KSC-Präsident Ingo Wellenreuther
KSC-Präsident Ingo Wellenreuther
Bild: marvinguengoer.de
KSC-Präsident Wellenreuther: "Wenn ihr Fußball wollt, baut ein Stadion"
Karlsruhe
04.10.2013 11:25
Nach der erfolgreichen Bundestagswahl will sich Ingo Wellenreuther (CDU) am 12. Oktober bei der KSC-Mitgliederversammlung auch als Vereinspräsident bestätigen lassen. Wellenreuther erklärt im zweiten Teil des ka-news-Interviews, warum er sich ein neues Stadion an der Autobahn wünscht, ein Umbau des Wildparkstadions das Ende für den Verein bedeuten könnte und eine zweite Rheinbrücke für die Stadt noch wichtiger ist.

Am 12. Oktober wollen Sie sich bei der KSC-Mitgliederversammlung als Präsident bestätigen lassen. Ein Thema, das eine mögliche künftige Amtszeit sicher begleitet, ist die KSC-Stadion-Debatte.

Für den KSC ist das wirklich eine existenzielle Frage. Wir sind seit Jahren schon in einer schwierigen Situation, da unser Stadion unstrittig nicht konkurrenzfähig ist. Wir brauchen ein Stadion, mit dem man Geld verdienen und Umsätze machen kann. Nur so können wir die Mannschaft und den ganzen Verein finanzieren. Vor allen Sachfragen muss daher die Frage stehen, ob in der Stadtverwaltung, im Rathaus und in der Stadt selbst gewollt wird, dass in Karlsruhe Profifußball auf Dauer angeboten werden kann. Das ist die entscheidende Frage.

Ich erkenne an, dass es natürlich wichtigere Sachen gibt in einer Stadt wie beispielsweise Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen - das ist unbestritten, das haben wir auch nie in Frage gestellt. Aber der KSC ist nicht in der Lage ein Stadion zu bauen. Wir sagen nur: wenn ihr keinen Fußball wollt, dann baut kein Stadion, wenn ihr Fußball wollt, dann ist ein neues Stadion notwendige Voraussetzung.

Der Karlsruher Gemeinderat favorisiert den Standort Wildpark. Sie haben sich immer für einen Stadionneubau an der Autobahn ausgesprochen. Unter welchen Bedingungen akzeptiert der KSC ein umgebautes Wildparkstadion an bestehendem Standort?

Mittlerweile setzt sich ja die Meinung durch, dass wenn das Stadion im Wildpark bleiben sollte, ein neues Stadion gebaut werden muss. An das alte Stadion etwas anstückeln, sanieren oder anbauen, das ist keine gute Lösung.

Der KSC ist für alle Standorte offen, wenn es eine gute Lösung gibt. Aus verschiedenen Gründen glauben wir aber, dass ein Stadion an der Autobahn von der Vermarktung, von der Sicherheit, von der Erreichbarkeit und von der Parkplatzsituation die viel bessere Lösung ist. Wenn der Karlsruher Gemeinderat das nicht will, dann nehmen wir das zur Kenntnis und bedauern es. Wir machen trotzdem mit, wenn es der Wildpark sein soll. Aber wir weisen auf ein paar ganz entscheidende Dinge hin.

Welche Dinge sind das?

Der KSC muss - falls im Wildpark neu gebaut werden soll - die Bauphase finanziell überleben können. Wenn das Stadion neu gebaut wird, dann haben wir in den zwei bis drei Jahren Bauphase Verluste in Millionenhöhe. Und wenn man weiß, wie knapp wir jedes Jahr die Lizenz erreichen, mit welcher Höchstanstrengung, dann weiß man, dass uns das das Genick brechen würde. Der entstehende Verlust müsste ausgeglichen und die Lizenz gesichert werden. Das ist zwingend erforderlich, sonst ist das Stadion fertig, aber der KSC kaputt. Das will niemand. Wir müssen deshalb darauf hinweisen, weil wir unsere Zahlen kennen.

Wir wirtschaften hart und sparsam, aber unsere Verluste kommen nicht aus dem Profibereich. Wir haben eine Jugendabteilung, die hat drei Sterne, das ist die höchste Kategorie, die der deutsche Fußball vergibt. Dennoch: die Jugendabteilung und auch die Amateurabteilung bringen naturgemäß kein Geld, sondern kosten nur. Das heißt, der KSC könnte seine Profiabteilung ohne Verluste führen, wenn wir keine Jugendabteilung hätten. Aber das will ja niemand, weil das unsere Zukunft ist. Wir investieren damit in unsere Zukunft.

Was halten Sie von den Wildpark-Plänen?

