Carl Benz
Carl Benz
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Karlsruher Berühmtheiten von nebenan: Carl Benz - als ein Mann aus Mühlburg Automobilgeschichte schrieb
Karlsruhe
20.02.2021 12:07
Ob der Vater des Automobils oder ein Widerständler gegen den Nationalsozialismus - bekannte Persönlichkeiten als Ex-Nachbarn sind in Karlsruhe gar nicht mal so selten. Wer lebte wo in den zahlreichen Straßen und Gässchen der Fächerstadt? In der Samstags-Reihe "Karlsruher Berühmtheiten von nebenan" hat ka-news.de sich bekannte (Wahl-)Karlsruher und ihre Wohnstätten genauer angeschaut. Heute: Carl Benz - Fahrzeugpionier und Gründer der größten Automobilfabrik der Welt.

"Der Gasmotor 'Benz' von der Rheinischen Gasmotorenfabrik Benz & Cie. zeichnet sich durch besonders zweckmäßige Konstruktion aus und ist mit einer dynamo-elektrischen Zündung versehen" - so schreibt die Karlsruher Zeitung am 30. Juli 1886 über die von Carl Benz in seiner Fabrik in Mannheim entwickelten Gasmotoren. "Für Orte, wo kein Gas vorhanden ist, werden die Motoren zum Betriebe mit Gasolin, Ligroin, Benzin, usw. eingerichtet."

Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnte: Mit seinen Erfindungen rund um motorbetriebene Fahrzeuge wird Carl Benz als Fahrzeugpionier die größte Automobilfabrik der Welt gründen - und damit die Welt verändern.

Carl Benz kommt im Mühlburger Gasthaus zur Welt

Doch von Anfang an: Carl Friedrich Benz wird 1844 in Mühlburg als unehelicher Sohn der Karlsruher Dienstmagd Josephine Vaillant und Johann Benz, einem der ersten Lokomotivführer der Badischen Staatseisenbahn, geboren. Sein Geburtshaus in der Rheinstraße 22, das damalige Gasthaus "Zum Weinberg", steht heute nicht mehr, es wurde Ende der 1950er-Jahre abgerissen.

Hier stand bis Ende der 50er-Jahre das Geburtshaus von Carl Benz. Bild: Verena Müller-Witt

Als seine Eltern ein Jahr später heiraten, ziehen sie in die Erbprinzenstraße 13 ein. Das heute an dieser Adresse befindliche Naturkundemuseum existierte damals noch nicht, es wurde erst rund 20 Jahre später zwischen 1866 und 1872 erbaut.

Der Friedrichsplatz vor dem Naturkundemuseum, links das Einkaufszentrum Ettlinger Tor. Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Doch hier sollte die Familie nicht glücklich werden: Carl ist nicht einmal zwei Jahre alt, als sein Vater an einer Lungenentzündung stirbt. Seine Mutter kommt mit der spärlichen Witwenrente nicht aus und vergibt Logis an die Studenten des Karlsruher Polytechnikums, dem heutigen Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Carl besucht das Karlsruher Lyzeum, also die Hochschule, am Marktplatz neben der Stadtkirche und besteht bereits vor seinem 16. Lebensjahr die Aufnahmeprüfung am Polytechnikum. Hier studiert er Maschinenbau.

Die Vision eines Motorwagens nimmt Form an

Im Jahre 1871 gründet Carl mit der Mitgift seiner Freundin Bertha Ringer die "Eisengießerei und mechanische Werkstätte" in Mannheim, und 1872 heiratet das junge Paar. Sechs Jahre später entwickelt Benz einen sogenannten verdichtungslosen Zweitaktmotor und wandelt sein Unternehmen daraufhin in eine Aktiengesellschaft um: die "Gasmotorenfabrik in Mannheim A.G".

Doch er ist nicht glücklich mit der neuen Firma, in der seine zukunftsorientierten Visionen von einem Motorwagen nicht verstanden werden. Deshalb verlässt er sie und gründet 1883 die neue "Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik" in Mannheim, um seine Gasmotoren zu produzieren.

Carl Benz Bild: gemeinfrei

Seine Vision: Benz möchte seine Motoren nicht in ein vorhandenes Fahrzeug, wie zum Beispiel in eine Kutsche, einbauen. Stattdessen will er einen Motorwagen als eine eigenständige Konstruktion erbauen und konzipiert zunächst ein neues Fahrzeug als Dreirad. 1885 stellt er seinen Wagen fertig und meldet ein "Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb" beim Kaiserlichen Patentamt an. Hierzu entwickelt er verschiedene Modelle.

Doch die Erfindung wird zunächst von der Öffentlichkeit belächelt. Um ihren Mann zu ermutigen und ihm die Tauglichkeit seiner Entwicklung zu beweisen, macht Bertha Benz im Jahr 1888 mit dem sogenannten "Benz Patent-Motorwagen Nr. 3" zusammen mit den beiden Söhnen Eugen und Richard die heute legendäre Reise von Mannheim zu ihrer Mutter nach Pforzheim - ohne ihrem Mann etwas davon zu erzählen.

Bertha Benz Bild: gemeinfrei

Die erste automobile Fernfahrt der Geschichte: In 13 Stunden von Mannheim nach Pforzheim

Auf dem Küchentisch hinterlässt sie lediglich einen Zettel für Carl und zieht los. Unterwegs muss Bertha mehrmals "tanken" – allerdings nicht an Tankstellen, sondern bei Apotheken, denn: Das Fahrzeug läuft mit dem Leichtöl Ligroin, was es damals auch in Apotheken zu kaufen gibt. Hier kauft Bertha - zur großen Überraschung der Verkäufer - das Produkt literweise. Die so bekannt gewordene "erste Tankstelle der Welt" befindet sich in der ehemaligen Stadt-Apotheke in Wiesloch.

