Rheinstrandbad Rappenwört
Drei junge Mädchen im Jahr 1957 beim Eisessen im Rheinstrandbad Rappenwört.
Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A4/127/2/24
Rheinstrandbad Rappenwört
Ab ins kühle Nass: Spielende Kinder im Naturbecken des Rheinstrandbades.
Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A13/66/6/8
90 Jahre "Rappele": Eine Zeitreise durch Karlsruhes beliebtestes Freibad
Karlsruhe
09.06.2019 07:05
Ganz schön alt: Diesen Sommer feiert das Rheinstrandbad Rappenwört bei Daxlanden schon seinen 90. Geburtstag. Was ist seitdem passiert und was hat sich alles verändert? ka-news ist in die Spuren der Geschichte des Bades eingetaucht.

Das "Rappele" wie es auch im Karlsruher Volksmund genannt wird, ist nach dem Sonnenbad das älteste Bad in Karlsruhe. Eröffnet am 20. Juli 1929, kann das Rheinstrandbad nun mittlerweile eine 90-jährige Historie zurückblicken. Wie viele Leute hier wohl Schwimmen gelernt haben? Wie viele Müslis schon über die Theke des "Milchhäusles" gegangen sind?

Das Jubiläum soll natürlich gefeiert werden. "Es wird einige Attraktionen für unsere Gäste geben", verrät Betriebsleiter Volker Guthier beim ka-news-Besuch vor Ort.

Pionierleistung der Zwanzigerjahre

Alles begann im Jahr 1914: Schon damals wurde überlegt, wie man die 130 Hektar große Altrheininsel Rappenwört im Stadtteil Daxlanden in ein beliebtes Ausflugsziel verwandeln könnte. Dem wurde aufgrund des ersten Weltkrieges lange nicht nachgegangen - bis der damalige technische Bürgermeister Hermann Schneider im Jahr 1924 die Vision hatte, ein Freibad zu bauen.

Diese Idee wurde nicht von allen Seiten begrüßt: Zum Einen befürchtete die Bevölkerung, die schöne Natur am Rhein werde dadurch verschandelt, zum Anderen fragten viele Menschen sich, ob ein Strandbad in einer Zeit von Inflation, Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit nicht irgendwie ein "Luxusproblem" sei. Der Bedarf war jedoch auf jeden Fall vorhanden: Im Jahr 1928 wurden 200.000 Menschen beim Wildbaden am offenen Rhein gezählt.

Das Rheinstrandbad Rappenwört aus der Luft. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle III 1848

Doch Schneider setzte sein Vorhaben zielstrebig und ehrgeizig durch: Das Freibad Rappenwört wurde im Jahr 1926 schließlich Teil des Generalbebauungsplans vom Tiefbauamt Karlsruhe. Ursprünglich sollte das Freibad in Maxau, auf der anderen Seite des Rheins, gebaut werden, man entschied sich letztendlich dann doch für Rappenwört.

Blick auf die Anlage und das Restaurant des Rheinstrandbades in den 1930ern. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle III 1692

Auf einen Streich zwei gute Taten: Schneider beschäftigte während des Baus in Form von "Notstandsarbeiten" bis zu 30.000 Erwerbslosentagewerke im Jahr. Somit kam er der Gruppe der Arbeitslosen entgegen, die den Bau des Freibades eigentlich bezweifelten.

Das Rheinstrandbad Rappenwört in den 1930ern. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle III 89

Neben dem Bad wurde noch eine Zufahrtsstraße, heute zu Ehren des Bürgermeisters als Hermann-Schneider-Allee bekannt, mit Straßenbahnanschluss gebaut. Nur über diese, also über die Altrheinbrücke, kann man Rappenwört erreichen. 1929 wurde das insgesamt 2,5 Millionen Mark teure Projekt dann fertiggestellt. Dies wären heute etwa über 6 Millionen Euro.

Für die "Wildbader" am Rhein hieß es dann ab sofort: Ab ins Rheinstrandbad! Im Eröffnungsjahr konnte das "Rappele" seinen Erfolg mit 200.000 Besuchern feiern, an manchen Sonntagen wurden sogar über 25.000 Besucher am Tag gezählt.

Karlsruhe als Heimat des Ringtennis

Zunächst stand im Rheinstrandbad nicht vorrangig das Schwimmen im Fokus, sondern der Sport: Die 14 Hektar große Grünanlage gilt als der Ursprung von Ringtennis. Hermann Schneider, der diese Sportart von einer Schiffsreise aus der USA nach Karlsruhe brachte, ließ zahlreiche Ringtennisfelder über das gesamte Bad verteilt bauen.