Die bisher vorgestellten Pläne zeigen, dass falls im Wildpark neu gebaut würde, von den fünf vorhanden Sportplätzen zwei wegfallen würden. Dort sollen Parkplätze entstehen. Wenn das so umgesetzt werden soll und wir bekämen dafür keinen adäquaten Ersatz, ist unser Nachwuchsleitungszentrum zerstört. Wir haben zehn Jugendmannschaften, eine Amateurmannschaft und eine Profimannschaft. Auf dem Gelände trainieren unter der Woche 200 Jugendspieler. Da sind jetzt eigentlich fünf Plätze schon zu wenig. Wir bräuchten eigentlich sieben oder acht zusammenliegende Plätze. Wenn wir jetzt nur noch drei Plätze hätten, bricht alles zusammen. Außerdem muss ein geordneter Trainingsbetrieb möglich bleiben und die Qualität des Leistungszentrums darf nicht leiden. Wir brauchen eine Lösung, die auch das zukünftige Trainingszentrum berücksichtigt. Da gab es bisher noch keine Vorschläge.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sicherheitsfrage. Wir wollen, dass die Bedenken, die wir haben und die auch die Polizei bereits geäußert hat, ernst genommen werden. Natürlich kann man mit einem Neubau die Situation am Wildpark verbessern, man wird hier aber nie eine gute Lösung erreichen. Ein Hauptgrund ist, dass es drumherum immer einen dunklen Wald geben wird, der abends nicht beleuchtet ist und nicht beleuchtet werden kann. Hier liegt ein riesiges Gefahrenpotential. Zudem müssen die gegnerischen Fans mit einem hohem Polizeieinsatz vom Hauptbahnhof bis zum Wildpark begleitet werden. Das wäre mit einem Stadion an der Autobahn alles viel besser lösbar.

Ein weiterer Punkt ist die Parkplatzsituation. Es sind bei einem Stadion mit rund 35.000 Plätze ungefähr 5.500 Stellplätze notwendig. Auf dem Birkenparkplatz soll nach den vorliegenden Plänen ein Parkhaus entstehen mit drei Ebene und jeweils 800 Stellplätzen - das sind aber rund 3.000 Stellplätze zu wenig. Nötig ist ein konkretes Verkehrs- und Parkplatzkonzept, das bisher noch nicht ausreichend vorliegt.

Außerdem geht es noch um die Vermarktungsfrage: Wir haben konkret ein Unternehmen, das uns zugesagt hat, bei einem Stadion an der Autobahn für die Vermarktung des Stadionnamens jährlich viel Geld zu bezahlen.

Wie heißt das Unternehmen?

Das Unternehmen hat um Vertraulichkeit gebeten, im Rathaus ist der Name aber bekannt. Es geht um einen siebenstelligen Betrag pro Jahr. Aber nur, wenn das Stadion an die Autobahn gebaut wird. Für ein Stadion im Wildpark stünde dieses Unternehmen nicht zur Verfügung. Es gibt zwar Leute, die sagen, die Einnahmen stünden der Stadt und nicht dem Verein als Mieter zu. Das ist aber eine rechtliche Frage. Denn natürlich schraubt keiner einen Namen aufs Stadiondach, wenn der KSC nicht darin spielt. Wenn solche Einnahmen nicht dem KSC zufließen würden, dann können wir die Miete nicht zahlen, die dem ein oder anderen vorschwebt. Das hängt alles miteinander zusammen. Darüber werden wir reden.

Ein weiterer Gesichtspunkt kommt hinzu: Ein renommiertes Gutachterbüro hat uns vorgerechnet, dass ein neues Stadion an einem neuen Standort an der Autobahn im Vergleich zu einem identischen Stadion im Wildpark Mehreinnahmen von ein bis zwei Millionen pro Jahr ausmacht. Also, über alle diese Punkte zusammengenommen, nämlich Einnahmeverluste, Vermarktung, Jugendarbeit, Sicherheit und Parkplätze werden wir uns mit dem Oberbürgermeister am 9. Oktober austauschen und brauchen dafür eine gute Lösung.

Wo ist also mit dem KSC ein Neubau zu realisieren?

Wir sagen ganz deutlich: Für den KSC ist alles besser, als es jetzt ist. Wir machen alles mit. Wir unterschreiben auch einen Mietvertrag im Wildpark, wenn es vom Gemeinderat so gewollt wird und die angesprochenen Probleme gut gelöst werden können.

Kann sich der KSC finanziell an einem Stadionbau beteiligen?

Wer sich vorstellt, dass wir einfach in die Schatulle greifen können, der hat keine Ahnung. Der KSC hat keine geheimen Kassen, wo er mal eben ein paar Millionen rausholen kann. Es geht darum, dass wir seit Jahren alles dafür tun, den Verein finanziell über Wasser zu halten, um jedes Jahr aufs Neue die Lizenz zu bekommen. Wir können uns über die Mietzahlungen beteiligen und die können natürlich höher ausfallen, wenn wir auch höhere Einnahmen haben.

Ein weiteres Bauprojekt, für das Sie sich als CDU-Bundestagsabgeordneter immer wieder einsetzen, ist der Bau einer zweiten Rheinbrücke. Das baden-württembergischen Verkehrsministerium forciert derzeit die Idee einer Ersatzbrücke. Wäre das auch okay für Sie?

