OB Frank Mentrup zeigte sich zufrieden mit dem über vierstündigen Workshop zur Stadion-Frage.
OB Frank Mentrup zeigte sich zufrieden mit dem über vierstündigen Workshop zur Stadion-Frage.
Bild: (feb)
Frank Mentrup verfolgt aufmerksam die Ergebnisse des Workshops rund um das Thema Verkehr und Sicherheit für ein neues Fußballstadion in Karlsruhe.
Frank Mentrup verfolgt aufmerksam die Ergebnisse des Workshops rund um das Thema Verkehr und Sicherheit für ein neues Fußballstadion in Karlsruhe.
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Expertenrunde KSC-Stadion: Untere Hub, Mastweide oder Wildpark?
Karlsruhe
28.06.2013 21:39
Die Planungen für ein neues Fußballstadion in Karlsruhe gehen weiter. Am Freitagnachmittag hat Oberbürgermeister Frank Mentrup zu einem Workshop eingeladen, bei dem rund 50 Experten die Themen Verkehr und Sicherheit für die drei möglichen Stadionstandorte in Karlsruhe (Gleisbauhof/Mastweide, Untere Hub, Wildpark) erörtert und diskutiert haben. Das Ergebnis des über vierstündigen Workshops: Es gibt noch kein endgültiges Ergebnis. Bis Herbst und in konkreter Form will OB Mentrup ein solches in weiteren Gesprächen mit Verein, Fraktionen und Bürgern erzielen.

Während der Karlsruher SC gerade im Trainingslager in Fulpmes weilt und an diesem Freitag zwei Testspiele absolvierte, trafen sich um Oberbürgermeister Frank Mentrup Vertreter der Stadt Karlsruhe, Vertreter des KSC sowie von Fangruppen und der Karlsruher Polizei  in der Karlsruher Oststadt zu einem über vierstündigen Workshop. Das Thema: Ein "neues Fußballstadion" für Karlsruhe.

Auf drei Gruppen verteilten sich die Teilnehmer ab 15.30 Uhr im Gemeindezentrum St. Bernhard in der Oststadt. Zum Thema Sicherheit und Verkehr gaben sie zu den drei möglichen Standorten (Gleisbauhof/Mastweide, Untere Hub und Wildpark) ihre Meinungen ab. Was dabei heraus kam, sollte nicht ganz neu sein, für OB Mentrup hatte die Veranstaltung dennoch etwas Gutes: "Es hat sich gezeigt, dass es sich absolut gelohnt hat, diese zwei Themen Verkehr und Sicherheit so intensiv für die drei Standorte aufzunehmen." Alle Standorte hätten ihre Vor- und Nachteile - "massiver als man es sich teilweise vorgestellt hat", resümierte das Stadtoberhaupt

Ergebnisse: Wildparkstadion

Zuvor wurden die Ergebnisse für alle drei Orte vor der Expertenrunde zusammengefasst. Beim Thema Verkehr - speziell bei der Parkplatzsituation - sahen die Teilnehmer beim Wildparkstadion einige Schwierigkeiten. Bei der Annahme, dass der neue Wildpark 35.000 Zuschauer fasst, müssten zirka 1.600 neue Parkplätze geschaffen werden. Wegen der beengten Situation durch das Naturschutzgebiet rund um das Stadion, falle deshalb wohl ein Trainingsplatz für die Profis und den Nachwuchs weg. Die Teilnehmer sprachen sich deshalb dafür aus, im Wildpark entweder das Stadion oder das Trainingszentrum zu beheimaten.

Dem schloss sich auch der kaufmännische Direktor des Karlsruher SC, Rolf Ulrich, an. Er merkte zudem an, dass durch die Räumlichkeiten für die Medienvertreter in der Bundesliga (800 Quadratmeter Fläche) noch ein weiterer Trainingsplatz wegfallen würde.

Beim Thema Sicherheit spielt beim Wildpark der Wald eine große Rolle. Auf der einen Seite sei dieser eine Chance, die Fanströme großflächig zu verteilen. Für die Karlsruher Polizei sei die Situation aber kaum zu bewältigen: kreuzende Fanströme, Unübersichtlichkeit im Wald und die Entfluchtung der Zuschauer seien am traditionsreichen Standort schwierig. Eine mögliche Lösung bei einem Umbau: ein Tausch der Fanbereiche.

Für den Anschluss an die Bahn sahen die Teilnehmer vielfältige Möglichkeiten durch drei Haltestellen - alle in jeweils zirka 1,5 Kilometer Entfernung, auch wenn eine zentrale Haltestelle als geeigneter angesehen wurde.

Das Ergebnis: Untere Hub

Für den Standort Untere Hub bei Durlach sehe die Verkehrssituation "prinzipiell positiv" aus, so das Fazit des Workshops. Mit der A5 und der B10 stünden leistungsfähige Anschlüsse zur Verfügung, eine eigene Behelfsausfahrt für das Stadion scheint indes aber nicht umsetzbar - Rückstau wäre wohl kaum vermeidbar. Bei der Abfahrt müssten Besucher mit einer bis zwei Stunden rechnen. Durch die "nicht optimale" ÖPNV-Anbindung müsste damit gerechnet werden, dass mehr Pkw-Verkehr in Richtung Stadion ströme, so die Workshop-Teilnehmer.

