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Bild: Eich/Archiv/ps
Umbau KSC-Stadion: Haupttribüne ja oder nein - Stimmen der Stadträte
Karlsruhe
09.01.2018 14:46
Die Angebote für den Vollumbau des KSC-Stadion sind zu teuer. Jetzt müssen Kosten reduziert werden. Bleibt die Haupttribüne erhalten? Und was passiert mit den Wällen? ka-news hat die Karlsruher Gemeinderäte zu ihren Positionen befragt. Die ausführlichen Antworten gibt es hier.

Im Dezember 2017 informierte die Stadt in einer Pressemeldung: Die Bieterangebote für den Bau des neuen Fußballstadions übersteigen den vorgegebenen Kostenrahmen von insgesamt 113,7 Millionen Euro und müssen erneut geprüft werden. Jetzt müssen Stadt und KSC im Verfahren Kosten reduzieren. Das sind die ausführlichen Aussagen der Karlsruher Stadträte zum Thema teure Bauangebote und Möglichkeiten der Kosteneinsparungen:

CDU-Fraktion

Detlef Hofmann, stellvertretender Vorsitzender: "Dass das Budget nicht ausreicht, war uns schon länger bekannt. Uns wurden von Seiten der Stadt und des KSC Möglichkeiten der Einsparungen aufgezeigt. Wir sind sehr optimistisch, dass wir den Umbau des Stadions im gesetzten Zeitrahmen und -raum umsetzen können. Uns wurde plausibel dargestellt, dass im Zusammenhang mit Entsorgung der Wälle durchaus enorme Kosten gespart werden können.

Vom Vorschlag, die Haupttribüne zu belassen, halten wir überhaupt nichts. Diese Option wurde bereits im Vorfeld mehrfach geprüft und verworfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Beibehaltung der Haupttribüne Kosten sparen würde - zumal sie auch nicht den aktuellen Anforderungen entspricht."

SPD-Fraktion

"Für uns als Fraktion ist es zwingend erforderlich, dass der mit dem Gemeinderatsbeschluss vom 19. Juli 2016 definierte und bewilligte Finanzrahmen von insgesamt zirka 113,7 Millionen Euro für den Stadionneubau, einschließlich der erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen, eingehalten wird. Der vorgenannte Beschluss beinhaltet bekanntlich einen Kostenrahmen von 74,5 Millionen Euro für den Stadionkörper - dies unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des KSC, hinsichtlich der Möglichkeit einer vollumfänglichen Refinanzierung für die Stadt Karlsruhe durch Pachteinnahmen, und der im Verfahren zusammen mit dem Verein detailliert ausgearbeiteten Funktionsbeschreibung.

Nach dem Verständnis unserer Fraktion obliegt es dem KSC, als zukünftigen Nutzer, den genannten Kostenrahmen einzuhalten gegebenenfalls auch durch Abstriche von Funktionen des geplanten Stadionneubaus die für die Wirtschaftlichkeit des Vereins nicht zwingend erforderlich sind. Neben dem Verzicht oder Reduzierung von Funktionen (zum Beispiel Stadionkapazität), ist es ebenso vorstellbar, dass der Kostenrahmen durch den Erhalt bereits vorhandener Strukturen (zum Beispiel der Haupttribüne, der Stadionwälle) erreicht wird.

Zur Wahrung der Interessen aller am Verfahren Beteiligter ist es gleichermaßen erforderlich, den oben genannten finanziellen Rahmen verbindlich einzuhalten als auch dem KSC, als zukünftigen Pächter, einen wirtschaftlich Stadionbetrieb zu ermöglichen - die Realisierung des Vorhabens ist nur unter Einhaltung und Wahrung der beiden vorgenannten Voraussetzungen in Verantwortlichkeit für die Stadt und den Verein möglich und für und als Fraktion umsetzbar."

