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"Wir müssen dringend was am Image verbessern": Wie Oberreut erreichen will, dass Menschen gerne in den Stadtteil kommen
Karlsruhe
27.01.2020 06:34
Weil in den 1960er Jahren die Karlsruher Altstadt saniert wurde, mussten die Anwohner umziehen, einige von ihnen nach Oberreut. Seit über 55 Jahren gibt es also den Stadtteil im Süden der Fächerstadt schon - und mindestens genauso lange kämpfen die Menschen gegen das negative Image an. Das muss sich ändern, sagen die Einwohner. Aber auch sonst muss sich Oberreut weiterentwickeln

Oberreut sei gefährlich, Oberreut sei kriminell - und "wer den Tod nicht scheut, zieht nach Oberreut": Das Bild, das Außenstehende von dem Karlsruher Stadtteil haben, ist nicht das allerbeste. "Das ist das, was am dringlichsten angegangen werden muss, unser Image", sagt Klaus Schaarschmidt, Vorsitzender des Bürgervereins Oberreut, gegenüber ka-news.de.

"Aber wie wollen wir das Bild verbessern, wenn hier ständig etwas passiert? Aber es passieren ja nicht nur Sachen bei uns im Stadtteil sondern auch an anderen Orten. Aber da wird nicht so ausführlich darüber berichtet. Nur wenn es in Oberreut war, dann reden die Leute noch Tage später davon", sagt Schaarschmidt etwas aufgebracht. 

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Dabei sei die Kriminalitätsrate niedriger als in anderen Stadtteilen Karlsruhes, führt Johannes Stober, stellvertretender Vorsitzender im Bürgerverein, an. Ein Blick in den Sicherheitsbericht der Stadt für das Jahr 2018 bestätigt: 2018 kam es zu gerade mal 60 KOD-Einsätzen und 357 gemeldeten Straftaten, die der Polizei bekannt sind. Das für viele sicherlich beschauliche Rüppurr kommt auf 72 KOD-Einsätze und 418 gemeldete Straftaten.

Neues Motto soll altes Image vergessen machen

"Deswegen ist es extrem unglücklich von der Stadt zu sagen, dass sie da nun in Hinblick auf die Kriminalität den Schwerpunkt auf die Innenstadt-Ost und Oberreut legen", so Stober weiter. "Da entsteht der Eindruck, es sei hier gefährlich. Aber die Umfragen haben ergeben, dass die meisten Menschen Angst in Oberreut haben, die noch nie hier waren!"

Um etwas am Image zu schrauben, gibt es daher nun das neue Motto "Wer sich des Lebens freut zieht nach Oberreut" - und die Stadt hat das aufgegriffen. "Ich habe das mal in einer unserer Sitzungen fallen lassen und das Amt für Stadtentwicklung führt das nun weiter, das steht auf Flyern oder Einladungen, damit sind wir sehr zufrieden", erklärt Johannes Stober. 

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Damit das Bild des Stadtteils verbessert werden kann, muss sich auch im Stadtteil selbst etwas getan werden. "Ein Medizinisches Versorgungszentrum streben wir an, denn einige Ärzte hätten Interesse sich hier niederzulassen und das ist auch ein Konzept für die Zukunft", ergänzt Schaarschmidt.

Aber auch das Angebot an Kitaplätzen müsse weiter ausgebaut werden, so die beiden vom Bürgerverein. "Uns fehlen 90 Plätze, wir haben zwar einen neuen Kindergarten bekommen aber durch die U3- und Ü3-Kinder sind jetzt weniger Kinder drin als früher", sagt Schaarschmidt. "Also wir brauchen dringend die Plätze!" 

Mehr Einwohner, mehr Kitaplätze, mehr Ärzte

In der Otto-Wels-Straße an der Ecke zur Rudolf-Breitscheid-Straße beginnt noch in diesem Jahr der Bau dreier Wohnhäuser samt Gewerbe. "Mitte 2021 soll dass dann abgeschlossen sein. Dann bekommen wir ein Nahversorgungszentrum, eine Apotheke, eine Bäckerei und vielleicht ein Café, wenn sich ein Betreiber findet", weiß Klaus Schaarschmidt vom Bürgerverein. 

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So soll eine Situation entstehen, "in der die Menschen ganz normal nach Oberreut kommen", so Schaarschmidt im Gespräch mit ka-news.de. "Das wünsche ich mir am meisten. Das Medizinische Zentrum wäre da ein tolles Angebot wo die Leute aus anderen Stadtteilen zu uns kommen - aber das gelingt uns letzten Endes vielleicht nicht!" Denn in den Stadtteil komme nur der, der hier wohnt oder jemanden besucht. "Sonst ist hier niemand aus den anderen Stadtteilen", beklagen Schaarschmidt und Stober.

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"Die Stadt und das Amt für Stadtentwicklung gibt sich aber schon sehr viel Mühe, dass sich hier was tut - und es tut sich auch was", so Johannes Stober. Mit den Bürgeraktionen, etwa dem Kulturcafé oder dem Foodsharing-Schrank, hat der Bürgerverein schon einiges in Bewegung setzen können. 

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