Der Südabzweig des künftigen Karlsruher Straßen- und Stadtbahntunnels.
Bild: Needham|Mohawkvisuals
Spannung im Karlsruher Tunnel: Die Oberleitungen für die Bahnen werden installiert
Karlsruhe
26.06.2020 11:01
Der unterirdische Bahntunnel in Karlsruhe nimmt immer weiter Gestalt an. Nun sind bereits die Elektriker am Werk, um die Oberleitungen zu verlegen. Am anderen Ende der Innenstadt wächst unterdessen der Autotunnel in die Länge: Am Karlstor und Mendelssohnplatz muss derzeit mit Verkehrseinschränkungen gerechnet werden. Dies und mehr gibt die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) in ihrem wöchentlichen Baustellen-Update bekannt.

Der Innenausbau des neuen Stadtbahn- und Straßenbahntunnels der Karlsruher Innenstadt hat es beim "Strom" in sich. Denn den Fahrdraht – also die "Oberleitung" – für den späteren Betrieb der Stadtbahnen und Straßenbahnen unter Spannung zu setzen, ist das eine. Wesentlich komplexer sind jedoch die Aufgaben der Elektriker, die heute dafür sorgen, dass die Betriebstechnik später tatsächlich funktioniert und sich die Fahrgäste in den Haltestellen sicher bewegen und mit den Bahnen zuverlässig befördert werden.

Hochkomplex ist die Installation der Elektrotechnik – hier der Zugsicherung in einem Betriebsraum im Gleisdreieck unter dem Marktplatz. Bild: Kasig

So umfasst die Liste der derzeit zu erledigenden Arbeiten Positionen wie etwa die Montagearbeiten für die LED-Beleuchtung oder auch die Montage des "Lichtgespinstes" in der Haltestelle Europaplatz ebenso wie die Feinmontage der Fahrtreppen in den Haltestellen Ettlinger Tor, Kronenplatz und Lammstraße inklusive der dazu gehörenden Arbeiten an den Schaltschränken in den Betriebsräumen.

Funksystem sorgt für Sicherheit im Tunnel

In den Haltestellen Kongresszentrum, Lammstraße und Durlacher Tor sind die Elektrohandwerker mit eher dickeren Kabeln unterwegs: Hier wird an den Gleichrichterstationen gearbeitet, die den Gleichstrom zur Einspeisung in den Fahrdraht bereitstellen.

Ein ganz wichtiges Thema ist die spätere Kommunikation rund um die Sicherheit. "Der so genannte BOS-Funk – der Funkdienst für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – wird im unterirdischen Tunnelsystem mit den sieben Haltestellen installiert", gibt die Kasig in einer Pressemeldung bekannt. Dazu gehöre das Verlegen entsprechender Leitungen ebenso wie der Einbau von Antennen.

Ganz exakt sitzen muss das Lichtgespinst für die Haltestellenbeleuchtung. Die Monteure sind aktuell unter dem Marktplatz tätig. Bild: Kasig

Alle anderen Gewerke werden Zug um Zug abgearbeitet: Die Lüftung für die vielen Betriebsräume muss zuverlässig funktionieren, um später die Elektrotechnik vor Feuchtigkeit zu schützen. Maurer und Trockenbauer sorgen für die Aufteilung von Räumen, für Wände oder Zwischenwände.

Unweit des neuen Stadtbahntunnels entsteht das Äquivalent für den Kfz-Verkehr: Der Autotunnel ist an einigen Stellen im Rohbau, an anderen Stellen wird bereits am  Endzustand der Oberfläche gearbeitet. So ist östlich vom Mendelssohnplatz der Bau der neuen, endgültigen Straßen, Rad- und Gehwege weit gediehen: Einschränkungen bis Anfang August gibt es beim Abbiegen aus der Ludwig-Erhard-Allee vom Mendelssohnplatz kommend nach links in die Kapellenstraße Richtung Durlacher Tor und beim Linkseinbiegen vom Durlacher Tor kommend aus der Kapellenstraße in die Ludwig-Erhard-Allee.

Geglättet wird die Oberseite der Tunneldecke aus Stahlbeton – ein Anstrich schützt hochliegende Bereiche später vor Feuchtigkeit. Bild: Kasig

Ab Mitte August ist der Weg aber frei: Dann sind auf der Nordseite der Ludwig-Erhard-Allee und vor dem Einkaufszentrum auf der Südseite die endgültigen Fahrbahnen, Rad- und Gehwege sowie die Einmündung der Kapellenstraße in die Ludwig-Erhard-Allee fertig. Auch die Gleise östlich des Mendelssohnplatzes, bis auf den Anschluss bei der Henriette-Obermüller-Straße an die bestehenden Gleise in der Ludwig-Erhard-Allee, der in den Herbstferien folgen wird, sind bis Mitte August diesen Jahres fertig verlegt.

Verkehrsbeschränkungen auf der Karlstraße

Am Karlstor wird bis Anfang Juli an der Verlegung eines Kanals und der anschließenden Wiederherstellung der Gleise über der Kanalbaugrube gearbeitet. So lange ist die Karlstraße zwischen Kriegsstraße und Mathystraße in Fahrtrichtung Süden für den Kfz-Verkehr gesperrt. In der Karlstraße können allerdings die Gebäude auf der Westseite zwischen Gartenstraße und Mathystraße über eine Wendemöglichkeit über die derzeit nicht von Bahnen befahrenen Gleise in der Karlstraße südlich der Gartenstraße hinweg erreicht werden.

Kleiner wird die Lücke zwischen dem bestehenden Tunnelbauwerk westlich vom Ettlinger Tor und dem Karlstor. Bild: Kasig

Eine Besonderheit des Autotunnels ist die direkte Zu- und Ausfahrt des Parkhauses des Einkaufszentrums am Ettlinger Tor: Sie entsteht zwischen Lammstraße und Ettlinger Tor. Derzeit wird mit der Verlegung von Leitungen auf Leitungsbrücken und neuen Gas- und Wasserleitungen erst die Voraussetzung dafür geschaffen, dass quer zur Nordfahrbahn der Kriegsstraße der kleine Tunnelabzweig in der Tiefe entstehen kann. 

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