Grüne-Fraktion

Johannes Honné, Fraktionsvorsitzender der Grünen: "Der KSC hat jetzt die Wahl zwischen zwei Übeln. Wenn er den Kürzungen beim Bau zustimmt, kann er das Stadion nicht wie beabsichtigt vermarkten. Das wiederum wird fast zwangsläufig zu Schwierigkeiten bei der Pachtzahlung führen. Oder er bekommt gar nichts, weil der Neubau platzt."

Die Grünen sehen weiterhin ein hohes Risiko, dass die Stadt am Ende auf den Kosten für den Neubau sitzen bleibt. Die Grünen betrachten es wie bisher als die bessere Lösung, die funktionsfähige Haupttribüne zu erhalten und lediglich die anderen Teile des Stadions zu erneuern. "Das würde viel Druck aus dem Kessel nehmen. Wir sehen ja jetzt, dass es äußerst schwierig zu sein scheint, den geplanten Kostenrahmen einzuhalten", so Ekkehard Hodapp.

Die bisher begonnenen Maßnahmen dienen der Verbesserung von Sicherheit und Infrastruktur im Stadionumfeld. Diese hatten sie im Gemeinderat mitgetragen. Ihnen ist wichtig, dass die hierfür vorgesehenen Mittel nicht für den Bau des eigentlichen Stadionkörpers verwendet werden.

Kult-Fraktion

"Kult setzt grundsätzlich voraus, dass die Kostenobergrenze für den Stadionbau in Höhe von 76,8 Millionen, der so genannte Vergabevorbehalt, eingehalten wird. Die Einsparmöglichkeiten kann Kult mangels genauer Kostenaufstellungen derzeit nicht abschließend beurteilen. Aber erstens hat sich der KSC vertraglich verpflichtet, zum Erreichen des Vergabevorbehalts mitzuwirken. Und zweitens drängt sich aus unserer Sicht ein Vorschlag auf: Der KSC finanziert das VIP-Parkhaus neben dem Stadion selbst (Kosten etwa zehn Millionen) und refinanziert es über die Parkgebühren.

Kult hielt die Finanzierung des Gesamtprojekts schon 2016 für zu riskant und für schöngerechnet. Wir stimmten daher damals mehrheitlich gegen diesen Um- beziehungsweise Neubau; auch wegen der zusätzlichen Infrastrukturkosten in Höhe von 28,6 Millionen, die komplett am Steuerzahler hängen bleiben. Noch mehr Steuergeld ohne Refinanzierung durch Pacht darf auf keinen Fall in das Projekt fließen - Stichwort 'Entsorgung der Stadionwälle'.

Die Karlsruher Liste, heute Teil von Kult, hatte schon 2013 im Gemeinderat vorgeschlagen, zuerst die Gegentribüne und am Ende die Haupttribüne abzureißen sowie abschnittsweise in Saisonpausen zu bauen. Teil unseres Vorschlags waren kostengünstige Fertigteile und eine Fan-Tribüne, die 'steil und laut' ist. Der Ersatz der Haupttribüne kann deutlich später als der Rest des Stadionprojektes erfolgen. Eventuell ließe sich die Qualität und das Angebot der Haupttribüne durch Umbau verbessern.

Dann müsste man die Haupttribüne erst mal gar nicht ersetzen. Das alles spart nicht nur Kosten, sondern lässt den KSC während der gesamten Bauzeit Geld mit Logen und VIP-Plätzen verdienen! KULT weist den KSC bei aller Liebe zum Fußball auch auf seine sportlichen und damit wirtschaftlichen Grenzen hin: Der KSC ist kein Champions-League-Verein. Und die erste Liga ist weder in Sicht noch eine Daueroption."

FDP-Fraktion

Thomas H. Hock, stellvertretender Fraktiosnvorsitzender: "Es ist möglich, diese Kosten wieder einzufangen. In Freiburg hat das auch funktioniert. Hier lagen die Planungen mehrere Millionen Euro über den Ausschreibungen - zusammen mit dem Vereint hat man Optimierungen vorgenommen und so die Kosten wieder eingefangen. Das muss auch in Karlsruhe möglich sein. Man muss auch ganz klar sagen: Dann gibt es vielleicht Ansprüche, die man nicht erfüllen kann."

