Die Wiese vor dem Schloss lädt während der Schlosslichtspiele zum Sitzen ein.
Bild: Carmele | TMC-Fotografie
Nachhaltige Schlosslichtspiele in Karlsruhe: Wie viel Müll bleibt täglich vor dem Schloss zurück und wie sinnvoll sind Öko-Becher?
Karlsruhe
02.09.2019 06:53
Es ist die größte Kinoleinwand in Karlsruhe: Abend für Abend tummeln sich bei den Schlosslichtspielen zahlreiche Menschen auf der Wiese vor dem Schloss. Eine Kleinigkeit zu essen oder zu trinken, das gehört für viele zu einem gelungenen Abend dazu, doch das geschieht nicht selten zu Lasten der Umwelt. Wie viel Müll dort täglich zurückbleibt und was die Schlosslichtspiele für den Umweltschutz tun – ka-news.de hat bei der Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME) nachgefragt.

Noch rund zwei Wochen, bis zum 15. September, erstrahlt die Fassade des Karlsruher Schlosses jeden Abend in allen denkbaren Farben. Die jährlichen Schlosslichtspiele gehören mitttlerweile zum Sommer in der Fächerstadt einfach dazu.

In den Abendstunden ist vor dem Schloss immer viel los. Dass nach der Vorstellung dort kein Müll zurückbleibt und die Anlage am nächsten Morgen genauso aussieht wie zuvor, kommt nicht von ungefähr. Denn: Die Macher der Schlosslichtspiele haben sich im Vorfeld viele Gedanken zum Thema Umweltschutz gemacht.


Premiere Schlosslichtspiele Karlsruhe 2019

Schlosslichtspiele 2019 Schlosslichtspiele 2019

Auch wenn der Platz nicht sonderlich groß ist, finden sich dort für die Dauer der Spielzeit rund 40 zusätzliche Mülltonnen. Jeden Abend am Ende der Shows werden die Gäste auf die Tonnen hingewiesen – mit Erfolg: "Für die Besucherzahl, die allabendlich auf dem Schlossvorplatz ist, bleibt sehr wenig Müll in den Grünflächen zurück", sagt Markus Wiersch, stellvertretender Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME), die das Lichtspektakel veranstaltet.

Besonders viel Müll bei Foodtruck Convention erwartet

Abend für Abend sind zwei Reinigungskräfte unterwegs, die schon während der einzelnen Shows dafür sorgen, dass der Platz sauber bleibt. Tage, an denen besonders viele Abfälle anfallen werden, sind wohl die der Foodtruck Convention. Denn: Am vorletzten Wochenende der Schlosslichtspiele gibt es vor der Kulisse des Schlosses viele Gerichte zu probieren. Dadurch wird deutlich mehr Müll anfallen. "Während der Convention werden wir hier das Reinigungspersonal deshalb auf acht erhöhen", so Wiersch auf Nachfrage von ka-news.de.

 

Markus Wiersch, stellv. Geschäftsführer Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME), im Gespräch mit ka-news.de Bild: Paul Needham

Wer bei den Schlossichtspielen Durst bekommt, wird sein Getränk in einem Plastikbecher überreicht bekommen. "Plastikbecher? das kann ja gar nicht umweltfreundlich sein!", könnten Kritiker nun sagen. Doch der Schein trügt. Die Becher sind aus dem Kunststoff PLA, einem Biokunststoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird. Es handelt sich um Mehrwegbecher, denn Einweggeschirr ist bei Straßenfesten in Karlsruhe schon seit dem Jahr 1990 verboten. 

"Bio-Becher" können nicht immer kompostiert werden

Was passiert mit den Bio-Bechern, wenn sie nicht mehr wiederverwendet werden können? "Kompostierbares Einweggeschirr, welches beispielsweise aus PLA besteht, ist als Nebenbestandteil gemäß der Düngemittelverordnung nur in unvermeidlichen Anteilen bei einer Kompostierung zulässig", teilt die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit.

Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe. Bild: Florian Kaute

Das bedeutet: Die Becher werden – genauso wie andere Plastikbecher – sehr wahrscheinlich verbrannt. "Biologisch abbaubares Einweggeschirr sollte, solange es nicht recycelt und damit sinnvoll stofflich verwertet werden kann, einer energetischen Verwertung wie dem Verbrennen in einem Müllheizkraftwerk zugeführt werden", so die LUBW auf Nachfrage von ka-news.de weiter.

Laut LUBW bringen diese "ökologischen Kunststoffe" sowohl Vor- als auch und Nachteile mit sich. "Ein vermehrter Einsatz von biobasierten Materialien aus dem Anbau von nachwachsenden Rohstoffen kann zu einer weiteren Intensivierung der Landwirtschaft führen", lautet das Urteil. Das könne wiederum zu einem verstärkten Bedarf an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln führen. "Positiv ist dagegen zu bewerten, dass die Kunststoffe durch die CO2-Aufnahme der Pflanze während der Wachstumsphase zu einer Reduzierung von Treibhausgasen beitragen." 

Die Becher, die bei den Schlosslichspielen ausgegeben werden, sind wie bei Das Fest aus einem biobasierten Kunststoff. Bild: Reiff

Ein anderer Punkt, der in Sachen Umweltschutz besonders stark ins Gewicht fällt, ist die Anfahrt. Auch hier möchten die Veranstalter der Schlosslichtspiele die Besucher für das Thema sensibilisieren. "Grundsätzlich empfehlen wir bei Veranstaltungen in der Innenstadt die Anreise mit dem ÖPNV oder Fahrrad", so Markus Wiersch. Auf dem Schlossplatz werden dafür extra Fahrradparkplätze bereitgestellt.

Parkplätze sollen für die sein, die sie dringend brauchen

Es gibt noch einen weiteren Grund, aus dem die Besucher – wenn möglich – auf das Auto verzichten sollten: Damit mobilitätseingeschränkte Personen, die auf die Anreise mit dem Auto angewiesen sind, ausreichende und nahgelegene Parkmöglichkeiten finden, so die Veranstalter.

Erstaunlich wenig Müll bleibt hier laut den Veranstaltern Abend für Abend zurück. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Zu guter Letzt wird das Programmheft unter die Lupe genommen. Auch das kann sich sehen lassen: "Die Hefte werden auf 100 Prozent Recyclingpapier gedruckt", sagt Markus Wiersch. Überwiegend werde das Programm online kommuniziert, auf gedruckte Hefte dennoch nicht komplett verzichtet.

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