Bild: Mailänder Consult/Stadt Karlsruhe
Heute fällt die Entscheidung zur Umfahrung Hagsfeld: Die wichtigsten Fragen im Überblick
Karlsruhe
30.06.2020 10:00
Am Dienstag hat die lange Debatte über die Südumfahrung Hagsfeld ihr vorläufiges Ende: Der Karlsruher Gemeinderat entscheidet über den Bau des umstrittenen Verkehrsprojekts und auch darüber, ob die Straße als Brücke oder Unterführung realisiert wird. Vor der Abstimmung hat ka-news.de die wichtigsten Punkte zur Debatte noch einmal in der Übersicht.

Warum eine Umfahrung Hagsfeld?

Die Stadtteile Hagsfeld und Rintheim sollen vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Dafür ist eine Umfahrung geplant, die die Autobahnabfahrt Karlsruhe Nord mit der B10 und der L560 verbindet. Zusätzlich soll der Technologiepark über einen neuen Anschluss direkt an die Umfahrung angeschlossen werden.

 

Was ist bisher passiert?

Begonnen hat das Projekt, das sich heute "Südumfahrung Hagsfeld" nennt, als erster Teil der einst geplanten Nordtangente. Doch letztendlich wurde nur kleines Stück Nordtangente Realität: von der Autobahn A5 bis zur Elfmorgenbruchstraße.

Dann war erst einmal Schluss: Der Gemeinderat entschied im Jahr 2009, die Nordtangente doch nicht zu bauen. Und somit lag der weitere Ausbau der Strecke ab der Elfmorgenbruchstraße auf Eis, denn damit fiel das Projekt aus dem Bundesverkehrswegeplan heraus. Ein Stück Nordtangente soll nun dennoch hinzukommen: eben jener Abschnitt bis zur L560, die Südumfahrung Hagsfeld.

Nach mehreren gescheiterten Planungsversuchen steht das Konzept nun fest. Am Dienstag soll der Karlsruher Gemeinderat das Projekt beschließen.

Welche Varianten gibt es?

Da die Strecke eine Gleistrasse der Deutschen Bahn kreuzt, hat man sich auf zwei Trassenvarianten geeinigt: Entweder kommt für die Anbindung eine Brücke über die Schienen hinweg oder ein Trog, der die Autos darunter hindurch führt, in Frage:

Die Unterführung ist 280 Meter lang . Sie taucht von der Elfmorgenbruchstraße her kommend kurz hinter der Alte Bach ab und unterquert die DB-Trasse und den Hinterwiesenweg mit 4,70 Meter Tiefe. Rund 100 Meter weiter nach Westen erreicht die Straße wieder die Geländeoberkante und wird ebenerdig zur Haid-und-Neu-Straße geführt.

Dateiname : Lageplan Varianten Umfahrung Hagsfeld
Dateigröße : 4.61 MBytes.
Datum : 30.06.2020 07:38
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Die Brücke ist rund 430 Meter lang. Sie erhebt sich von der Elfmorgenbruchstraße kommend kurz vor der Alte Bach, wird mit einer Höhe von 6,40 Meter über die DB-Trasse geführt und endet hinter der Rintheimer Hauptstraße. Die Rampen der Brücke erstrecken sich jeweils bis an die Knotenpunkte heran. Die Stadt favorisiert diese Variante.

Warum wird eine Brücke bevorzugt?

Die Stadt spricht sich in ihrer Beschlussvorlage für den Gemeinderat für eine Realisierung der Umfahrung als Brückenvariante aus. Die Entscheidung hierfür begründet sie unter anderem auf einer sogenannten Abwägungsmatrix, in der verschiedene Anforderungen für beide Varianten geprüft werden, etwa Umweltauswirkungen, Sicherheitsempfinden und Kosten. Die Brücke erfülle laut der Verwaltung mehr dieser Anforderungen als ein Unterführungsbauwerk. Diese sind:

  • Verkehrliche Ziele (Entlastung der Stadtteile) werden erreicht
  • Negative Auswirkungen auf ansässige Tierarten bleiben weitgehend aus
  • Geringe Trennwirkung für Menschen, Tier- und Pflanzenwelt
  • Sichtbeziehungen werden freigehalten, Sicherheitsempfinden ist größer
  • Querende Fuß- und Radwege können ebenerdig erhalten bleiben, ebenso die Alte Bach
  • Kosten sind mit zirka 55 Millionen Euro geringer als bei der Trogvariante (zirka 70 Millionen Euro)

Was spricht für, was gegen die Umfahrung?

Über die Südumfahrung Hagsfeld - die gleichzeitig auch eine Nordumfahrung Rintheim ist - wurde in den vergangenen Jahren viel diskutiert. Bringt das Projekt tatsächlich die erhoffte Verkehrsentlastung? Wirkt sich die Straße nicht negativ auf Umwelt und Klima aus? Ist die Umfahrung tatsächlich notwendig?

Das sind nur einige der Fragen, die sich Bürger und Politiker gleichermaßen immer wieder gestellt haben.  Die Vor- und Nachteile der geplanten Umfahrung hat ka-news.de hier einmal genauer gegenübergestellt: 

Wie stehen die Bürger zu dem Projekt?