Ein Ringtennis-Match im Rheinstrandbad. Im Hintergrund die Liegewiese und das Rheinbecken. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A30/36/2/9

Von dort an galt Karlsruhe als Zentrum für diese Sportart: 1931 wurden im "Rappele" die ersten Deutschen Ringtennismeisterschaften ausgetragen. Im Jahr 2014 wurden die ehemaligen Ringtennisanlagen auf der Liegewiese jedoch entfernt, da immer weniger gespielt wurde. Wer weiterhin diese Sportart ausüben möchte, findet noch die Möglichkeit neben den Basketball-, Fußball- und Volleyballfeldern.

Ein Sportler beim Ringtennis-Match im Rheinstrandbad. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A6/49/6/30

Gebadet und geplanscht wurde damals im Rheinbecken - ein Naturbecken, das vom Rhein nur durch einen kleinen Damm getrennt wird. Doch bereits kurz nach Eröffnung hatte das Bad immer wieder mit der Verschmutzung des Badewassers durch Bakterien und regelmäßigen Überschwemmungen bei Hochwasser zu kämpfen.

Spielende Kinder im Naturbecken im Rheinstrandbad. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A5/63/4/50

Nachdem das vom Krieg völlig zerstörte Bad 1945 wieder seine Pforten öffnete, wurde einiges gegen das verunreinigte Becken getan: Ein Sandstrand wurde aufgeschüttet, verschiedene Kulturen von Wasserpflanzen sollten das Wasser filtern. In den 50er Jahren wurde außerdem das 90 Zentimeter hohe und 570 Meter lange "Mäuerle" an der Liegewiese gebaut, das den Hochwasserdamm erhöhen sollte.

Rheinstrandbad Rappenwört
Das bekannte "Mäuerle" gibt es seit 1957 im Rheinstrandbad. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A10/55/5/4

Aufgrund der drohenden Schließung des Naturbeckens wurde entschieden: Neue Becken müssen her. Die Wasserleitung, die damals nur bis zum Tierheim Daxlanden reichte, wurde bis nach Rappenwört erweitert und 1964 hatte das Rheinstrandbad dann ein neues Mehrzweckbecken und ein neues Wellenbecken. Der Kampf gegen das Dreckwasser war 1966 endgültig verloren - von dort an war das Baden im Naturbecken verboten.

Richtfest zum Bau des Wellenbeckens 1963. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A10/133/2/33A

Fast wie am Meer: Das Wellenbecken galt als die neue große Attraktion des Freibades. 20.000 Menschen passten damals ins "Rappele", zu Spitzenzeiten suchten am Tag bis zu 15.000 Badegäste die Flucht ins kühle Nass. Da hieß es im Wellenbecken nur noch Stehen, statt Schwimmen. Wer darauf keine Lust hatte, konnte ab 1969 zur Abwechslung auf dem neu gebauten Minigolfplatz vorbeischauen.

Einiges los im Wellenbecken des Rheinstrandbades 1964. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11/137/4/34

Der Andrang auf das Bad wurde immer größer, der Platz immer weniger - ein Drittes Becken sollte gebaut werden. 1979 bekam das Bad daher ein auf 24 Grad Celsius beheiztes Becken und außerdem noch ein Kinderplanschbecken dazu.

Liegewiese im Rheinstrandbad. Im Naturbecken darf man heute nicht mehr baden. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A11/72/4/26

In diesem Zustand, mit den drei Becken, harrte das Bad sehr lange aus - um genau zu sein, fast 30 Jahre. 2007 und 2008 hat man der in die Jahre gekommenen Anlage einen frischen Anstrich verpasst und umgebaut: Für vier Millionen Euro wurde das Bad mit einem Sprungbecken samt Sprungturm, einem Erlebnisbecken mit Strömungskanal und neuen Rutschen ausgestattet. So kennen - und lieben - es die Karlsruher.

Rheinstrandbad Rappenwört
Das Erlebnisbecken im Rheinstrandbad Rappenwört gibt es seit 2008. Bild: Alexander Hammer

Doch seinen Charme hat die alte Bäder-Dame immer noch behalten: Dank Denkmalschutz stehen die alten Umkleidehäuschen aus den Anfängen und das Restaurant, das aktuell umgebaut wird, immer noch. Auch das Herzstück des Bades, das Naturbecken, ist - auch wenn man darin nicht mehr baden kann - schön anzuschauen.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

Mehr zum Thema:
Es war einmal in Karlsruhe | ka-news.de: Alte Seifenfabriken und Milchzentralen oder Eindrücken von der Kaiserstraße aus den 50er Jahren - in der Serie "Es war einmal" nimmt ka-news seine Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Hier finden Sie Gespräche mit Zeitzeugen und Impressionen aus der über 300-jährigen Geschichte der Fächerstadt.

Haben Sie eine Anregung, Fragen zu einem alten Gebäude oder können uns etwas über das frühere Karlsruhe erzählen? Dann schreiben Sie uns per Mail oder per ka-Reporter-Formular. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

13 Kommentare
Sie dürfen noch Zeichen schreiben
Hinweis:
Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder. Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!