Fortschritte im Wildpark: Luftaufnahme von Juli 2017 und von April 2018.
Fortschritte im Wildpark: Luftaufnahme von Juli 2017 (unten) und von April 2018 (oben).
Bild: Peter Eich
Neue Planung für KSC-Stadion: Warum es teurer wird und über was der Gemeinderat heute noch entscheidet
Karlsruhe
24.04.2018 06:05
Das neue Fußballstadion für den Karlsruher SC im Wildpark wird rund 123 anstelle von 114 Millionen Euro kosten. Wer welche Kosten trägt, warum sich was im Bauablauf ändert und wieso nicht einfach neu ausgeschrieben wird - wir haben die wichtigsten Fragen zur heutigen Entscheidung im Überblick.

Neuer Baubeginn für den Vollumbau (den Stadionkörper) ist inzwischen November 2019. Kein Bauträger konnte die Erdwälle kostengünstig in das neue Stadionkonzept einbeziehen: Jetzt übernimmt die Stadt Karlsruhe die Entsorgung der Altlasten in einer Vorabmaßnahme (geplanter Start im Oktober 2018) vor dem eigentlichen Baubeginn.

Warum wird es teurer?

Ausgeschrieben wurde der Vollumbau des Fußballstadions im Wildpark: Ob die Wälle rückgebaut werden oder ob ein neues Stadion die Wälle in das Planungskonzept integriert, blieb den Bietern freigestellt. Im Dezember 2017 wurde bekannt: Die vom Gemeinderat vorgeschriebenen Kosten (85,3 Millionen Euro für Stadionkörper und Parkhaus) können nicht gehalten werden. Ein wesentlicher Kostenpunkt waren die Wälle - hier ist zum Teil noch Kriegsschutt verbaut, schadstoffhaltiges Material, welches gesichtet und entsorgt werden muss.

Probebohrungen 2014: Die Erdwälle unter den Tribünen werden untersucht. Bild: Stadt Karlsruhe

In der bisherigen Kalkulation sind für die Kampfmittelentsorgung und Räumung des Baugrunds eine Million Euro angesetzt. Nach aktuellen Erkenntnissen liegen die Kosten für die Entsorgung bei 12 Millionen Euro: Der Anteil der Kampfmittelentsorgung beträgt hiervon zirka neun Millionen Euro. Hinzu kommen drei Millionen Euro zur Sicherstellung des Spielbetriebs mit Hilfstribünen während der Maßnahmen zur Kampfmittelentsorgung.

Wer zahlt was?

Der KSC übernimmt die Kosten von drei Millionen Euro für die Hilfstribünen - indem das Budget für den Stadionkörper von 85,3 auf 82,3 Millionen Euro reduziert wurde: Der KSC verzichtet auf einige Punkte der Funktionalen Leistungsbeschreibung (FLB), welche beide Parteien zu Beginn des Projekts vereinbart hatten. Mehr dazu im Abschnitt "Worauf verzichtet der KSC?". Der KSC beteiligt sich zudem, indem er die Kosten für das Parkhaus selbst trägt (2016 waren diese mit 10 bis 12 Millionen Euro angesetzt).



Die Stadt Karlsruhe übernimmt die neun Millionen Euro für die Kampfmittelentsorgung als Vorabmaßnahme - und tangiert damit nicht den vom Gemeinderat vorgegebenen Vergabekorridor für den Stadionkörper. Damit erhöhen sich die Kosten für des Gesamtprojekt von 113,9 auf 122,95 Millionen Euro.

Wieso können die Kosten nicht an anderer Stelle eingespart werden?

Unterm Strich stehen bei den Kosten für das neue Stadion jetzt zwar neun Millionen Euro mehr - aber dennoch haben sich die Verantwortlichen im Vorfeld der neuen Planung durch die Funktionale Leistungsbeschreibung (FLB) gearbeitet und Kürzungen angesetzt. Der KSC will weiteren Kürzungen bei den Anforderungen an das neue Stadion zustimmen, wenn die neuen Bieterangebote vorliegen.

