Weniger Kontakt zu den Pflegern: Das ist das neue Konzept der Elefantenhaltung in Karlsruhe.
Bild: Hammer Photographie
Neue Haltung der Karlsruher Elefanten: Weniger Kontakt zu Tierpflegern - "kuscheln" bleibt
Karlsruhe
22.07.2020 13:56
Die Karlsruher Elefanten werden künftig im "geschützten Kontakt" gehalten. Das bedeutet: weniger direkte Nähe zu den Tierpflegern. Wie wird die Umstellung mit den beiden Elefantendamen Jenny und Nada trainiert? Und was sich am Elefantengehege baulich verändern?

Bis 2030 möchte der Dachverband der europäischen Zoos, dass Elefanten in Zoos und Tiergärten ausschließlich im "geschützten Kontakt" gehalten werden. Bei dieser Haltungsform findet der Kontakt zwischen Mensch und Tier durch eine schützende Barriere statt. Nun hat der Zoo Karlsruhe mit zwei Toren auf der Außenanlage die ersten baulichen Anpassungen umgesetzt.

Die Elefanten im Karlsruher Zoo. Bild: Hammer Photographie

Die Tore ersetzen bisherige Stahlseile. Ziel ist die schrittweise Einführung, zunächst mit Jenny, dann mit Nanda. "Wir gehen es in Ruhe an und orientieren uns am Wohl der Tiere", informiert Zoodirektor Matthias Reinschmidt. Klappt die Umstellung mit den Karlsruher Elefanten-Damen gut, könnte die Tür der Altersresidenz vielleicht schon 2021 für weitere Tiere offenstehen.

Bisher wurden die Tiere im sogenannten "direkten Umgang" gehalten. Doch: "Der ungeschützte Kontakt zu ihnen kann lebensgefährlich sein", so die Karlsruher Grünen in einer Pressemeldung. Die Elefantenhaltung werde sich mit der Umstellung zukünftig noch stärker am natürlichen Zusammenleben der Dickhäuter orientieren.

Bislang wurden die Tiere im "direkten Kontakt" gehalten. Bild: Hammer Photographie

"Der Zeitpunkt ist deshalb günstig, weil unsere Elefanten-WG aktuell nur aus zwei Tieren besteht, denen das Tierpfleger-Team beim Umstellungs-Training die volle Aufmerksamkeit widmen kann", so Reinschmidt, "zumal wir mit Jenny und Nanda zwei Tiere haben, die schon einige Jahre bei uns leben und deren Charakter und Bedürfnisse wir daher sehr gut kennen." Die Umstellung auf den geschützten Kontakt wird durch das vorhandene Team mit Unterstützung erfahrener Tierpfleger vorbereitet.

Die Pfleger-Elefant-Beziehung bleibt bestehen

"Die Pfleger-Elefant-Beziehung bleibt bestehen. Es gibt weiterhin täglich Körperkontakt, es wird gekuschelt und gemeinsam trainiert – nur eben in einem etwas anderen Setting", betont Zookuratorin Claudia Vollhardt. Jenny und Nanda werden also weiterhin liebevoll umsorgt.

Eröffnung der neuen Elefantenanlage im Mai 2019. Bild: Hammer Photographie

Das "Senioren-Mobiliar" – etwa die Sandaufschüttung, der Baumstamm auf Rüsselhöhe, um Kopf und Rüssel einmal bequem abzulegen, oder die Wärmewand – ist unabhängig von der Haltungsform. Und braucht ein Tier Unterstützung, weil das Aufstehen aus eigener Kraft nicht mehr geht, werden ihm weiterhin Menschen mit Luftkissen, Gurten und Krananlage zu Hilfe eilen.

Individueller Trainingsplan für Jenny und Nanda

In den nächsten Wochen wird das Zoo-Team die einzelnen Umsetzungsschritte planen. Dazu gehört auch die weitere bauliche Anpassung der Anlage. Die notwendigen Umbauten, etwa die Ertüchtigung vorhandener Schiebe-Tür-Anlagen auf eine Außen-Bedienung, können aus Mitteln für die laufende Bauunterhaltung finanziert werden.

Der Trainingsplan für die beiden Elefantendamen wird individuell abgestimmt. Für die blinde Nanda sind die Stimmen "ihrer" Menschen heute schon wichtige Orientierung, künftig wird sie verstärkt durch akustische Signale geleitet, erläutert Vollhardt. Und beim regelmäßigen Fitness-Programm auf der Anlage werden Jenny und Nanda noch mehr als bisher über "Verstärker" - etwa Futter oder geruchliche Anreize – ins Laufen gebracht.

Die "Altersresidenz für Elefanten im Karlsruher Zoo." Bild: Hammer Photographie

"Geruchs-Eintrag" kommt heute schon von den Flusspferden. Geht die Senioren-WG gegen halb vier ins Haus und öffnet sich die Tür zur benachbarten Flusspferd-Anlage, zieht der entdeckerfreudige Halloween seine Mutter Kathy regelmäßig ins Elefanten-Reich. "Sehr zur Freude der abendlichen Besucher des Zoologischen Stadtgartens", gibt die Stadt in einer Pressemeldung bekannt. 

Erstmals wurden die beiden kürzlich von den Tierpflegern sogar morgens noch mitten auf der Elefantenanlage gesichtet. Und weil der Jungbulle auch mal über die Waage spazierte, weiß man nun, dass er mittlerweile auf stattliche 280 Kilogramm kommt.

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