Erschwerend kommt hinzu: Der Durlacher Bahnhof und die bisherige Haltestelle Hubstraße müssten ausgebaut werden. Eine gänzlich neue Haltestelle wäre daher sinnvoller, so das Votum der Teilnehmer. Das Thema Sicherheit wurde ebenfalls "generell postitv" bewertet. Die Fangruppen könnten beim Parken gut getrennt werden, Entfluchtung und die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge seien gewährleistet. Bauchschmerzen bereiteten den Experten allerdings die Fanströme, die sich von den Haltestellen entweder durch Wohngebiet oder durch Kleingärten ihren Weg zum Stadion bahnen.

Ergebnis: Mastweide/Gleisbauhof

Der Standort Mastweide/Gleisbauhof scheint ein großes Problem zu haben - so das Fazit der Expertenrunde: Eine "komplexe neuzubauende Infrastruktur" muss her, die Kapazität des Weinwegs gestalte sich schwierig. Das Thema Parken bewerteten die Teilnehmer unterschiedlich: Parkplätze gebe es mit dem Messplatz in rund 900 Meter Entfernung, neue Parkhäuser würden bei einer Realisierung näher am Stadion liegen. Zwar ist derzeit die Anbindung an den ÖPNV mit vier Haltestellen in der Nähe durchaus gewährleistet, ein neuer "Südhalt" scheint aber unvermeidbar. Dieser würde zudem für eine "optimale Fantrennung" hilfreich sein.

Zweifel löste die ungewisse Grundstückslage beziehungsweise der Erwerb des Geländes aus. Ebenso müsste man sich Gedanken darüber machen, wie man einen Rückstau auf den Straßen entzerren könnte. Als heikel schätzten die Experten die Unübersichtlichkeit des Geländes ein, ebenso die Entfluchtung der Zuschauer, die zusätzliche Flächen notwendig mache. OB Mentrup erklärte nach der Vorstellung der drei Standorte, dass sich die Stadt zusammen mit dem Verein und den zuständigen Behörden sowie den Fraktionen in den kommenden Monaten nun weitere Gedanken machen müsse.

Was sagt der KSC zum Workshop?

Beispielsweise müsse geklärt werden, ob ein Südhalt beim Standort Mastweide machbar sei, ebenso an der Unteren Hub. "Beim Wildpark wurde heute deutlich, dass wir nur unter massiven Eingriffen in die Infrastruktur eine Fantrennung gewährleisten können", so Mentrup.

Er habe bei diesem Workshop sehr viel gelernt, was er nun in das weitere Verfahren mitnehmen werde. Dieses will das Stadtoberhaupt dann teilweise wieder öffentlich gestalten: Für Donnerstag, 25. Juli, kündigte er eine zweistündige Veranstaltung an, bei der Bürger zusammen mit Verein und Stadt über die Stadionzukunft diskutieren sollen. Für die Zeit nach weiteren Gesprächen mit dem Verein, den Behörden und den Fraktionen gibt Mentrup ein klares Ziel aus: eine "gemeinsame Bewertung der verschiedenen Standorte". Für Herbst erhofft sich Mentrup dann eine Entscheidung im Gemeinderat, um die bereitgestellten Fördergelder des Landes nicht zu verlieren.

Im Gespräch mit ka-news bekräftigte der kaufmännische Geschäftsführer des Karlsruher SC, Rolf Ulrich, seine gemischten Gefühle. Ergebnisoffen wollte er den Workshop angehen, "ich habe mich aber gewundert, dass gleiche Argumente an verschiedenen Standorten unterschiedlich ausgelegt wurden." So sei bei der Mastweide der ÖPNV-Anschluss nicht optimal, beim Wildpark seien 1,5 Kilometer Entfernung aber in Ordnung, wunderte er sich. "Das passt nicht zusammen, manche schienen ihren Standort schönreden zu wollen", so Ulrich. Insgesamt fasste er die Diskussionen aber als "fruchtbar" zusammen.

Er habe versucht den Teilnehmern die "Ur-Ängste" des Vereins klar zu machen. Zum einen, dass durch einen Umbau im Wildpark zwei Trainingsplätze wegfielen - und somit kein Trainingsgelände mehr vorstellbar sei. Zum anderen würde ein Umbau bei laufenden Spielbetrieb für massive Probleme sorgen. Erschwerend käme die Trennung der Fanströme hinzu, so Ulrich im Gespräch mit ka-news weiter. "Bei aller Tradition, wir werden das Thema Sicherheit am Wildpark nicht auf einen neuen Level heben können. Dazu fehlt mir der Glaube." Für das weitere Vorgehen zeigte sich Ulrich überzeugt, dass OB Mentrup in Kürze für weitere Gespräche auf den KSC zukommen werde.

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