Das Projekt spaltet die Anwohner der betroffenen Stadtteile Rintheim und Hagsfeld. Während die einen sich nach der versprochenen Verkehrsentlastung sehnen, sind die anderen der Ansicht, dass diese mit der Umfahrung gar nicht eintreten wird.

Zu- und Abnahme der Verkehrsbelastung nach dem Bau der Südumfahrung Hagsfeld. Bild: Stadt Karlsruhe

"Den Hagsfeldern wurde ein Floh ins Ohr gesetzt, wir Rintheimer brauchen die Straße nicht!", fasst es beispielsweise Helmut Rempp, Vorsitzender des Bürgervereins Rintheim, im vergangenen Jahr im Gespräch mit ka-news.de zusammen. Im Kampf gegen das ungeliebte Bauprojekt haben sich zahlreiche Bürger sogar in einer Online-Petition zusammengeschlossen. Auch bei einer Info-Veranstaltung im Januar wurde die geteilte Ansicht über das Projekt noch einmal deutlich.

Auf der anderen Seite stehen die Anwohner in Hagsfeld. Zu Stoßzeiten wird ihr Ortskern zum Verkehrs-Hotspot, Gehwege werden zur Fahrbahn - zum Nachteil der Radfahrer und Fußgänger. Daher haben auch sie eine Online-Petition gestartet - allerdings pro Umfahrung.

"Wir können und wollen das nicht mehr aushalten", sagt Anwohner Andreas Tischer im Gespräch mit ka-news.de im März. Um das zu verdeutlichen, haben die Hagsfelder die gesammelten Unterschriften am Montag, einen Tag vor der Gemeinderatsentscheidung, an Oberbürgermeister Mentrup übergeben.


Pro Umfahrung Hagsfeld

Oberbürgermeister Frank Mentrup nimmt die Unterschriften entgegen. Oberbürgermeister Frank Mentrup nimmt die Unterschriften entgegen. Oberbürgermeister Frank Mentrup nimmt die Unterschriften entgegen. Oberbürgermeister Frank Mentrup nimmt die Unterschriften entgegen.

Was wollen die Stadträte erreichen?

Im Rahmen des anstehenden Gemeinderatsbeschlusses am Dienstag haben mehrere Fraktionen die Gelegenheit genutzt, sich noch einmal mit Anträgen und Anfragen zu dem Bauprojekt zu äußern. So fordern die CDU und die FDP, statt der Brücke das Unterführungsbauwerk in der Planung vorzuziehen. Die Grünen wiederum möchten erreichen, dass die Südumfahrung ganz aufgegeben und stattdessen alternative Mobilitätslösungen für Hagsfeld und Rintheim gefunden werden.

Ähnlich sieht das die Fraktion KAL/Die Partei. Da ihrer Ansicht nach die Verkehrsentlastung durch die Umfahrung nicht ausreichend gewährleistet werden kann, sollen alternative Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Hagsfeld in Betracht gezogen werden - etwa Poller, Straßensperrungen und die Einrichtung von Anliegerstraßen. 

Die Grünen haben zudem den Antrag eingebracht, weitere Möglichkeiten für den geplanten Anschluss der neuen Trasse an den Technologiepark zu prüfen. Aktuell wird der Anschluss an die Albert-Nestler-Straße in den Planungen favorisiert.

Die Linke möchte erreichen, dass ein Beschluss zur Umfahrung Hagsfeld erst gefasst wird, wenn die Auswirkungen auf das Klima in Karlsruhe und im betreffenden  Bereich untersucht sind und entsprechend den Gemeinderats-Beschlüssen zum Klimaschutzkonzept und zur Darstellung der Klimarelevanz in Gemeinderatsvorlagen vorliegen.

Die AfD-Fraktion möchte ebenfalls erst weitere Studien, etwa zur Verkehrsbelastung, durchgeführt sehen, beantragt aber ansonsten, die Planung und Umsetzung der Umfahrung ohne weitere Verzögerungen voranzutreiben.

Wie geht es nach der Gemeinderatsentscheidung weiter?

Nach der Entscheidung des städtischen Gremiums entweder für die von der Stadt favorisierte Brückenvariante oder die Troglösung werden alle erforderlichen Unterlagen für das offizielle Planfeststellungsverfahren erarbeitet und beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingereicht.

Ein Planfeststellungsverfahren ist ein besonderes, streng formalisiertes Genehmigungsverfahren über die Zulässigkeit beispielsweise einer Straßenbaumaßnahme. Das Verfahren beinhaltet ein gesondertes Anhörungsverfahren und dient der Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange und ist Voraussetzung für die Genehmigung der Maßnahme.

Auch Träger öffentlicher Belange sowie Umweltverbände werden angehört. Dadurch wird die durch den Gemeinderat beschlossene Variante näher auf Themen wie Verkehr, Umwelt, Lärmschutz und Kosten untersucht. Ist danach der Planfeststellungsbeschluss gefasst worden, steht dem Bauprojekt faktisch nichts mehr im Wege. Mitte 2019 hieß es aus dem Rathaus: Ein Baubeginn ist frühestens in fünf Jahren denkbar.


Bürgerinfo Umfahrung Hagsfeld 2020


Wie die Gemeinderäte abgestimmt haben und was die Fraktionen zu den Plänen sagen - ka-news.de wird live vor Ort sein und berichten.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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