Dies soll am 18. Mai der Fall sein - in den darauf folgenden zwei Monaten werden die Angebote nachbearbeitet und verhandelt. Am 17. Juli soll - erneut im Gemeinderat - zunächst eine Entscheidung über die Vergabe der Vorabmaßnahme (Erdwälle) fallen, am 18. September soll dann auch der Vollumbau des Stadions an einen Bauträger vergeben werden.

Ingo Wellenreuther und Frank Mentrup beim Pressegespräch zur neuen Planung des KSC-Stadions am vergangenen Freitag. Bild: ka-news

Zudem haben die Verantwortlichen in den vergangenen Monaten mehrere Optionen geprüft - darunter auch die Verlagerung des Spielbetriebs sowie den Erhalt oder die Drehung der Haupttribüne. Details zu den Untersuchungen im nächsten Abschnitt.

Welche anderen Optionen zur Kostensenkung wurden geprüft (mit welchem Ergebnis)?

  • Erhalt der Wälle im aktuellen Zustand (bautechnischer Mehraufwand, der aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertreten werden kann, unkalkulierbare Mehrkosten für die Stadt durch Tiefgründungen im Bereich der Wälle sowie unverhältnismäßig hohe Kosten durch Stahlbeton-Konstrukt zur Ableitung der Lasten des Stadionkörpers in den Baugrund)
  • Auslagerung des Spielbetriebs (benachbarte Stadienbetreiber sahen keine Möglichkeit einer vorübergehenden Doppelnutzung und ein Standort für ein Behelfsstadion für 15.000 Zuschauer konnte ebenfalls nicht gefunden werden)
  • Drehung der Haupttribüne während Bauzeit, um Kosten für Provisorien zu reduzieren (Variante wurde aufgrund von technischen und den späteren Betrieb betreffende Faktoren verworfen)
  • Erhalt der Haupttribüne (aus wirtschaftlichen Gründen verworfen: Um die Tribüne mit dem technischen Stand von 1988 funktionstüchtig zu erhalten, rechnen die Verantwortlichen mit einem Finanzierungsbedarf in Höhe von zirka 13 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren. Hinzu kommen erhebliche funktionale Defizite, welche in der aktuellen Architektur nicht durchgesetzt werden könnten. Konkret sind dies: aus Vermarktungssicht nicht angemessene Hospitality-Bereiche, ungenügende Standards der Trainings- und Mannschaftsbereiche, unbefriedigende Verpflegungssituation, unzureichende Räumlichkeiten für Leitstelle der Polizei und der Rettungsdienste, Niveausprung im durchgehenden Stadionumlauf)

Wieso zahlt die Stadt die zusätzlichen Kosten von 9 Millionen Euro?

Die Übernahme der Vorabmaßnahme Kampfmittelentsorgung reduziert das Kostenrisiko: Die Freimachung des Baugrunds sind verpflichtende Aufgaben des Bauherrn. Der Beschluss zur Erhöhung der Kosten auf um neun auf 123 Millionen Euro steht unter dem Vorbehalt eines weiteren Beschlusses des Gemeinderats im Juli - wenn konkrete Zahlen und Details sowohl zur Vorabmaßnahme als auch zum Hauptprojekt Umbau vorliegen.

Oberbürgermeister Frank Mentrup am 20. April zur Entscheidung der Stadt:

Worauf verzichtet der KSC?

Um die Kosten um rund drei Millionen Euro zu optimieren, hat der KSC folgenden Punkten zugestimmt:

  • erhebliche Teile der Provisorien für Hospitality und Geschäftsstelle entfallen während der Umbauphase
  • Der KSC wird die Kosten für Hospitality-Parkhaus budgetwirksam tragen und es bei öffentlichen Veranstaltungen entgeltlich zur Verfügung stellen. Möglichkeiten, dass der KSC den Bau des Parkhauses selbst vergeben kann ("Bauen auf fremden Grund") werden derzeit geprüft
  • Reduzierung der Zuschaueranzahl von 35.000 auf 34.000 Zuschauer

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther am 20. April zur Entscheidung des KSC:

Was wird noch entschieden?

