aktion "Spannen? Nein Danke!" sollen die Aufkleber am Eingang von teilnehmenden Badeanstalten oder auf der Homepage der Aktion erhältlich sein. Wer sein Handy in das Bad oder in die Sauna mitnehmen möchte, könne sich einen Sticker kaufen und diesen über der Kameralinse platzieren. 

Die Hälfte des Erlöses der Aktion soll dann an "Dunkelziffer e.V.", einer Hilfsorganisation für missbrauchte Kinder, gespendet werden. "Uns schwebt ein Verkaufspreis von 50 Cent in den Bädern vor", so Herr Schmid, "aber final sagen können wir das noch nicht, da das abhängig von den produzierten Stückzahlen ist." 

Gespräche mit Karlsruher Bädern habe man bereits geführt. "Die Bäder, welche durch die Neuigkeiten mit hohen Anfragen von Gästen konfrontiert waren, können damit ein unpopuläres Smartphone-Verbot umgehen. Die Aktion wiederum kommt Kindern, die Opfer sexueller Gewalt wurden, zu Gute. Der Badegast kann sein Smartphone mitnehmen und muss sich nicht bespannt fühlen. Eine klassische Win-Win-Win-Situation", so Schmid. Ob diese Kooperation tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Bäderchef Oliver Sternagel hatte sich im Mai im Gespräch mit ka-news kritisch zur Sticker-Idee in Freibädern geäußert. 

Alle Neuigkeiten und welche Bäder in Zukunft an der Aktion teilnehmen werden, finden Sie auf der Homepage der Aktion (Link führt auf externe Seite). 

Aktualisierung, Donnerstag 11.35 Uhr: 

Nun melden sich auch die Karlsruher Bäder zu dem Thema zu Wort: Wie sie gegenüber ka-news mitteilen, wurde die Idee von den Initiatoren in einem ersten Schritt zwar vorgestellt, allerdings bestünden keine konkreten Umsetzungspläne. Die Haus- und Badeordnung der Karlsruher Frei- und Hallenbädern untersage das Mitbringen von Kameras und fotofähigen Mobilgeräten. So sollen Badegäste grundsätzlich geschützt werden, vor allen Dingen in sensiblen Bereichen wie den Umkleiden und der Sauna sowie auch im Beckenbereich.

"Ein Verlass auf eine freiwillige Selbstkontrolle ist nicht ausreichend", bestätigt Bäderchef Oliver Sternagel, der sich bereits im Mai im Gespräch mit ka-news kritisch zur Sticker-Idee in Freibädern geäußert hatte. Grundsätzlich begrüße man es, dass sich ein Karlsruher Start-Up mit diesem sensiblen Thema befasse und man sei "gerne bereit Erfahrungswerte auszutauschen", so Sternagel weiter. Eine konkrete Umsetzung ist jedoch erst einmal nicht vorstellbar.

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