Spatenstich im Wildparkstadion
Gemeinsamer Spatenstich im Wildparkstadion.
Bild: Tim Carmele
Spatenstich im Wildparkstadion
KSC-Präsident Ingo Wellenreuther und Oberbürgermeister Frank Mentrup.
Bild: Tim Carmele
Größe, Kosten, Bauzeit, Spielbetrieb: Alles, was Sie jetzt zum neuen Stadion wissen müssen
Karlsruhe
08.11.2018 19:36
Was kostet das neue Fußballstadion für den Karlsruher SC, wie wird es aussehen, wann fertig sein und wie läuft das währenddessen eigentlich mit dem Spielbetrieb? Zum Baubeginn des neuen Fußballstadions im Wildpark hat ka-news die Antworten auf die elf wichtigsten Fragen zum Großprojekt zusammengetragen.

Warum ein neues Stadion?

Das Wildparkstadion hat mittlerweile 63 Jahre lang treuen Dienst als Fußball- und Veranstaltungsarena geleistet. Doch das Stadion entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen des Fußballverbands. Das heißt: Schon jetzt war ein Fußballbetrieb zum Teil nur mit Ausnahmegenehmigungen oder Investitionen in die Infrastruktur möglich.

Mittelfristig wäre es mit dem Stadion nicht mehr möglich gewesen, eine Lizenz für ein Fußballbetrieb zu bekommen - das heißt, der KSC hätte dann keine Spiele mehr im Wildpark absolvieren können. Der Abschied vom Wildparkstadion, dem einstigen "Sport-Juwel", erfolgte am 3. November mit einer großen Show.

 

Warum hat es so lange gedauert?

Eben diese Probleme mit den Lizenzen sind nicht neu. 2002 gab es die ersten Pläne für ein vollständig überdachtes Wildpark-Stadion - damals noch mit einer Integration der Haupttribüne. Doch die Jahre zogen ins Land, mögliche Investoren kamen und gingen, verschiedene Standorte wurden geprüft.

2006 wurde es dann konkret, doch im folgenden Jahr zieht sich der KSC aufgrund von finanziellen Forderungen in Millionenhöhe aus der Stadionplanung zurück. Damals kam die Idee auf, dass die Stadt das Stadion in Eigenregie baut. Es kam aber zu keiner Einigung mit dem KSC über die künftige Miete. Im Jahr 2009 versandete die Diskussion ohne Entscheidung. Erst 2015 nahm die Debatte neue Fahrt auf - mit dem aktuellen Ergebnis. Das neue Stadion kommt, die Stadt finanziert den Bau vor und der KSC zahlt die Baukosten über 35 Jahre mit der Pacht zurück.

Wieso wird das neue Stadion im Wildpark - und nicht woanders - gebaut?

2005 und 2006 untersuchte die Stadt Karlsruhe insgesamt sieben mögliche Standorte für das Wildparkstadion: "Rosenhof", "Mess­platz", "Gleis­bau­hof", "Hub", "Seehof", "Rüppur­rer Wiesen" sowie "Neue Messe".

Nach Ende der Untersuchung blieben nur die Untere Hub und das Gleisdreieck/Durlacher Allee übrig. Am Ende stimmte der Gemeinderat dann aber für einen Neubau im Wildpark, da dies als beste Alternative angesehen wurde. Eine Sanierung wurde aus Kosten/Nutzen-Gründen nicht weiter verfolgt.

Wie sieht das neue Stadion aus?

Das ist offiziell noch nicht bekannt. Es gibt aber natürlich schon Pläne, mit welchen sich Unternehmen aus ganz Europa auf die Ausschreibung um den Stadionbau bewerben können. Diese Pläne dürfen aber noch nicht veröffentlicht werden. Das schreiben Richtlinien vor, die den Ablauf eines solchen Ausschreibungs-Verfahrens reglementieren sollen.

Würden Pläne oder Namen von beteiligten Unternehmen gar vorzeitig bekannt, könnte das ganze Verfahren gefährdet werden. Erst am 22. November sollen die Entwürfe im Rahmen eines Bürgerforums im "Südwerk" in der Südstadt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. ka-news wird vor Ort sein und berichten.

