Wird das KSC-Stadion doch teurer als gedacht?
Wird das KSC-Stadion doch teurer als gedacht?
Bild: Archiv/Stadt Karlsruhe
Teurer als gedacht: Neues KSC-Stadion soll 113 Millionen Euro kosten
Karlsruhe
15.07.2016 16:55
Ein Streit, der Karlsruhe schon lange beschäftigt: Bekommt der Karlsruher SC ein neues Stadion? In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause soll der Karlsruher Gemeinderat das Thema endlich in trockene Tücher bringen. Hierfür wurde ein konkreter Plan ausgearbeitet, wie das das neue Stadion aussehen soll. Probleme könnte es aber bei der Kostenfrage geben.

"Es ist eine unbefriedigende Situation im Wildpark", geht es nach Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup, dann soll im Streit über ein neues Fußballstadion für Karlsruhe am Dienstag endlich "der Sack auf städtischer Seite zugemacht werden". Das Projekt, so das Karlsruher Stadtoberhaupt, soll nach jahrelanger Arbeit und noch längerer Diskussion von der Vorbereitungs- in die Realisierungsphase übergehen.

Bereits im Herbst 2017 sollen die Arbeiten beginnen - das zumindest schlägt die Stadtverwaltung in einer aktuellen Beschlussvorlage vor. Gebaut wird dabei abschnittsweise, damit der KSC auch während der Arbeiten in seinem Stadion Spiele stattfinden lassen kann. Bis zur Spielzeit 2019/20 könnte dann das neue Stadion für den KSC bereits fertiggestellt sein. Und wie soll die neue Heimat des KSC konkret aussehen?

"Die Fanblöcke werden gedreht"

Der aktuelle Plan sieht vor, dass das neue Stadion Platz für insgesamt 35.000 Zuschauer bieten soll. Insgesamt soll es 22.500 Sitz- und 12.500 Stehplätze geben - alle Plätze sollen dabei überdacht sein. Angeordnet sind die Plätze nach aktueller Planung gemäß des Stadionhandbuchs des DFL/DFB in Sektoren unterteilt, wobei es in jedem Sektor Verpflegungsangebote und sanitäre Einrichtungen geben soll.

(Quelle: Stadt Karlsruhe)

Zur Verpflegung der Tribünengäste wurde nach Aussage der Stadt von den Verantwortlichen des KSC ein Kioskkonzept erarbeitet. Die Idee: In 22 Kiosken sollen die Zuschauer an über 100 Kassen mit Snacks, Essen und Getränken versorgt werden.

Im neuen Stadion müssten sich die KSC-Fans aber auch auf Veränderungen einstellen: "Die Fanblöcke werden gedreht", erklärt Mentrup. Künftig sollen die Gästefans in der Nordkurve stehen. Der Stehplatzbereich hinter dem südöstlichen Tor ist als Fanbereich für die Fans des Karlsruher SC vorgesehen. Zudem soll es zwischen dem geplanten Gästefanbereich und dem dazugehörenden Parkplatz einen Verbindungsgang geben. Ob es sich dabei um einen Tunnel oder um eine Brücke handeln wird, steht derzeit noch nicht fest.

Stadt will in Sachen Sicherheit nachbessern

Von dieser Maßnahme erhofft sich die Stadt, die Wege der KSC-Fans und den Gästen "kreuzungsfrei gestalten zu können". Überhaupt nimmt das Thema Sicherheit bei der Planung des neuen Wildparkstadions eine wichtige Position ein. Sowohl vonseiten der Polizei als auch des Innenministeriums des Landes Baden-Württemberg wurden Forderungen nach einer Verbesserung in Sachen Sicherheit laut. "Auf Dauer sind die Verhältnisse nicht mehr tragbar", stimmt Mentrup zu.

Neben der Trennung der Fans durch den Verbindungsgang zwischen dem Gästefanbereich und dem Parkplatz plant die Stadt in Abstimmung mit der Polizei eine neue Gästeaufstellfläche für das neue Stadion. "Auf diesem eingezäunten Parkplatzareal können bis zu 40 Busse der Gästefans parken", erklärt die Stadt in ihrer Beschlussvorlage.

Zusätzlich sieht der Plan der Stadt aber auch vor, eine eigene Polizeiwache mit Gefangenensammelstelle für die Einsatzkräfte der Polizei zu ermöglichen. "Eine Sicherheitszentrale für die Polizei, den Ordnungsdienst, Sanitätsdienste, Feuerwehr und Veranstaltungsleitung wird als sogenannte Leitzentrale geplant", so die Stadt weiter.

Kosten für Infrastruktur verdoppeln sich

Ob diese und weitere Pläne aber auch so in die Tat umgesetzt werden, ist noch lange nicht entschieden. Vor allem das Thema Kosten könnte zum Problem werden. 2014 ging man noch davon aus, dass der Neubau des Stadions inklusive Abbruch und Infrastruktur über 88 Millionen Euro kosten würde. Nach aktualisierten Berechnungen wird dieses Geld allerdings nicht ausreichen. Allein für das neue Stadion, den Abbruch, das Bauen unter Betrieb und das Parkhaus muss bereits mit Kosten in Höhe von rund 85 Millionen Euro gerechnet werden.

Die Erklärung der Stadt für den Kostenanstieg: "Die Kostenermittlung von 2014 ging von geringen Flächen aus." Auch im Bereich der Technik hätten sich die Anforderungen konkretisiert und die Ansätze hätten entsprechend erhöht werden müssen. Doch das ist nicht die einzige Kostensteigerung: Wie OB Mentrup am Dienstag erklärt, haben sich die Kosten für die Infrastruktur verdoppelt. Statt der ursprünglich angenommenen 14 Millionen Euro, wird die Infrastruktur für das neue Wildparkstadion nach aktuellen Berechnungen 28 Millionen Euro kosten.

Gesamtkosten der Maßnahme rund 113,7 Millionen Euro

Damit belaufen sich die Gesamtkosten der Maßnahme auf rund 113,7 Millionen Euro. Das Land bezuschusst das Projekt mit elf Millionen Euro. Der KSC soll durch Pachtzahlungen in den kommenden Jahren den Neubau mit 74,3 Millionen Euro refinanzieren. Der Karlsruher Gemeinderat soll bei seiner Sitzung am Dienstag mit seiner Zustimmung zu den Plänen weitere 28 Millionen Euro bereit stellen.

Obgleich erst selbst von den Plänen für das neue KSC-Stadion überzeugt ist, fürchtet Mentrup, dass das Thema Finanzierung zum Problem werden könnte. Es gebe vonseiten mancher Stadträte Sorgen um das wirtschaftliche Risiko, das die Stadt mit dem Neubau des Stadions auf sich nehme. "Die Begeisterung hat seit dem Beschluss nachgelassen."

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