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Von der "Schmuddelecke" zum Wohlfühlort: Wie der Karlsruher Osten sich verändern soll
Karlsruhe
09.06.2020 06:00
Billige Kneipen, dunkle Ecken, Rotlichtviertel: Der Osten der Stadt Karlsruhe soll von seinem schlechten Ruf befreit werden und künftig ein attraktiver Stadtteil sein. Dafür sollen sich die Läden gemeinsam vermarkten, der Kronenplatz ein neues Gesicht und private Häuser einen neuen Anstrich erhalten. Wie wird der Osten Karlsruhes in einigen Jahren aussehen? In der neuen ka-news.de Serie "Karlsruhe im Wandel" nehmen wir jeden Dienstag ein anderes Gebiet unter die Lupe.

Die "östliche City" ist  voller Widersprüche: Unweit beeindruckender Kulturdenkmäler wie dem Schloss Gottesaue liegt das bekannteste Rotlichtviertel der Stadt - die "Brunnenstraße". Kaum einen halben Kilometer weiter liegen Universität und zwielichtige Spielhallen vis-a-vis. Straftaten gehören hier fast zur Tagesordnung: Über 2.700 Delikte hat die Polizei dort im Jahr 2018 erfasst. Nur die Innenstadt-West kann den Osten mit über 3.000 Straftaten in Sachen Kriminalität übertrumpfen.

Die Brunnenstraße - ein Rotlichtmilieu der Stadt Karlsruhe. Bild: Kube

Um den Osten der Fächerstadt von seinem schlechten Ruf zu befreien, sind in den kommenden Jahren zahlreiche Maßnahmen geplant. Über 90 Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden. 

Grün, grüner, Kronenplatz: Asphalt wandle dich

Besonders ist bei der Neugestaltung der Kronenplatz im Visier. Während der Platz heute trist wirkt und kaum zum Aufenthalt einlädt, soll in Zukunft Leben in die Fläche kommen: Eine Stadtbibliothek könnte entstehen, Cafés und Restaurants könnten sich ansiedeln und ein neuer Brunnen gebaut werden. Hell, offen und grün soll der Kronenplatz sein. Das geht aus einem Maßnahmenkatalog der Stadt Karlsruhe auf Grundlage der Cima-Studie hervor. 

Der Kronenplatz soll künftig zum Treffpunkt werden. (Symbolbild) Bild: Paul Needham

Unmittelbar am Kronenplatz beginnt das riesige Gelände der Universität, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Doch das Flair der Wissenschaft trägt nicht über die Grenzen des Campus hinaus. Das soll sich in Zukunft ändern:  Die Uni soll städtebaulich mehr in die Stadt integriert werden und die Forschung sichtbar werden. Die nicht-denkmalgeschützten Zäune rund um das KIT könnten hierfür von der Bildfläche verschwinden. 

Gemeinsames Marketing der Händler

Mit einem attraktiveren Stadtbild sind auch die ansässigen Geschäfte von der Veränderung betroffen. Denn: Im Osten der Stadt ließ sich in den vergangenen Jahren der Teufelskreis des "Trading-Down"-Effekts beobachten.

Immer mehr Billigläden und Leerstände haben sich breitgemacht und ihresgleichen angezogen. Während die "Shoppingmeile" Kaiserstraße einen Kilometer weiter westlich von Schmuckhändlern, Eisdielen und Boutiquen besiedelt wird, finden sich hier zunehmend Imbissbuden, Spielhallen und günstige Kneipen.

Ein junger Mann spielt an einem Spielautomaten. Bild: Britta Pedersen/Archiv

Ein Weg, um diesem Problem entgegenzusteuern, ist, den Geschäften zu einem besseren Image zu verhelfen. Damit das gelingt, soll eine Quartiers-Website aufgebaut werden, auf der Kunden sich über die Angebote vor Ort informieren können. Die Händler sollen so Gelegenheit bekommen, für sich zu werben und eine stärkere Präsenz zu zeigen. 

Bernhardusplatz: Von Baggern zu Bäumen 

Werden anderenorts noch Pläne geschmiedet, ist der Bernhardusplatz am Durlacher Tor bereits mitten im Umbau. War der Platz mit seinen Haltestellen in den vergangenen Jahren einer der Baustellen-Hotspots der Stadt, haben sich Bagger & Co.  mittlerweile zurückgezogen.

Bild: Carmele/ TMC-Fotografie

Doch fertig ist die Umgestaltung noch lange nicht: Wo derzeit noch grauer Asphalt dominiert, sollen in Zukunft zwei große Grünflächen, Bäume mit Rundbänken und ein Wasserspiel entstehen.

Bernhardusplatz mit Blickrichtung St. Bernhard: Rasenschollen laden zum Verweilen ein. Bild: Büro Mettler

Öffentliche Plätze sind die eine Seite der Medaille, private Häuser und Grundstücke die andere. Doch all die Sanierungsmaßnahmen, die den Stadtteil aufwerten sollen, treffen die Immobilieneigentümer in finanzieller Hinsicht unmittelbar.

Denn die Stadt geht davon aus, dass jedes Grundstück nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten mehr Wert sein wird als zuvor. Auch wenn die Häuser, die dort stehen, sich selbst sich nicht verändern, steigt der sogenannte Bodenwert. 

Eigentümer werden zur Kasse gebeten

Den Betrag, den die Grundstücke dank der schönen neuen Plätze mehr wert sind, müssen die Eigentümer in einigen Jahren an die Stadt zurückzahlen. Insgesamt rund 2.400 Eigentümer werden von diesen  Ausgleichszahlungen betroffen sein. Einen Kostendeckel gibt es hierbei nicht. 

Damit jedoch auch die privaten Häuser in neuem Glanz erstrahlen, ist für die Immobilieneigentümer eine Sanierungsberatung angedacht. So könnten unweit der neuen Fußgänger- und Aufenthaltsorte auch die Fassaden der Häuserblöcke einen neuen Anstrich erhalten. Denn: Die "östliche City" soll nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in ihrem Inneren aufgewertet werden. 

ka-news.de Serie "Karlsruhe im Wandel"

Karlsruhe soll attraktiver werden. Damit das gelingt, hat die Stadt den "Aktionsplan City" ins Leben gerufen. Dort sind über 100 Maßnahmen gebündelt, die Karlsruhes Innenstadt in den kommenden Jahren verändern werden. ka-news.de nimmt in der Serie "Karlsruhe im Wandel" die einzelnen Bereiche unter die Lupe.

Teil 1: Karlsruhe soll sich verändern: Europaplatz wird heller - Fahrradständer geplant

Teil 2: Neue Karlsruher "Shoppingmeile": Wie die Billigläden an der Kaiserstraße vertrieben werden sollen
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