Bild: Thomas Riedel
Die neue provisorische Tribüne kam zum ersten Mal zum Einsatz.
Die neue provisorische Tribüne kam zum ersten Mal zum Einsatz.
Bild: ka-news
Wer, wie, was KSC-Dach - um was wird aktuell debattiert? Die wichtigsten Fragen im Überblick!
Karlsruhe
24.04.2019 12:26
Nicht nur die provisorische Tribüne im Norden des Wildparkstadions, sondern auch die im Süden muss überdacht werden. Unter dieser Auflage erteilt die Deutsche Fußball Liga (DFL) dem Karlsruher SC die Lizenz für die 2. Bundesliga. Doch falls die Südkurve bis zum 1. September nicht überdacht wird, drohen dem Verein Sanktionen wie Geldstrafen oder Punktabzüge. Die Dächer werden also zum Politikum. Wir haben die wichtigstens Fragen im Überblick.

Um was geht es?

Der KSC erhält derzeit ein neues Stadion, umgebaut wird es von der Stadt Karlsruhe. Das erfolgt in mehreren Bauabschnitten. In Bauphase I wurde die Nordtribüne abgerissen und eine provisorische Tribüne errichtet. Um die Lizenz für die zweite Fußball-Bundesliga zu bekommen, muss diese Tribüne allerdings überdacht sein, ebenso das Provisorium in der Südkurve. 

Baustelle Südkurve Anfang April. Bild: Thomas Riedel

Im Februar hat der Karlsruher Gemeinderat darüber abgestimmt, 1,4 Millionen Euro für die beiden Tribünendächer locker zu machen. Die Stadträte haben sich allerdings nur für eines der beiden Dächer ausgesprochen und den Karlsruher SC damit beauftragt, eine Ausnahmegenehmigung an die DFL zu stellen.

Die hat der Verein in der Lizenzierungs auch gestellt, allerdings hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Lizenz für Liga Zwei nun nur unter der Auflage erteilt, dass bis zum Stichtag 1. September 2019 auch die Südkurve ein Dach haben muss. Andernfalls verstößt der KSC gegen die Lizenzierungsauflagen der kommenden Saison in der 2. Bundesliga. 

Wieso nur ein Dach?

Der Karlsruher Gemeinderat hatte in seiner Februar-Sitzung über den "Abruf der Mietoptionen Tribünendächer der provisorischen Tribünen Nord und Süd abgestimmt". Daher mussten die Stadträte auch in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit entscheiden. Die Politiker entschieden, nur das Dach für die Nordtribüne zu mieten, denn die steht wesentlich länger als das südliche Pendant.

Mehr dazu siehe "Warum hat man beide Dächer nicht schon mitgeplant"?

Was passiert, wenn Südtribüne nicht überdacht wird?

Laut DFL erhält der Verein wohl die Lizenz für die 2. Bundesliga, jedoch nur unter Auflagen. Diese besagt, nachdem der Antrag auf Ausnahme abgelehnt wurde, dass der KSC das zweite Dach über der Südkurve nachrüsten muss.

Andernfalls, so zumindest wenn es um die Liquidität geht, ist die Lizenzierung "grundsätzlich gewährleistet", so die DFL auf ihrer Homepage. "Der Club muss die Auflagen allerdings während der Saison einhalten, andernfalls kann er mit Sanktionen wie Geldstrafen oder Punktabzügen belegt werden", so die DFL weiter.

Was dem Karlsruher SC nun genau passieren kann ist noch nicht sicher. Eine entsprechende Anfrage von ka-news an die Deutsche Fußball Liga blieb bisher unbeantwortet. 

Welche Alternativen zu einer Tribüne ohne Dach gibt es?

Wie der KSC nun das Problem mit dem fehlenden Dach lösen möchte - ungewiss. Wie wäre es, für die Dauer der Bauarbeiten in ein anderes Stadion auszuweichen? Etwa Sandhausen?

Was kostet das Dach?

Die beiden Dächer, die von der Stadt Karlsruhe angemietet werden, kosten zusammen etwa 1,4 Millionen Euro. Pro Dach werden etwa 660.000 Euro fällig bei einer maximalen Mietdauer von 30 Monaten. So hat es die Stadt in ihrer Beschlussvorlage im Februar den Gemeinderäten vorgelegt - wenn das Dach bis zum 28. Februar beauftragt worden wären. Ob das knappe Zeitfenster den Preis erhöht, bleibt offen. 