  • Verlängerung Refinanzierungszeitraum des KSC für das neue Stadion von 33 auf 35 Jahre - als Ausgleich für die Übernahme der Kosten für den Neubau des Parkhauses. Daraus ergibt sich eine Pachtreduktion in der Ersten und Zweiten Liga um 200.000 beziehungsweise 100.000 Euro. Der Gesamtfinanzierungsbeitrag ändert sich nicht
  • Geänderte Baureihenfolge: Die Vorabmaßnahmen haben Auswirkungen auf den Bauablauf. Ursprünglich war vorgesehen, die Tribünen nach und nach abzureißen und neu zubauen. Mit dem Vorhaben, bereits im Vorfeld die Erdwälle abzutragen, ist diese Variante nun nicht mehr möglich. Stattdessen wird die Tribünenanlage rings um die Haupttribüne abgerissen, das Erdmaterial abgetragen, neben dem Stadion gesichtet und umgelagert. Das verunreinigte Material wird abtransportiert, die saubere Erde wieder verbaut. Einsatz von Ersatztribünen für Zeit des Umbaus mit einer Zuschauerkapazität von 15.400 Zuschauern
  • Neue Ausschreibung für Vorabmaßnahme (Kampfmittelbeseitigung)
  • Änderungen im Vertragswerk vom 17. November 2016: Das aktualisierte Vertragswerk muss spätestens bis zur Zuschlagserteiltung für die Vorabmaßnahme unterzeichnet und gegebenenfalls notariell beurkundet sein
  • Finanzieller Zuschuss: Auswirkungen auf Beihilferecht beziehungsweise Notifizierungsverfahren: Für die beihilferechtliche Beurteilung kommt es nicht auf die Gesamtsumme, sondern auf den wirtschaftlich zu nutzenden Stadionkörper im engeren Sinne an. Ein Verfahren über Freistellung des Gesamtvorhabens (gemäß Art. 55 AGVO) wird eingeleitet. Dies war zuvor nicht möglich, da sich erst nach dem Gemeinderatsbeschluss 2016 die rechtlichen Vorgaben geändert haben
  • Neuer Zeitplan: Sofern das neue Konzept heute vom Gemeinderat abgesegnet wird, sieht die Zeitschiene vor, dass im Oktober 2018 der Vollumbau an ein Unternehmen vergeben werden soll. Im November 2018 soll dann der Abbruch der Wälle erfolgen. Bis März 2019 soll zunächst die nördliche Ersatz-Tribüne entstehen, bis August 2019 dann die südliche Tribüne. Im November 2019 könnte dann die rund zweijährige Bauzeit für das neue Stadion beginnen. Wenn alles nach Plan läuft, rollt der Ball also Ende 2021 erstmals im neuen Wildpark

Warum wird die Ausschreibung nicht einfach gestoppt?

Eine Alternative zur aktuellen Vorgehensweise wäre, das Vergabeverfahren zu beenden und aus den vertraglichen Bindungen mit dem KSC auszusteigen. Dann wäre ein Neustart des Projekts notwendig - mit dann "grundlegend veränderten Rahmenbedingungen", so heißt es in der Beschlussvorlage.

Und weiter. "Zu diesem Zeitpunkt besteht allerdings keine Vorstellung darüber, wie dies aussehen könnte. Zu rechnen wäre hierfür mit einem erheblichen Zeitverlust, da unter signifikanten Ressourcen- und Personaleinsatz noch einmal erneut Grundlagenarbeit beziehungsweise Grundlagenabstimmung zu tätigen wäre." Das heißt: Entscheidungen wie Neubau oder Umbau oder die Standortfrage würden erneut diskutiert werden...


Pressegespräch zum Stadionneubau


Die Gemeinderatssitzung startet heute um 15.30 Uhr im Rathaus am Marktplatz. Die Sitzung ist öffentlich und kann auf der Zuschauertribüne mitverfolgt werden. ka-news ist wie immer vor Ort und wird im Artikl "Stadion-Entscheidung: Live-Ticker aus dem Gemeinderat" zeitnah von der Entscheidung berichten.

Mehr zum Thema:
KSC-Stadion: Aktuelle Nachrichten zum KSC-Stadion und dem geplanten Um- und Neubau im Wildpark. Alle Informationen zu Fläche, Miete und Größe und alle Neuigkeiten zum städtischen Eigenbetrieb und dem Vergabeverfahren.
Es ist nicht mehr möglich, Kommentare zu diesem Artikel zu verfassen.
12 Kommentare