Der Spatenstich am 5. November symbolisierte den Baubeginn der vorbereitenden Maßnahmen - das heißt, Baumaßnahmen, die nicht den neuen Stadionkörper selbst betreffen. Die Stadt bereitet das Baufeld zur Übergabe vor - mehr dazu weiter unten im Text.


Spatenstich zum neuen Wildparkstadion

Spatenstich im Wildparkstadion Spatenstich im Wildparkstadion Spatenstich im Wildparkstadion Spatenstich im Wildparkstadion

Was bisher zu den Plänen bekannt ist: Oberbürgermeister Frank Mentrup hat bereits erwähnt, dass die Erdwälle nicht vollständig verschwinden werden, sondern auch später, wenn auch an anderer Stelle, Teil des Stadions sein werden. Es sei kein Betonbunker geplant. Fest steht auch, dass es keine Multifunktions-Arena wird.

Die Laufbahn ums Spielfeld verschwindet endgültig. Auch Konzerte seien im neuen Stadion nicht möglich. Vielmehr wird es ein reines Fußballstadion. Nur die Haupttribüne kann anderweitig genutzt werden: Dort wird es Veranstaltungsräume geben, die von jedermann zu mieten sein können.

Wie ist der Bauablauf - wann wird was gemacht?

Der Abriss läuft seit dem 5. November. Am Tag zuvor konnten Fans die alten Sitzschalen als Souvenir abschrauben, 24 Stunden später hat ein Bagger bereits mit dem Abtragen der Ränge begonnen. Nach Abschluss dieser Arbeiten, geht der Abriss mit den Rängen E1 bis E4 weiter. Das wird voraussichtlich, je nach Fortschritt der Arbeiten, im Frühjahr - also möglicherweise noch in der laufenden Saison - geschehen. Im Anschluss daran kommt die Gegengerade dran.

13 Monate soll der Abriss dauern. Schlussendlich wird nur noch die Haupttribüne stehen. An den Stellen der abgerissenen Tribünen werden Ersatztribünen gebaut. In der Zeit bis Dezember 2019 soll der Bauunternehmer die Details, auch die Baufolge, für den Neubau des Stadions festlegen. Im Zuge des Neubaus wird dann auch die Haupttribüne weichen.

Wie groß wird das neue Stadion?

Die Ausschreibung sieht eine Kapazität von rund 34.000 Besuchern vor - in den Anfangsplanungen waren 35.000 Zuschauer vorgesehen. Diese Pläne mussten aus Budgetgründen angepasst werden. Sämtliche Plätze im neuen Stadionrund sollen überdacht sein. Die Heim- und die Gästefans werden übrigens ihre Plätze im Stadion tauschen - so soll eine Fantrennung leichter möglich sein. Rund zwei Drittel sollen Sitzplätze werden, ein Drittel sollen Stehplätze werden.

 

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Es sollen bis zu 3.000 Parkplätze im direkten Stadionumfeld entstehen. In der Nähe der Haupttribüne sind 1.000 Plätze für den Hospitality-Bereich angedacht. Auf dem Birkenparkplatz sollen 800 bis 1.600 Autos Platz finden. Für mobilitätseingeschränkte Besucher werden bis zu 120 Stellplätzen eingeplant. Hinzu kommen KSC-interne Stell- und Presseplätze, an der Zahl 270. Ein Parkleitsystem soll Autofahrer zudem zu naheliegenden Parkhäusern und Tiefgaragen leiten. In einer neuen Radabstellanlagen sollen 3.000 Fahrräder Platz finden.

Was kostet das neue Stadion?

Die Zahlen variierten in den vergangenen Jahren stark. 2002 wurde beispielsweise von Kosten für einen Umbau von 38 Millionen Euro gesprochen - eine Summe, die letztlich zu realisieren war. Die Stadtverwaltung entscheidet sich nun wohl für ein Neubau-Angebot eines Bieters, der das Stadion selbst (inklusive Abbruch der Haupttribüne) nach aktuellem Angebot für rund 76,6 Millionen Euro errichten will.