Mittlerweile ist klar: Wenn die Stadt Karlsruhe das zweite Dach für die Südtribüne bauen muss, also für den Fall, dass der KSC die Ausnahmegenehmigung der DFL nicht bekommt, ist das mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Etwa 820.000 Euro würde die Einzelanfertigung dann kosten. In dem Preis wäre auch ein Beschleunigungszuschlag enthalten, damit das Dach rechtzeitig zum 1. September fertig wird. 

Wer zahlt eigentlich was?

Die weiteren Kosten von knapp 700.000 Euro könnten aus dem Stadionbudget der Stadt kommen. Schon die Gelder für das Dach der Nordtribüne kam aus den "Budgetreserven aus den Vorabmaßnahmen", heißt konkret: Weil das Abtragen der Erdwälle und die Kampfmittelsondierung günstiger war als geplant, gab es hier noch einen Puffer.

Vertraglich hat sich die Stadt verpflichtet, ein "lizenziertes Stadion entsprechend der Ligazugehörigkeit" zu errichten - dazu gehören eben auch die Dächer nach DFL-Richtlinien. Notwendig wurden die Hilfstribünen im Rahmen der Kampfmittelentsorgung: Die Stadionpläne wurden 2018 mit Zustimmung des Gemeinderats entsprechend angepasst.

Insgesamt beteiligt sich der KSC an den Stadionkosten von 82 Millionen Euro mit drei Millionen Euro, indem er auf Provisorien im Bereich Hospitality und Geschäftsstelle verzichtete. Refinanziert werden die Baukosten durch Pachtzahlungen des KSC im Zeitraum von 35 Jahren ab Stadionnutzung.



Was entgeht dem KSC an Einnahmen?

Bekanntermaßen erhält ein Verein, der in Liga 2 spielt, mehr Geld, etwa aus dem Topf für die Fernsehgelder. Laut der privaten Seite fernsehgelder.de könnte der KSC in der kommenden Zweitliga-Saison etwas mehr als 8 Millionen Euro allein an TV-Geldern einstreichen. Im Vergleich: In der aktuellen Saison hat der Verein in Liga 3 gerade mal 1,28 Millionen Euro erhalten.

Ob der Karlsruher SC im Falle einer Lizenzverweigerung - falls der Gemeinderat gegen ein zweites Dach stimmen sollte - die Stadt auf Schadenersatz verklagt, ist derzeit noch unbekannt. Allerdings war sich die Stadt schon in der Beschlussvorlage sicher, dass der KSC auf Schadenersatzforderungen pochen könne, "da Seitens der Stadt ein lizenziertes Stadion entsprechend der Ligazugehörigkeit vertraglich geschuldet wird". 

Nach dem Pressegespräch am Mittwochmittag ist klar: Der KSc wird erst die Entscheidung des Gemeinderates in Sachen Tribünendach abwarten, eine Klage auf Schadenersatz stehe derzeit nicht im Raum. 

Warum hat man beide Dächer nicht schon mitgeplant?

Die Dächer wurden optional mitgeplant und in den entsprechenden Ausschreibungen berücksichtigt - da sie nur benötigt werden, wenn der KSC in die zweite Liga aufsteigt. Verbleibt der KSC in Liga 3, wollte man auf die Dächer aus Kostengründen verzichten (da nicht vom DFB vorgeschrieben). Bei Vertragsschluss der Provisorien mit der Firma Nüssli hatte sich die Stadt vorbehalten, die ergänzende Beauftragung der Tribünendächer zum Wettbewerbspreis zu beauftragen.

Im Februar war es dann soweit: Ein Aufstieg des KSC in die zweite Liga zeichnete sich ab, die Dächer werden laut DFL-Richtlinien benötigt. Damit sie bis zum Start den 2. Bundesliga 2019/20 hergestellt werden könne, hätten beide Dächer bis zum 28. Februar bestellt werden müssen.

