Hochhäuser in Karlsruhe
(Symbolbild)
Bild: Carmele/TMC-Fotografie
Konzept für eine Karlsruher Skyline gesucht: "Hochhäuser können eine Antwort auf den Rückgang verfügbarer Flächen sein"
Karlsruhe
11.02.2019 07:00
Karlsruhe will hoch hinaus, aber wie hoch genau? Sind Hochhäuser in der Fächerstadt sinnvoll? Wo könnten Hochpunkte gesamtstädtische Vorteile bieten? Mit diesen und vielen weiteren Fragen befasst sich das "Höhenentwicklungskonzept Karlsruhe", dessen Erarbeitung zu Beginn des vergangenen Jahres begonnen wurde. In öffentlichen Workshops will die Stadt auch die Bevölkerung bei der Planung miteinbeziehen.

Angesichts der innerstädtisch gebotenen Nachverdichtung will die Stadt mit dem Höhenkonzept das Verdichtungspotenzial für die Innenentwicklung konkretisieren und das Bauen in die Höhe planerisch steuern.

Mit der Entwicklung wolle man demnach nicht nur herausfinden, wo durch hohe Bebauung ein Mehrwert für die Allgemeinheit entstehen könnte, sondern auch Tabubereiche benennen oder potenzielle Flächen ausweisen, die für eine höhere städtebauliche Ausnutzung durch Aufstockung, höhere Gebäude oder Hochhäuser in Frage kommen. Dabei werden sowohl klimatische, soziale, wirtschaftliche sowie verkehrliche Aspekte berücksichtigt.

Bild: Corina Bohner

Konzept soll bis 2020 beschlossen werden

Der Startschuss für das Konzept fiel im Januar 2018, als sich der Planungsausschuss unter Vorsitz von Bürgermeister Michael Obert einstimmig für einen gesamtstädtischen Blick auf die Höhenentwicklung aussprach. Mit der Erarbeitung beauftragte die Verwaltung das Schweizer Planungsbüro "Sapartners", welches das strategische Grundsatzpapier im Dialog mit der Öffentlichkeit erarbeiten soll. Begleitet wird der Prozess von einem Expertengremium aus städtischen sowie externen Fachleuten.

Erste Ergebnisse der Analyse und des Konzeptplans wurden bereits in einem öffentlichen Workshop im letzten Sommer vorgestellt. Eine zweite Öffentlichkeitsveranstaltung sei laut der Stadt für März/April angedacht, ehe ein letzter Workshop im Herbst 2019 die Bürger über die Ergebnisse der Planung informiert. Voraussichtlich könne über den fertigen Entwurf nach eineinhalb Jahren Entwicklungszeit im Frühjahr 2020 im Gemeinderat abgestimmt werden. Das Konzept werde dann als Rahmenplan beschlossen und dient als Zielvorgabe für alle folgenden Bebauungspläne.

Hohe Gebäude - hier auf dem Gelände des KIT Campus Süd. Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Riesenbauten in Karlsruhe eine Rarität

Derzeit befinden sich hohe Bauwerke in Karlsruhe über die Fächerstadt verteilt. Die einzige Anhäufung mit etlichen großen Gebäuden stelle nach Aussage der Stadt der KIT-Campus dar. Im Vergleich mit anderen Städten entspricht Karlsruhes Bebauung dem Typ "Stadtlandschaft", also einer über das Stadtgebiet verteilten Bebauung mit höheren Gebäuden. Eine ähnliche Bebauungsstruktur hat die Stadt Zürich. Andere Bebauungsarten wie der Typ "Flachland" finden sich beispielsweise in Budapest, wohingegen man etwa in Wien von einer "Insel-Bebauung" spricht, da hohe Gebäude meist gruppenartig nebeneinander auftreten.

Neue und alte Bibliothek am KIT
Neue und alte Bibliothek am KIT (Symbolbild) Bild: Paul Needham

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Unterscheidung zwischen hohen Häusern und Hochhäusern. Nach baurechtlicher Definition gilt in Deutschland ein Haus als Hochhaus, wenn es eine Höhe von 22 Metern aufweisen kann. Demnach gelten viele Karlsruher Wohnblocks bereits als Hochhaus. Seltener findet man in der Fächerstadt Gebäude mit einer Höhe von bis zu 70 Metern und aufwärts. Dies schaffen lediglich die Bauten der Deutschen Rentenversicherung am Weinbrennerplatz mit stolzen 77 Metern sowie das Landratsamt in der Beiertheimer Allee, welches knapp unter der 70-Meter-Marke liegt.

