So sieht der aktuelle Masterplan aus.
So sieht der aktuelle Masterplan aus.
Bild: Folie: Stadt Karlsruhe
Neues KSC-Stadion: Nach 33 Jahren abbezahlt?
Karlsruhe
24.02.2015 18:08
Der Hauptausschuss des Karlsruher Gemeinderats hat in seiner Sitzung am Dienstagnachmittag im Rahmen des geplanten Neubaus des KSC-Stadions mit Mehrheit einen "Letter of Intent" befürwortet. In der Absichtserklärung zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Karlsruher SC werden die wirtschaftlichen Rahmendaten - unter anderem die Höhe der jährlichen Pachtzahlung - festgelegt. Demnach könnte für das neue KSC-Stadion mit Gesamtkosten von fast 90 Millionen Euro nach 33 Jahren ein betriebswirtschaftlich ausgeglichenes Ergebnis vorliegen.

Kürzlich wurden Details aus denPachtverhandlungen zwischen dem Karlsruher SC und der Stadt bekannt. In der ersten Liga zahlt der Verein 3,5 Millionen Euro Festpacht pro Saison. Im ursprünglichen Modell waren drei Millionen angedacht. Dafür wurde die sogenannte Instandhaltungspauschale reduziert. Darauf verständigten sich Vertreter der Stadt und des Vereins kurz vor Weihnachten letzten Jahres. 

Der Hauptausschuss des Karlsruher Gemeinderats hat nun in seiner Sitzung am Dienstagnachmittag auf Basis des am 22. Dezember 2014 mit dem Karlsruher SC abgestimmten Pachtmodells den Abschluss eines "Letter of Intent" zur "Absicherung des Pachtmodells sowie den weiteren Verhandlungen mit dem KSC" befürwortet. So soll der Verein innerhalb von 33 Jahren das aus der Stadtkasse bezahlte Stadion refinanzieren. Das Stadion bleibt dabei aber Eigentum der Stadt.

Hier die wirtschaftliche Rahmendaten des "Letter of Intent":

  • 120.000 Euro netto Grundpacht für Geschäftsstelle pro Jahr (unabhängig von Ligazugehörigkeit des KSC). Die Grundpacht erhöht sich jährlich um 1 Prozent  des Vorjahresbetrages.
  • Grundpacht abhängig von der Ligazugehörigkeit des KSC:
    • 1. Bundesliga: 3,5 Mio. Euro (netto) / Pachtjahr (291.666,67 Euro netto/Monat)
    • 2. Bundesliga: 1,5 Mio. Euro (netto) / Pachtjahr ( 125.000 Euro  netto/Monat)
    • 3. Liga: 400.000 Euro (netto) / Pachtjahr (33.333,33 Euro netto/Monat)
    • Regionalliga: 400.000 Euro (netto) / Pachtjahr (33.333,33 Euro netto/Monat)
    • Mit Beginn des 3. Pachtjahres erhöht sich die jeweils gültige Grundpacht alle zwei Jahre um 5 Prozent des Vorjahresbetrages bzw. -bei Ligawechsel- des dann gültigen Betrages für die aktuelle Ligazugehörigkeit.
  • Bei jedem Aufstieg des KSC in die 1. Bundesliga wird eine Pachtsonderzahlung in Höhe von  500.000  Euro netto fällig.
  • Instandhaltungspauschale:
    • 1. Pachtjahr 240.000 Euro netto
    • 2. bis 5. Pachtjahr jährliche Erhöhung um 1 Prozent des Vorjahresbetrages
    • Ab dem 6. Pachtjahr 850.000 Euro netto (1. oder 2. Bundesliga)
    • mit Beginn des 7. Pachtjahres bis Pachtende jährliche Erhöhung um 1 Prozent des Vorjahresbetrages.
  • Bei mehr als 18.500 Zuschauern je Pflichtspiel der Profimannschaft des KSC im Durchschnitt pro Spielsaison erhält die Stadt Karlsruhe 20 Prozent der Netto-Ticketumsätze aller Pflichtspiele der Profimannschaft des KSC von dem Zuschaueranteil über 18.500 Zuschauern.
  • Namensrecht bleibt bei der Stadt. Wertansatz: 800.000 Euro jährlich (ansteigend ab dem 2. Jahr mit 1 Prozent jährlich).

Der Landeszuschuss in Höhe von 11 Millionen Euro wird über die Dauer von 20 Jahren jährlich mit 550.000 Euro ergebniswirksam aufgelöst und steht somit auf der Ertragsseite.

In einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wurden laut Stadtverwaltung alle Kosten- und Erlösfaktoren im Betrachtungszeitraum von 33 Jahren gegenübergestellt. Dabei wurde, um die Inflation mit abbilden zu können, bei den Kosten von einer jährlichen Teuerungsrate von 1 Prozent ausgegangen, so die Stadtverwaltung.

"Das kumulierte kaufmännische Ergebnis beträgt im Jahr 33 in dieser Wirtschaftlichkeitsbetrachtung -51.025 Euro, es kann also von einem betriebswirtschaftlich nahezu ausgeglichenen Ergebnis gesprochen werden", heißt es dazu in der Beschlussvorlage.

Diese Rechnung gehe dann auf, wenn der KSC innerhalb von zehn Jahren sieben Jahre in der 2. Liga, zwei Jahre in der 1. Liga und ein Jahr in der 3. Liga spiele, erklärte Oberbürgermeister Frank Mentrup in der Sitzung. Der Rechnung lägen die vergangenen zehn Jahre der KSC-Geschichte zugrunde. Würde der KSC beispielsweise die gesamte Zeit in der 1. Liga spielen, wäre die schwarze Null nach 17 Jahren erreicht.

Der "Letter oft Intent" gilt als Grundlage für die weiteren Vertragsverhandlungen zwischen Stadt und Verein und muss jetzt noch von beiden Vertragsparteien unterschrieben werden.

ka-news-Hintergrund: Die Karlsruher Stadträte machten im Oktober 2014 den Weg für einen Neubau Stadion im Wildpark. Dieses soll 88,8 Millionen Euro kosten und Platz für etwa 35.000 Zuschauer bieten. Das Land will das Bauprojekt mit elf Millionen Euro bezuschussen. Der städtische Haushalt wird daher mit 77,8 Millionen Euro belastet.

Die Karlsruher Stadträte hatten bereits im Oktober 2013 mit großer Mehrheit für den Standort Wildparkgestimmt. Ein Bürgerentscheid über einen KSC-Neubau wurde damals in einer Kampfabstimmung abgelehnt. Wenn sich Stadt und KSC einig sind, wäre im Sommer 2017 der Baubeginn im Wildpark möglich. Die Bauzeit wird aktuell mit 24 bis 30 Monaten kalkuliert.

Den ganzen "Letter of Intent" finden Sie hier! (Link führt zu PDF auf Webseite der Stadt)

Hier geht's zur Beschlussvorlage! (Link führt zu PDF auf Webseite der Stadt)

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