Die Stadtverwaltung wollte ursprünglich bereits im Februar beide Dächer mit Rücktrittsrecht für das Südtribünendach bestellen - dies lehnte der Gemeinderat mehrheitlich ab. Stattdessen entschied man sich für die Bestellung nur eines Daches (Nordtribüne) und setzte auf die Ausnahmegenehmigung für die Südtribüne - welche nicht erteilt wurde.

Die Stadt hat den KSC nun aufgefordert, Widerspruch gegen die Ablehnung der Ausnahmegenehmigung einzulegen. Der Verein hat dafür sieben Tage Zeit. Eine zweite Entscheidung kann der KSC dann ebenfalls anfechten - jedoch braucht die Stadt seitens DFL ein Feedback bis zum 9. Mai. Dann berät der EIBS und der Gemeinderat am 14. Mai, ob das zweite Dach gekauft werden soll. 

Wann werden die Dächer gebaut?

Ab Mai soll die Nordtribüne ein Dach erhalten. Aktuell wird an der Südkurve der Erdwall zurückgebaut als Grundlage für die provisorische Tribüne. Die soll ab etwa Ende August stehen - ob mit oder ohne Dach steht bis dato noch aus. 

Wie lange stehen die Dächer?

Die provisorische Nord-Tribüne steht seit März 2019 und soll etwa 22 Monate im Einsatz sein. Die Südkurve hat eine Standdauer von etwa 14 Monaten, also von September 2019 bis Ende 2020 - dann beginnt der Totalumbau des Wildparkstadions, der Stadionkörper wird gebaut. Die Dächer sind nur gemietet. Danach werden sie vom Unternehmen Nüssli wieder abgebaut. "Eine Drittverwendung ist nicht möglich, da die Tribünen Einzelanfertigungen sind. Wir haben aber eine Kaufoption, aber tendenziell bleibt es bei der Miete", erklärt Werner Merkel, Leites des städtischen Eigenbetriebs "Fußballstadion im Wildpark" (EIBS) gegenüber ka-news. 

ka-news-Hintergrund

Die Planungen zu einem neuen Fussballstadion in Karlsruhe gibt es seit 2000, wurde jedoch erstmals in den Jahren 2005 und 2006 konkret. Im Jahr 2014 liegen erste Bebauungspläne vor und im Oktober entscheidet sich der Gemeinderat für einen Neubau im Wildpark für etwas mehr als 88 Millionen Euro. 

Im Sommer 2015 werden dann die ersten planerischen Hürden genommen. Stadt und KSC einigen sich auf die Rahmenbedingungen der Refinanzierung. 

Im Juli 2016 stimmt der Karlsruher Gemeinderat für ein neues KSC-Stadion, wenige Monate später auch die Mitglieder des Karlsruher SC. Die Kosten für das Stadion liegen mittlerweile bei etwa 113 Millionen Euro.

2017 wird der EIBS gegründet, der Eigenbetrieb "Fußballstadion im Wildpark". im März 2017 ist klar: Baubeginn ist 2018. Im Juni dann beginnen die ersten Bauarbeiten für die Umstrukturierung. Doch die Suche nach einem Anbieter und die Vergabe geraten ins Stocken. Der Grund: Alle Angebote liegen über dem Kostenrahmen von 113 Millionen Euro. 

Die Kosten erhöhen sich auf 123 Millionen Euro. Der KSC erklärt sich dafür bereit, die Finanzierung des Parkhauses zu übernehmen, die Stadt stimmt den Mehrkosten zu. Auch der Ablaufplan ändert sich: Der Beginn des Vollumbaus ist auf November 2019 verlegt worden. Im Oktober 2018 werden dann auch die angepassten Verträge zwischen Stadt und KSC unterschrieben. Wenige Tage später, am 5. November, starten die Bauarbeiten im alten Wildpark. Ende November ist dann auch das größte Karlsruher Geheimnis gelüftet - das Aussehen des neuen Fußballstadions wird enthüllt. 

Mehr zur Historie des Neubaus im Wildparkstadion finden Sie im chronologischen Überblick auf ka-news. 
 
Mehr zum Thema:
KSC-Stadion: Aktuelle Nachrichten zum KSC-Stadion und dem geplanten Um- und Neubau im Wildpark. Alle Informationen zu Fläche, Miete und Größe und alle Neuigkeiten zum städtischen Eigenbetrieb und dem Vergabeverfahren.
Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
30 Kommentare