Nein, das ist keine Option. Was da gerade passiert, halte ich für hochgradig fahrlässig. Seit Jahren schon wird von den Gegnern daran gearbeitet, diese zweite Rheinbrücke zu verhindern. Der Bund plant und finanziert das Bauprojekt und Rheinland-Pfalz will die Brücke unbedingt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat sie kürzlich als das wichtigste Verkehrsprojekt in Deutschland bezeichnet. Wir haben bereits laufende Planfeststellungsverfahren und Ende diese Jahres könnte ein Planfeststellungsbeschluss vorliegen. Ich halte diese totale Verhinderungspolitik für absolut falsch. Nach dem Motto: wir machen alles, damit wir beides verhindern.

Städte die keine gute Verkehrsanbindungen und Verkehrskonzepte haben, gehen irgendwann den Bach runter, weil sie irgendwann wirtschaftlich nicht mehr nachgefragt sind. An der Erreichbarkeit hängt auch unser Wohlstand. Wir müssen überlegen, was für uns das Beste ist: Wir haben ein Projekt, das der Bund plant und bezahlt. Ich hoffe, dass auch im Verkehrsministerium in Baden-Württemberg die Erkenntnis reift, dass man nicht immer alles verhindern muss. Eines muss allen klar sein: Eine Ersatzbrücke beendet das aktuelle Planfeststellungsverfahren. Wer jetzt eine andere Brücke fordert, der macht das laufende Verfahren kaputt. Die zwangsläufige Folge ist eine jahrelange Verzögerung. Wir brauchen aber bald eine zusätzliche zweite Brücke.

Oberbürgermeister Frank Mentrup kündigte beim Erörterungstermin im Juli an: Die Stadt werde "alles Erdenkliche tun, um diese Pläne zu verhindern". Was sagen Sie dazu?

Ob der Oberbürgermeister bei dieser Äußerung gut beraten war, das weiß ich nicht. Ich halte es nicht für gut, wenn bereits vor Ende dieses Verfahrens angekündigt wird, das dagegen prozessiert wird. Ich halte das nicht für zielführend. Die jetzt konkret vorliegende Planung mit dem Anschluss der zweiten Rheinbrücke an die Südtangente ist ja schon die Notlösung gewesen, weil es in Karlsruhe lange Widerstand gegenüber einer Anbindung an die B36 gab - aus Angst es käme damit irgendwann die sogenannte Nordtangente. Ich sage Nordumfahrung dazu. Aber es muss beides kommen. Es muss jetzt das Verfahren fortgeführt werden, so wie es eben ist – also mit der Zuführung zur Südtangente.

Da diese jetzt schon überlastet ist, ist das keine Dauerlösung, sondern muss so schnell wie möglich optimiert werden. Dazu gehört ein weiteres Verfahren mit der Anbindung an die B36, das sofort angefangen werden sollte. Dann tritt nämlich auch die Doppelfunktion der Entlastungswirkung ein. Im Übrigen bin auch ich dagegen, dass der Hardtwald oberirdisch durchschnitten wird. Das Bundesverkehrsministerium prüft deshalb immer noch eine Tunnellösung. In jedem Fall war und bin ich immer für eine umwelt- und menschenverträgliche Lösung und eine gute Verkehrsinfrastruktur für unsere Stadt.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten. Was sollte sofort gebaut werden: ein neues KSC-Stadion oder eine zweite Rheinbrücke?

Ich hätte gerne beides, ganz klar. Aber eine gute Verkehrsanbindung ist für eine Stadt überlebenswichtig, ein Fußballstadion nicht. Ich bin KSCler - natürlich hätte ich unwahrscheinlich gerne ein neues Stadion für die Bürger unserer Stadt und der Region sowie die Fans des KSC. Ein Stadion zu bauen, ist aber keine Pflichtaufgabe der Stadt, das ist eine freiwillige Leistung. Da ist eine Verkehrsanbindung, die die Wirtschaft am Laufen hält, Unternehmen anlockt oder zum Hierbleiben bewegt, die Arbeitsplätze erhält und schafft, objektiv wichtiger. Aber zu einer attraktiven Stadt gehört eben mittlerweile auch Profifußball - der die Wirtschaftskraft steigert. Das Gute ist: Die zweite Rheinbrücke muss ich mir nicht von der Stadt wünschen, denn der Bund hat klar gesagt, dass er sie bauen und bezahlen wird.

Das Gespräch führte Moritz Damm

Nachdem Ingo Wellenreuther im Dezember 2012 eine schmerzliche Niederlage bei der Karlsruhe Oberbürgermeisterwahl einstecken musste, konnte der er zehn Monate später bei der Bundestagswahl sein Direktmandat verteidigen. Imersten Teil des ka-news-Interviews spricht Wellenreuther über die Belastungen im Wahlkampf-Marathon und warum er sich die Grünen schon einmal als Koalitionspartner vorstellen konnte.
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