Die Bertha Benz Memorial Route

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Doch schnell stoßen die drei mutigen Automobilisten an ihre Grenzen: Das Fahrzeug hat lediglich zwei Gänge und rund 2,5 PS - nicht genug Leistung, um größere Steigerungen zu schaffen. Bertha und die Jungen müssen daher öfter aussteigen und das Auto schieben. Außerdem gibt es kleinere technische Probleme, die Bertha jedoch mit Geschick löst – etwa die Isolierung des durchgescheuerten Zündkabels mit einem Strumpfband.

Pionierin: Bereits das erste Auto war ein Cabrio. Mit dem Benz-Patent-Motorwagen startete Bertha Benz 1888 die erste Kraftwagen-Fernfahrt. Bild: Daimler AG/dpa-tmn

Immer wieder schickt die Familie Telegramme mit aktuellen Informationen an Carl nach Hause. Nach zwölf Stunden, 57 Minuten und 104 zurückgelegten Kilometern kommen sie bei Berthas Familie in Pforzheim an, wo die drei einige Tage bleiben und sich ausruhen. Auf der Heimfahrt wählen sie eine etwas kürzere Route von 76 Kilometern. Wieder in Mannheim angekommen, haben sie somit insgesamt eine Distanz von 180 Kilometern zurückgelegt.

Der Durchbruch

Mit dieser Fahrt beweist Bertha, dass dem Automobil eine große Zukunft bevorsteht. Bis 1894 entstehen insgesamt 25 Fahrzeuge. Das Auto, mit dem ihm der Durchbruch gelingt, ist jedoch das vierrädrige "Velo", das zwischen 1894 und 1901 produziert wird und mit 1.200 Exemplaren das erste Großserien-Automobil ist.

Benz & Cie. steigt damit bis 1900 als der weltweit führende Automobilhersteller auf. Im Juni desselben Jahres findet eine Ausstellung der Motorfahrzeuge in Nürnberg statt. "Die Firma Benz u. Cie hat ihre neuesten Typen ausgestellt und der Stand dieser Firma ist wohl der reichhaltigste und interessanteste der ganzen Ausstellung", schreibt die Badisches Landes-Zeitung. "Bei der Motorwagen-Rennfahrt am Sonntag siegten die Benzwagen in allen Klassen, in welchen sie konkurrierten."

Benz "Viktoria" von 1891, erfolgreich im Rennen Paris-Bordeaux-Paris. Bild: gemeinfrei

Mit seinem Konkurrent Gottlieb Daimler führt Carl Benz 1896 einen Patentstreit wegen der von Daimler entwickelten Glührohrzündung, eine Voraussetzung für die Entwicklung vom Gasmotor zum Benzinmotor. Daraufhin muss Benz Lizenzgebühren bezahlen.

1906 gründet Carl Benz die Firma Carl Benz Söhne in Ladenburg bei Heidelberg, die ursprünglich Gassaugmotoren produziert, schaltet aber zwei Jahre später auf den Fahrzeugbau um. Hier werden bis zum Jahre 1923 Autos produziert. Obwohl er den 1900 verstorbenen Gottlieb Daimler nie persönlich kennengelernt hatte, wird Benz als Aufsichtsratsmitglied der Daimler-Benz AG, gegründet im Jahre 1926, tätig. Er stirbt 1929 im Alter von 84 Jahren an den Folgen einer Bronchitis. Seine Frau Bertha stirbt 15 Jahre später, im Alter von 95 Jahren, in Ladenburg.

Automobilgeschichte in der Region um Karlsruhe

Heute erinnern zahlreiche Denkmäler an die Pionierarbeit von Carl und Bertha Benz. In Mühlburg, an der Stelle des ehemaligen Geburtshauses von Benz, befindet sich der "ewige Parkplatz von Carl Benz" als Nachbau seines Patent-Motorwagens Nummer 1 samt Parkschild und Infotafel.

Der Nachbau des Benz-Patent-Motorwagens Nummer 1 vor der Rheinstraße 22. Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Mehrere Schulen, Säle und Hallen sowie eine Straße in Karlsruhe tragen seinen Namen. Zudem findet hier jährlich die Oldtimer-Rallye "Tribut an Carl Benz" statt. Der englischsprachige Bachelor-Studiengang in Maschinenbau am KIT trägt den Namen "Carl Benz School of Engineering". Im Jahr 1914, zu seinem 70. Geburtstag, verlieh ihm die Technische Universität Karlsruhe die Ehrendoktorwürde.


Tribut an Carl Benz 2019


Wer die revolutionäre Fahrt von Bertha Benz 1888 zwischen Mannheim und Pforzheim nacherleben will, kann heute die als "Bertha Benz Memorial Route" bekannte Touristikstraße entlang der Originalroute befahren. Seit 1988 findet hier alle zwei Jahre zudem die Bertha-Benz-Fahrt statt, auf der historische Fahrzeuge die Memorial Route befahren. In der historischen Fabrikanlage von C. Benz Söhne in Ladenburg kann man seit 2005 das "Automuseum Dr. Carl Benz" besichtigen.

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