Wohnbauten in der August-Bebel-Strasse, westlich dem alten Flugplatz.
Wohnbauten in der August-Bebel-Strasse, westlich dem alten Flugplatz.
Bild: Tim Carmele
Neues Hotel in der Kriegsstraße
An der Kriegsstraße soll ein Motel One entstehen.
Bild: Eich/Roßbach
Gemeinderäte der Kult fordern Wohnraum statt neue Hotelbaustellen - dabei sind viele Grundstücke nicht für Wohnbebauung geeignet
Karlsruhe
05.01.2019 07:00
Karlsruhe ist beliebt - nicht nur bei neuen Einwohnern und Studenten, sondern auch bei Touristen. Über 1 Million Übernachtungen wurden in der Fächerstadt 2017 verzeichnet, nicht eingerechnet Übernachtungen in Privatzimmern, die etwa über Airbnb gebucht wurden. Der Bedarf an Zimmern ist da - doch bezahlbarer Wohnraum ist ebenfalls rar, findet die Kult-Fraktion im Gemeinderat.

Bis zum Jahr 2030 fehlen in der Fächerstadt etwa 20.000 Wohneinheiten, das ist schon fast ein alter Hut. Doch die Fächerstadt braucht auch Touristen, denn die bringen Geld ins Stadtsäckel. Daher ist es nicht verwerflich, dass etwa direkt an der Kriegsstraße ein neues Hotel entstehen wird.

Hier entsteht das neue Motel One. Bild: Bohner

Doch die Stadträte der Kult-Fraktion sehen das anders: "Zuerst müssen die Menschen in der Stadt, die Wohnraum brauchen, versorgt sein, bevor die Stadt den Immobilieninvestoren mit neuen Hotels im Hochpreissegment den wenigen Bauplatz überlassen kann", schreiben die Gemeinderäte in einer Anfrage an die Stadt. 

Sind Hotelzimmer oder Wohnungen dringlicher? 

"Die Stadt muss sich ein Vorkaufsrecht auf Grundstücke für sozialen Wohnungsbau sichern um den Bedarf der Bürger mittelfristig decken zu können", fordern sie daher von der Stadtverwaltung. Sie wollen zudem wissen, welche Areale, die derzeit für Hotels geplant sind, auch für Wohnraum in Frage kommen könnten und was in den Augen der Stadt wichtiger ist: "Wohnungen oder Hotelzimmer"?

Bild: IG Bau

Dem hält die Stadt Karlsruhe allerdings entgegen. "Ein Hotelgutachten hat ergeben, dass es einen zusätzlichen Bedarf gibt - bis 2030 fehlen etwa 900 Hotelzimmer", schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme an die Kult-Fraktion. Das würde vier bis fünf neuen Hotels in den Kategorien 2 bis 4 Sterne entsprechen. 

Motel One Entwurf
So soll das Hotel in der Kriegsstraße 2020 aussehen. Bild: Unmüssig Bauträgergesellschaft Baden mbH

Viele Grundstücke für Hotels sind für Wohnbauten ungeeignet

Konkret sind dafür schon zwei Projekte in Planung: Zum einen entlang der Kriegsstraße, dort entsteht ein "Motel One", ein Low-Budget-Hotel mit 2 Sternen und an der Victor-Gollancz-Straße in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Hier möchte ein Investor ein 3-Sterne-Hotel bauen. Anders als beim "Motel One", bei dem zudem auch Büro- und Wohnflächen geplant sind, kommt das Areal entlang der Gleise nur eingeschränkt als Wohnbebauung in Frage. 

ka3 Victor-Gollancz-Straße
Die Victor-Gollancz-Straße entlang der Gleise am Karlsruher Hauptbahnhof ist für Wohnbebauung eher ungeeignet. Bild: Screenshot Google Maps/ka-news

"Für neue Hotels geplante Grundstücke sind in den meisten Fällen nicht für Wohnungsbau geeignet", erklärt die Stadt weiter. "Aber jeder Eigentümer ist frei in seiner Entscheidung, was für eine Nutzung er im Rahmen der planungsrechtlichen Zulässigkeit für sein Grundstück vorsieht. Daher berät die Verwaltung den Investor bei allen Projekten, bei denen grundsätzlich auch Wohnbebauung möglich und sinnvoll ist!" 

Wohnungen in der Oststadt
(Symbolbild) Bild: Felix Haberkorn

Stadt hat keinen Einfluss, kann nur beraten

Damit hat die Stadt Karlsruhe keinen Einfluss darauf, was der Bauherr auf dem Areal, das er bebauen möchte, auch tatsächlich baut. "Bei der Vergabe von städtischen Grundstücken kann jedoch sehr wohl auf die spätere Nutzung eingewirkt werden. Hier werden auch dringliche Vorkaufsrechte sowie Nutzungsverpflichtungen vertraglich gesichert", erklärt die Stadtverwaltung auf die Anfrage der Kult-Fraktion. 

So könnte das neue ka3-Gebäude am Hauptbahnhof aussehen. Bild: FAY Projects

Durch die Ansiedlung von "Motel One" im Jahr 2020 sei der Bedarf von Hotelzimmern im 2-Sterne-Bereich gedeckt, weiß die Stadt. "Die Verwaltung führt darüber hinaus Gespräche mit verschiedenen Investoren und Hotelbetreibern an Standorten, die für den noch zu deckenden Bedarf geeignet sind. Diese Standorte sind allerdings für den Wohnungsbau weitestgehend nicht geeignet!"

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