Spatenstich im Wildparkstadion
Bild: Tim Carmele

Hinzu kommen 28,6 Millionen Euro für die Infrastruktur im direkten Stadionumfeld (Gästeaufstellfläche, Querungsbauwerk von dieser Fläche ins Stadion, Wege, Freiflächen, Zaunanlagen). In der Summe enthalten sind auch Infrastrukturarbeiten im weiteren Umfeld des Stadions - also die Anpassung der Parkleitsysteme, Optimierung der Verkehrswege und Sicherheitseinrichtungen.

Zwölf Millionen Euro sollen die "Vorabmaßnahmen" kosten - also der Abriss der Hintertortribünen und der Gegengerade und das Abtragen der Wälle, sowie der Aufbau von Ersatztribünen. Weitere rund acht Millionen Euro werden für das Parkhaus am Stadion veranschlagt. Der vom Gemeinderat beschlossene Kostenrahmen von rund 123 Millionen Euro soll nicht überschritten werden. Das Parkhaus wird hier nicht eingerechnet, da es direkt vom Verein gezahlt wird.


Rundgang durchs Wildparkstadion

Rundgang durch das Wildparkstadion Rundgang durch das Wildparkstadion Rundgang durch das Wildparkstadion Rundgang durch das Wildparkstadion

Wer zahlt den Neubau?

Die Bauherrin, die Stadt Karlsruhe als Eigentümerin des Geländes, will das finanzielle Risiko beim Bau weitestgehend minimieren. Daher wurden die mit Kriegsschutt aufgefüllten Stadionwälle aus der Ausschreibung entnommen. Die Baufirma hätte durch die unkalkulierbare Belastung der Erde sonst größere Summen verlangen können. Um der Baufirma nun ein freies Feld zu überlassen, führt die Stadt den Abriss auf eigene Kosten durch.

Spatenstich im Wildparkstadion
Bild: Tim Carmele

Selbst finanziert die Stadt auch die Infrastruktur rund um Stadion - also die Parkleitsysteme, optimierte Verkehrswege zum Stadion und Sicherheitssysteme. Der KSC finanziert das VIP-Parkhaus am Stadion. Der Stadionneubau wird von der Stadt vorfinanziert und später über Pachtzahlungen über den Verein abgerechnet. Elf Millionen Euro der Kosten der Stadt bekommt die Stadt aus Landesmitteln zurück.

Wo spielt der KSC während des Umbaus?

Der Neubau des Stadions findet im laufenden Betrieb statt. Trotz Abriss der Tribünen sollen immer mindestens 15.000 Fans Platz im Stadion finden. Das ist auch eine Auflage, die der KSC für den Profifußball-Betrieb erfüllen muss. Mit dem Abriss hängen aber natürlich auch Umzüge für die Fans zusammen.



Was ist mit den Dauerkarten für die Blöcke, die abgerissen werden?

Wer aktuell eine Dauerkarte für die nun konkret von den Arbeiten betroffenen Stehplatzblöcke A1 oder A4 hat, wird künftig im Block E4 Platz finden. Die Dauerkarten erhalten automatisch Zutritt zu dem Block. Möglich ist auch ein Upgrade auf einen anderen Platz.

Spatenstich im Wildparkstadion
Bild: Tim Carmele

Inhaber von Dauerkarten im Block A3 müssen sich mit dem Fanshop über den "persönlichen Platzwunsch" aussprechen. Für die anderen Dauerkarten-Inhaber gibt es noch keine Regelungen - auch weil noch nicht ganz absehbar ist, wann die Tribünen genau abgerissen werden. Die alten Bauwerke werden natürlich so lange genutzt, wie es irgendwie möglich ist.

Wann ist es fertig?

Nach Ende der Abrissarbeiten zum Jahresende 2019 soll der eigentliche Neubau von rund 2,5 Jahren beginnen. Mit dem Ende der Arbeiten ist etwa im Frühjahr 2022 zu rechnen.

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