Das Computerbild zeigt Untertunnelung und überirdische Verkehrsführung in der Kriegsstraße.
Das Computerbild zeigt Untertunnelung und überirdische Verkehrsführung in der Kriegsstraße.
Bild: picture alliance / Kasig/dpa/Archivbild
Karlsruher Kombilösung wird noch teurer: Bericht bestätigt Kosten von 1,5 Milliarden Euro
Karlsruhe
23.04.2020 14:05
Die Preissteigerungen beim Karlsruher Verkehrsprojekt Kombilösung haben noch kein Ende. Aktuell rechnet die Schieneninfrastruktur-Gesellschaft Kasig mit Kosten zwischen gut 1,4 und fast 1,5 Milliarden Euro für die unterirdische Straßenbahnstrecke und den Straßentunnel.

Das geht aus einer Vorlage für den Karlsruher Gemeinderat hervor. Anfang März wurde die Kostensteigerungen von den Verantwortlichen bestätigt - nun liegt sie auch schriftlich im Sachstandsbericht der Kombilösung vor. Dieser wird auch Thema bei der kommenden Gemeinderatssitzung am Dienstag, 28. April, sein.

Gesamtbaukosten

Die Zahlen im Sachstandsbericht beziehen sich auf Prognosen Stand Januar 2020. Die Gesamtbaukosten der Kombilösung erhöhen sich um acht Prozent von 1,16 auf 1,25 Milliarden Euro. Eine Prognose geht von einer Erhöhung auf bis zu 1,3 Milliarden Euro aus.

Für die gesamten Herstellungskosten - das schließt Finanzierungs-, Personal und Marketingkosten mit ein - wird eine Steigerung auf bis zu 1,5 Milliarden Euro prognostiziert.

  März 2019 Januar 2020
Gesamtbaukosten 1.159,7 Millionen Euro 1.249,2 Millionen Euro
Prognose   1.281,1 bis 1.487,3 Millionen Euro
Herstellungskosten 1.300,2 Millionen Euro 1.395,4 Millionen Euro
Prognose   1.427,3  bis 1.487,3 Millionen Euro

Die Kostenfortschreibung bildet die Kosten ab, welche gesichert abschätzbar beziehungsweise bewertbar sind. Darüber hinaus eventuell anfallende Kosten werden in der Prognose berücksichtigt.

Woher stammen die Erhöhungen?

Im Sachstandsbericht werden die Erhöhungen wie folgt begründet. Für den Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße: 

  • Nachtragsforderungen der ARGE Stadtbahntunnel im Zusammenhang mit zusätzlich und geänderten Leistungen, Regieleistungen
  • Vorhalteabrechnungsthemen und Preisgleitklauseln, im Wesentlichen die Erhöhung der Bauwesenversicherung auf Grund der gestiegenen Versicherungssumme
  • Nachtragsleistungen bei den Ausbaugewerken.

Autotunnel in der Kriegsstraße mit oberirdischer Straßenbahntrasse:

  • angekündigte Nachtragsforderungen der ARGE Kriegsstraße aus Sicht der ARGE geänderten Bauabläufen und weiteren zusätzlichen Leistungen sowie Mehrmengen/Mehrmassen.
  • Die Steigerungen bei Dritten basieren im Wesentlichen auf der Fortschreibung der Verwaltungs- und Baunebenkosten sowie der Bauwesenversicherung bis zum vorgesehenen Bauzeitende.

Auch sei die Erhöhung der aktuellen Kostenannahme nicht unwesentlich der aktuellen Marktsituation mit den in den letzten Jahren stark gestiegenen Baupreisen sowie der hohen Auslastung aller Unternehmen im Bausektor geschuldet, so der Bericht.

So teuer wurde die Kombilösung seit Projektbeginn

Zu Beginn des Projekts, im Jahre 2010, sollte die Kombilösung 588 Millionen Euro kosten. Beim Bürgerentscheid für das Projekt im Jahr 2002 waren Kosten von knapp 500 Millionen Euro angegeben worden. Die letzte aktuelle Zahl stammt aus Mai 2017: 1,3 Milliarden Euro sollen es bis 2021 werden.

Nun ist auch diese Zahl überholt: Der Bau des Stadtbahntunnels wird mehr zu Buche schlagen als geplant. Frühester Verkehrsbeginn im Straßenbahntunnel ist Mitte 2021, der Autotunnel soll Ende 2021 fertig sein. 

Finanzierung

Die Kombilösung wird zu 80 Prozent durch Bund und Land gefördert. Dabei entfallen 60 der förderungsfähigen Kosten an den Bund und 20 Prozent an das Land. Die Finanzierung der verbleibenden 20 Prozent erfolgt über die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) GmbH als Bauherrin sowie über den Querverbund der Karlsruher Versorgungs-, Verkehrs- und Hafen (KVVH) GmbH.

Mit der Kostensteigerung erhöht sich auch der Eigenanteil: Er soll mit zwei weiteren Krediten in Gesamthöhe von 50 Millionen Euro gegenfinanziert werden. Entsprechende Darlehen haben die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) Ende Januar aufgenommen.

Sachstandsbericht zum Download

Dateiname : Sachstandsbericht Kombilösung April 2020
Dateigröße : 7.25 MBytes.
Datum : 23.04.2020 14:03
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ka-news-Hintergrund: Die Kombilösung 

Die Karlsruher Kombilösung besteht aus dem Bau eines 2,4 Kilometer langen Bahntunnels unter der Kaiserstraße und eines 1,6 Kilometer langen Autotunnels unter der Kriegsstraße mit oberirdischen Gleisen. Seit 2010 wird an der Kombilösung gebaut. Ursprünglich sollte der Straßenbahntunnel Ende 2015 und der Autotunnel Ende 2019 eröffnet werden.

Die Bahnen werden nach Fertigstellung in der Karlsruher Innenstadt zukünftig in einem T-förmigen Tunnelsystem fahren: Vom Mühlburger Tor bis zum Durlacher Tor entsteht ein Ost-West Tunnel, ab dem Marktplatz zusätzlich ein Südabzweig bis zur Höhe Augartenstraße. Die Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels ist für Sommer 2021 geplant.

Der Autotunnel wird zwischen Karlstor und der Ludwig-Erhard-Allee gebaut.  Darüber wird eine Bahntrasse mit Fußgänger-und Radwegen angelegt.  Nach aktuellem Stand werden die oberirdischen Gleise im Juni 2021 startklar sein, der darunter liegende Autotunnel soll Dezember 2021 in Betrieb genommen werden.

Der Artikel wurde bearbeitet.

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