Das Stadion müsse zwar erstligatauglich sein, aber Bayern München-Ansprüche werde man nicht erfüllen können. "Wie soll die Erhaltung der Haupttribüne funktionieren? Hierzu müssten alle bestehenden Planungen geändert werden. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Dazu müsste die bestehende Ausschreibung aufgehoben werden. Das funktioniert meines Erachtens nicht." Die Folgen wären Schadenserstatzansprüche und eine neue Ausschreibung. Denkbar wäre, die Haupttribüne mit der Gegentribüne zu tauschen - so ließen sich Einsparungen erzielen.

Die Linke

"Die größte Einsparung für die Bürger/innen sehen wir darin, dass das neue Wildparkstadion im wesentlichen vom Profifußball finanziert wird. Der Erhalt der Haupttribüne ist durchaus sinnvoll."

AfD

"Unserer Meinung nach ist der Vorschlag, die Haupttribüne zu belassen und zu modernisieren und den Rest des Neubaus darum herum zu bauen, noch nicht ausreichend geprüft. Mit dem neuen Konzept wäre dies jetzt prinzipiell möglich und sollte daher überprüft werden. Wenn es sich als möglich und sinnvoll erweist, könnte man auf diese Weise einiges sparen, denn so könnte der Abtrag der Haupttribüne und des darunterliegenden Erdwalls vermieden werden.

Zudem sollte die Stadtverwaltung prüfen, in welchen Bereichen sie nun, nach den Erfahrungen mit dem U-Strab-Tunnelbau mit allem Drum und Dran, genug Kompetenz hat, um einzelne Arbeitspakete der Bauvorbereitung selbst zu organisieren. Das könnte, wenn man es richtig macht, auch einige Kosten sparen. Herr Nenninger bringt viel Erfahrung mit, damit wird Einiges möglich.

In einer aktuellen Gemeinderats-Anfrage bitten wir die Stadtverwaltung, die Kosten für die Entsorgung der abzutragenden Gebäudeteile mit allem, was dazugehört, bereits jetzt abzuschätzen. Wir hoffen, dass auf diese Weise frühzeitig günstige Entsorgungswege gefunden und weitere Überraschungen bei den noch entstehenden Kosten vermieden werden können. Unter dem Strich wird dies auch zu Einsparungen führen.

Was aus unserer Sicht jedoch unbedingt vermieden werden muss, ist, dass Risiken und Kosten vom KSC auf die Bürger unserer Stadt verlagert werden, denn das wären ja keine Einsparung, sondern eine Verschleierung der Kosten. Wenn derartige Kostenverlagerungen nicht vermeidbar sind - und davon ist auszugehen - müssen die Bürger unserer Stadt gefragt werden, ob sie wirklich mehrheitlich dafür sind, Steuergelder für den Bau des neuen KSC-Stadions aufzuwenden. Wir als AfD sind für direkte Demokratie, und bei diesem Thema halten wir eine Abstimmung unter den Bürgern dieser Stadt für unbedingt erforderlich."

Freie Wähler / Einzelstadtrat Jürgen Wenzel

Lars Dragmanli und Jürgen Wenzel: "Wir Freien Wähler stehen hinter dem KSC und einem notwendigen neuen Stadion, erst recht wenn die sportliche Entwicklung der letzten Jahre für das bemühte Team schmerzhaft war. Der KSC ist nach wie vor ein nicht zu unterschätzender Werbeträger für unsere Stadt. Wir Freien Wähler fordern die Stadt auf, im Interesse des KSC Realitätssinn zu adoptieren und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Der KSC braucht aus rechtlichen Gründen eine neue Spielstätte, die trotz des Kostendiktats des beschlossenen Standorts, im Wildpark entstehen muss"

Weiter heißt es: "Für die Freien Wähler war das Kostenergebnis der Ausschreibung zu erwarten, da ein Komplex in solchem Umfang unter kostenintensiver Zerstörung einer erhaltenswerten (Haupt-)Tribüne und in dieser Lage inmitten der Stadt mit allen damit zusammenhängenden baulogistischen Erschwernissen und Sicherheitsbedenken der Polizei wegen der Waldnähe, leider eine ökonomisch-funktionale Fehlentscheidung ist.