Deutsche Rentenversicherung Karlsruhe Hochhaus
Deutsche Rentenversicherung Karlsruhe Bild: Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg

Nachfrage nach Wohnraum nach wie vor hoch

Das Höhenentwicklungskonzept soll nicht zuletzt darüber Auskunft geben, ob durch hohe Häuser die steigende Nachfrage nach Wohnraum gesättigt werden kann. Der Zuzug in die Städte im In- und Ausland hält nach wie vor an – ein Trend, der sich auch in Karlsruhe bemerkbar macht. Begleiterscheinungen sind steigende Miet- und Wohnungspreise. Nach Meinung der Volkswohnung, dem nach eigenen Aussagen zufolge größten Vermieter der Fächerstadt, ist die Nachfrage nach Wohnraum in Karlsruhe unverändert hoch.

So gibt es allein bei der Volkswohnung über 6.000 Menschen, die an einer Wohnung interessiert sind oder Umzugsabsichten innerhalb deren Wohngebiete haben. "Hochhäuser können durchaus eine Antwort auf den Rückgang verfügbarer Flächen sein und sie bringen den Vorteil mit sich, dass der Anteil an Versiegelung gering ist", so Beatrice Kindler, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Volkswohnung.

Aus diesem Grund befinden sich in Großsiedlungen wie Oberreut, Rintheimer Feld oder Mühlburger Feld auch Hochhäuser im Bestand der Volkswohnung.

Das Gebäude der Deutschen Rentenversicherung - könnten bald mehr solcher hohen Häuser in Karlsruhe, auch für Wohnen, entstehen? Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Hochhäuser sind kein Allheilmittel

Nach Meinung von Bauexperten sind Hochhäuser allerdings keine Patentlösung gegen mangelnden Wohnraum. Wohnen in Hochhäusern sei heutzutage eher ein teures Wohnen und bietet daher nicht immer einen Ausweg auf der Suche nach bezahlbaren Wohnungen. Gründe hierfür seien unter anderem Statik, Brandschutz, Klima-, Sicherheits- oder Aufzugstechnik, welche die Kosten in die Höhe treiben würden. "Trotzdem können höhere Gebäude sinnvoll sein", meint der Leiter der Stadtquartiersplanung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Markus Neppl.

Für Bürogebäude, Hotels, Universitätsgebäude oder auch Krankenhäuser, die auf eine kompakte Organisation und kurze Wege angewiesen sind, könne eine gemäßigte Höhe zwischen 30 und 60 Metern demnach durchaus sinnvoll sein. "Wenn die Maßstäbe und die Anzahl nicht zu groß werden, lassen sich auch höhere Gebäude sinnvoll in die Stadtstruktur und die unmittelbare Umgebung integrieren", führt Neppl aus. Seiner Meinung nach gibt es in Karlsruhe keine schlechten Beispiele in Sachen Hochhäusern. Die Verwaltungs- und Hotelgebäude befänden sich an vernünftigen Stellen und die höheren Wohngebäude seien beinahe gleichmäßig über die äußeren Stadteile verteilt.

(Symbolbild) Bild: Carmele/TMC-Fotografie

So sind etwa die Wohnhochhäuser am Rüppurer Schloss, in Oberreut, in Neureut, in der Nordweststadt, in der Oststadt, in Rintheim, in der Waldstadt und in Mühlburg meist gut in die Nachbarschaften integriert, sodass sich Neppl durchaus weitere Ergänzungen in diesen Maßstäben vorstellen kann, auch wenn er sich an der ein oder anderen Stelle mehr Mut zu innovativeren Gebäudekonzepten wünschen würde.

Nur in Verbund mit Region eine Lösung denkbar

Auf Nachfrage nach dem aktuellen Wohnungsangebot in Karlsruhe, erklärt Neppl weiter, dass man nicht von einer Wohnungsnot sprechen sollte. Ohne Frage seien die Preise stark gestiegen und das Angebot beschränkt. Dies habe wiederum Verdrängungsprozesse auf dem Wohnungsmarkt zur Folge, worunter vor allem diejenigen leiden, die die verlangten Mieten nicht mehr aufbringen können. Solche Prozesse seien allerdings nur schwer steuerbar und auch nicht allein durch eine erhöhte Bautätigkeit zu kompensieren.

Hochhäuser in Karlsruhe
Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Nach Meinung des Leiters für Stadtquartiersplanung wird die Stadt Karlsruhe nur im Verbund mit der Region eine Lösung finden können. Gerade die kleineren Städte und Gemeinden in der Umgebung haben durchaus noch besser verfügbare Flächenressourcen und sind durch das sehr gut ausgebaute Stadtbahnnetz gut angebunden. Als Beispiel nennt Neppl beispielsweise die Stadt Ettlingen als nahgelegene Alternative oder die Städte Wörth, Bruchsal oder Rastatt, welche dabei sind, neue Quartiere zu entwickeln.

Da es seiner Meinung nach heute keine einfachen, preiswerten und schnellen Lösungen mehr gebe, plädiert er für Geduld: "Stadtentwicklung muss verantwortungsvoll und mit viel Augenmaß geschehen, sonst werden unsere Enkel wenig Verständnis für das aufbringen, was unsere Generation ihnen hinterlässt."

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