Unscheinbar versteckt sich der Tiefbunker in Dammerstock hinter Gebüsch.
Bild: Katherine Quinlan-Flatter
Stumme Zeugen aus vergangener Zeit: Im Tiefbunker in Dammerstock fahren heute Modell-Eisenbahnen
Karlsruhe
06.10.2019 06:00
Überall in der Stadt kann man sie finden, die unscheinbaren, vergessenen Welten der Karlsruher Luftschutzbunker. Elf Bunker wurden ab August 1941 hier gebaut - sichtbar und unsichtbar. ka-news.de hat sich auf Spurensuche begeben und sich sechs der Anlagen angeschaut. Heute in Teil zwei: Der Tiefbunker in der Dammerstocksiedlung. Er dient heute unter anderem als Auktionssaal für Fahrräder.

Der Erste Weltkrieg ist vorbei und der Zweite gerade voll im Gange. Nach dem 25. August 1940, als die britische Royal Air Force die ersten Bomben auf Berlin abwirft, sollen laut des neu beschlossenen "Luftschutz-Sofortprogramms" alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern und kriegswichtigen Anlagen mit ausreichenden Luftschutzbunkern für die Bevölkerung ausgestattet werden.

Und obwohl Karlsruhe diese Kriterien nicht erfüllt, gilt die Fächerstadt als besonders bombardierungsgefährdet. Der Grund: Sie hat im Ersten Weltkrieg einige Luftangriffe erlitten. So erhält die Stadt ab August 1941 elf Luftschutzbunker.

Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Tiefbunker mitten in Dammerstock

Einer von ihnen ist der Luftschutzbunker in der Dammerstocksiedlung: Teilweise verdeckt von großen Bäumen und Sträuchern steht er in der Danziger Straße - mitten in der im Bauhausstil erbauten Wohnsiedlung der späten Weimarer Republik.

Der Bunker ist nicht weniger imposant als der Hochbunker in Rüppurr, zeichnet jedoch im Gegensatz zum Gartenstadt-Bunker keine nationalsozialistische Symbolik aus. Lediglich ein Anti-Nazi-Graffiti an den Seitenmauern, inzwischen auch teilweise mit Mauerpflanzen überwachsen, gibt noch einen Hinweis auf die ursprüngliche Funktion des Gebäudes, das unter dem NS-Regime entstanden ist.

Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Vom Bunker zum Auktionsraum

Im Gegensatz zum Rüppurer Bauwerk ist der Dammerstocker Luftschutzbunker ein Tiefbunker, der 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, zum Schutz der Zivilbevölkerung in der benachbarten Siedlung erbaut wird. Die erste Etage liegt allerdings über der Erde.

Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Der Bunker bietet Platz für 1.912 Menschen und ist mit einer Luftschleuse im Eingangsbereich ausgestattet, um zu verhindern, dass beim Betreten eventuell giftige Luft in den Bunker gelangen kann.

Bild: Katherine Quinlan-Flatter

Während des Kalten Kriegs wird die Anlage modifiziert. Heute wird der Bunker von einem Modellbahnverein genutzt und es finden auch regelmäßige Versteigerungen von Fahrrädern dort statt.

ka-news.de-Serie

Die Zeit des Nationalsozialismus ist auch an Karlsruhe nicht spurlos vorübergegangen. Als stille - und gut verborgene - Zeitzeugen sind allerdings die insgesamt elf Bunkeranlagen der Fächerstadt zurückgeblieben. Immer sonntags nimmt ka-news.de die Leser mit auf eine Reise durch die fast vergessene Welt der Karlsruher Luftschutzbunker:
Teil 1 der Serie: Der Hochbunker Irisweg
Mehr zum Thema:
Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

Haben Sie eine Anregung, Fragen zu einem alten Gebäude oder können uns etwas über das frühere Karlsruhe erzählen? Dann schreiben Sie uns per Mail oder per ka-Reporter-Formular. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
2 Kommentare