Im Gegensatz zu einer von den Freien Wählern vorgeschlagenen Verortung eines neuen Stadions 'Im Brühl' nördlich von Durlach muss im Wildpark für enorme Summen der kontaminierte Wall unter den Tribünen abgetragen und ökologisch unbedenklich entsorgt, die voll funktionsfähige Tribüne nicht integriert sondern teuer zerstört, die Erschließung und Parkierung unter Opferung wertvollen städtischen Grund und Bodens für noch nicht greifbare weitere Millionenbeträge hergestellt werden."

Vorschlag der Freien Wähler: "Die einzige gangbare bauliche Lösung ist die Erhaltung der heutigen Haupttribüne als künftige Gegentribüne mit einer Einsparung von zirka 25 Millionen Euro wäre. Die weiteren Tribünen sollten sich in einer leichten Bauweise entwickeln, die nicht den Abtrag der gesamten kontaminierten Wälle sondern nur einen Abschnitt unter Teilen der neuen Haupttribüne vorsieht.

Das Beispiel Stuttgart mit kostengünstiger textiler Überdachung wurde bereits unter Oberbürgermeister Gerhard Seiler im Karlsruher Hochbauamt für die Gegentribüne untersucht und aus Gründen der fehlenden Haushaltsmittel nicht weiter verfolgt. Eine solche architektonisch angepasste Überdachung würde eine beträchtliche Bauzeitverkürzung bedeuten."

Parteilos: Einzelstadtrat Stefan Schmitt

"Wenn schon vor dem Spatenstich klar ist, dass der ursprüngliche Kostenrahmen bei weitem nicht eingehalten werden kann, ist es unabdingbar, dass dieses Projekt noch einmal im Gemeinderat auf die Tagesordnung kommt und neu abgestimmt wird. Zudem verpflichtet uns der zu erwartende deutliche Kostenanstieg, auch noch einmal über kostengünstigere Alternativen als einen Neubau nachzudenken.

Deshalb begrüße ich den Vorschlag der Freien Wähler, den Erhalt der modernen Haupttribüne wohlwollend zu prüfen und diese statt abzureissen, in einen Teilneubau zu integrieren. Hierzu ist ein Grobkonzept zu erstellen, das mit Kosten zu bewerten ist. Über Neubau oder Teilneubau ist dann im Gemeinderat abzustimmen."

GfK

"GfK wundert sich schon, wie schnell manche Gruppierungen und Parteien Sparvorschläge veröffentlichen, obwohl die Verhandlungen mit den Anbietern noch gar nicht zu Ende sind. In dem Grundsatzbeschluss zum Neubau Wildparkstadion wurden der Kostendeckel für den Stadionkörper festgelegt. Dass dieser nicht gleich nach der Ausschreibung eingehalten wird, ist bei der derzeitigen Hochphase im Baugewerbe nicht verwunderlich. Jetzt geht es darum, dass Stadt und KSC mit den Anbietern zäh verhandeln, um den Kostenrahmen zu halten und Optimierungsmöglichkeiten, die echte Ersparnisse mit bringen, gefunden werden.

Vorschläge, jetzt das Bauvorhaben zu ändern, wie die Haupttribüne zu erhalten, machen überhaupt keinen Sinn, da dann von ganz vorne geplant werden muss und die Ertragssituation für den KSC schlechter werden würde. Unsere Aufforderung an den KSC ist, sich jetzt flexibel zu zeigen und auf Maximalstandards an das Stadion zu verzichten. GfK ist zuversichtlich, dass das Projekt Wildparkstadion jetzt gelingen wird."


Baustelle KSC-Amateurstadion


Das GfK-Statement lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels nicht vor und wurde am Mittwoch, 10. Januar, gegen 12 Uhr, nachträglich in den Artikel eingefügt.

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