Blick auf die Bühne während des Rockfestivals 1977. Im Vordergrund eine dichte Menschenmenge.
Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A34/78/6/32
Blick von erhöhtem Standort auf die Menschenmenge im Stadion. In der Bildmitte die Bühne.
Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A48/36/6/72
Warum es heute keine Konzerte mehr im Wildpark gibt und wie (schön) es damals war
Karlsruhe
28.03.2018 06:45
Kreischende Mädels und röhrende Männer im Innenfeld des KSC-Stadions - in den Anfangszeiten des Wildparkstadions wurde in der neuen Arena nicht nur Fußball gespielt: Mit AC/DC, Guns 'n Roses oder Tina Turner gaben sich im vergangenen Jahrzehnt Weltstars die Ehre und verwandelten das Fußballstadion in eine Rock-Arena. Warum es heute keine Konzerte mehr gibt und wie (schön) es damals war...

Im zweiwöchigen Rhythmus schwingen tausende Fans des KSC die blau-weißen Fahnen im Karlsruher Wildparkstadion. Doch das Stadion stand, gerade in den Anfangsjahren, für mehr als Fußball: Den Höhepunkt bildeten die 1970er, 80er und 90er Jahre, als zahlreiche Weltstars der Rock- und Pop-Szene bei Open-Air-Konzerten im Wildparkstadion spielten.

Im Jahr 1977 lockte das "Karlsruhe Rock Festival" mit Bands wie Chicago, Thin Lizzy oder Santana eine breite Publikumsmasse in den Wildpark. Mit dabei waren auch die Einzelkünstler Rory Gallagher und Udo Lindenberg, der heute zu Deutschlands bekanntesten Rockmusikern zählt. Im Vorverkauf kostete die Karte damals 25, an der Abendkasse 30 Deutsche Mark.

Die alten Plakate und Flyer zum Festival 1977 im Wildpark gibt es unter thinlizzyguide.com Bild: Screenshot thinlizzyguide.com

Legendäres Festival "Monsters of Rock"

Im Jahre 1984 war Karlsruhe der Hot-Spot der Rock- und Metalszene: Das legendäre Open-Air Festival "Monsters of Rock" gastierte zum ersten (und auch letzten) Mal im Wildparkstadion. Das Festival war eines der bedeutendsten Rock- und Metal-Festivalreihen der 1980er und frühen 90er, das zunächst nur in England stattfand und sich aufgrund seines großen Erfolgs schnell auch in andere Länder ausweitete.

Arbeiter beim Aufbau der riesigen Konzertbühne im Wildpark. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A48/29/3/03

45.000 Besucher erlebten vor über 30 Jahren - am 1. September 1984 - das Open-Air Festival "Monsters of Rock" im Wildpark. Das damalige Line-up bot ein "Who is Who" der Rockmusik. Mit dabei waren unter anderem: Ronnie James Dio, Ozzy Osbourne, Gary Moore, Van Halen und AC/DC. Die Karte kostete damals im Vorverkauf 40 und an der Tageskasse 48 Deutsche Mark oder 20 US-Dollar. Und so sah das damals dann aus:

 

Leider kam es am Rande der Veranstaltung zu Ausschreitungen, so heißt es, weshalb beschlossen wurde, das Festival in der Fächerstadt nicht zu wiederholen. Es sollten aber nicht die letzten Rockstars sein, die im Wildparkstadion einen Tour-Stopp einlegten.

Tina Turner, Dire Straits und Guns 'n Roses

Rockröhre Tina Turner war zwischen 1987 und 1996 gleich dreimal im Wildpark zu Gast. Ihren ersten Auftritt im Wildpark hatte Turner, die 1939 als Anna Mae Bullock in Tennessee geboren wurde, am 21. Juni 1987, am 24. Mai 1990 und am 28. Juli 1996.

Im Sommer 1992 machte die britische Rockband Dire Straits im Rahmen ihrer letzten Welttournee in Karlsruhe Station. Am 9. Juli spielte die Band um Frontmann Mark Knopfler aus ihrem Album "On Every Street". Die US-Rockband Guns 'n Roses gastierte am 22. Juni 1993 im Rahmen ihrer Welttournee im ausverkauften Wildparkstadion und drei Jahre später - am 23. Juni 1996 -  erfreute Bryan Adams mit seinem Konzert im Wildparkstadion vermutlich nicht nur die Damenwelt.

Warum heute keine Groß-Konzerte mehr stattfinden

Mittlerweile liegt das letzte große Open-Air im Wildpark bald 15 Jahre zurück. Herbert Grönemeyer spielte am 16. Mai 2003 im Rahmen seiner Deutschland-Tournee aus seinem damaligen Album "Mensch". Inzwischen eignet sich das Stadion im Hardtwald nicht mehr für Groß-Konzerte: Die im Jahr 2007 eingebaute Rasenheizung würde der Publikumsbelastung im Innenraum nicht standhalten.

Ein so mit Zuschauern gefüllter Innenraum wie 1983 ist heutzutage nicht mehr möglich. Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A46/12/5/25

Das und Brandschutzauflagen machen das Stadion aktuell unattraktiv für Konzertveranstalter - weiterhin gibt es alternative Veranstaltungsorte in Karlsruhe wie die Schwarzwaldhalle oder die Messe Karlsruhe. Und auch im neuen Stadion wird es nur Fußball zu sehen geben.

Im Juli 2014 beschloss der Gemeinderat im Einvernehmen mit dem KSC den Umbau des Wildparkstadions Karlsruhe in ein reines Fußballstadion. Musik- und Konzertveranstaltungen werden im neuen Stadion nicht zulässig sein. Lediglich im Businessbereich sind Veranstaltungen außerhalb des Fußballbetriebs vorgesehen - beispielsweise Kongresse und Tagungen. Allerdings werden diese ausschließlich in geschlossenen Räumen und nicht auf der Rasenfläche stattfinden, so ist es der Ausschreibung zu entnehmen.

Themenreihe Wildparkstadion auf ka-news

Nach jahrelangen Diskussionen steht seit 2016 fest, dass Karlsruhe für 113 Millionen Euro ein neues Fußballstadion erhält. Gebaut wird im laufenden Spielbetrieb, Bauherrin ist die Stadt Karlsruhe mit einem kommunalen Eigenbetrieb. Der Baubeginn war ursprünglich für Frühjahr 2018 angesetzt, inzwischen liegt das Datum bei Mitte 2018 - die Bauzeit soll 24 bis 30 Monate betragen. Aktuell steht eine Entscheidung über den Baukonzern aus - sie soll bis zum Ende des Jahres fallen.

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