Bahnen in Karlsruhe
(Symbolbild)
Bild: Thomas Riedel
Notrufknöpfe an Haltestellen: Karlsruher Verkehrsbetriebe sehen keinen Bedarf
Karlsruhe
19.09.2017 07:00
Brauchen die Haltestellen in Karlsruhe eine Notruf-Taste? Schon Anfang dieses Jahres wurde diese Sicherheits-Frage mehrmals aufgeworfen - im April auch im Gemeinderat. Jetzt - rund fünf Monate später - könnte sich wieder etwas tun: Das Thema kommt zur Diskussion in den Hauptausschuss.

Um das Sicherheitsgefühl an Karlsruher Haltestellen zu verbessern, sollen Knöpfe an Fahrscheinautomaten im Notfall helfen - so die Idee der "Allianz für mehr Sicherheit in Karlsruhe" Anfang des Jahres. Die Reaktion der Stadt: Für Notruf-Tasten sieht sie keinen Bedarf. Eine Nachrüstung an den 67 Fahrkartenautomaten der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) war zu diesem Zeitpunkt im Stadtgebiet nicht vorgesehen.

Im April dieses Jahres ging es weiter: Die SPD-Fraktion stellte diesbezüglich einen Antrag an den Gemeinderat, in dem sie vor allem in den zukünftigen unterirdischen Haltestellen Notruftasten an Fahrscheinautomaten forderten.

In der damaligen Sitzung stellte SPD-Stadträtin Irene Moser klar, dass "sich das subjektive Sicherheitsgefühl" der Karlsruher durch die Installation solcher Knöpfe enorm erhöhen könnte. Sie nannte die Städte Augsburg und Mannheim als repräsentative Beispiele. Nach der Diskussion verwies der Gemeinderat die Thematik allerdings an die Aufsichtsräte der VBK und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig).

Notruf-Knöpfe beugen Kriminalität nicht vor

Das Ergebnis der Analyse kommt nun am heutigen Dienstag in den Hauptausschuss. Wie die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage mitteilt, habe sich an den Einschätzungen aber nichts geändert: "Die VBK sieht keine prekäre Sicherheitslage an den Haltestellen im Stadtgebiet." Weiter gehe die Stadt nicht davon aus, dass die Einrichtung der Notruf-Knöpfe Kriminalität vorbeuge und sieht deshalb immer noch keine deutlichen Vorteile der Einrichtungen.

Um dies zu verdeutlichen, erklärt die Stadt zudem, dass eine Nachrüstung einer Notruftaste nicht möglich sei. Der Grund: Im Dezember 2015 und im Januar 2016 wurden laut Stadtverwaltung alle alten Fahrkartenautomaten durch neue ersetzt. "Ein nachträglicher Einbau eines Notrufsystems wurde bei der Beschaffung nicht berücksichtigt," erklärt die Stadt.

Handys und Smartphones sind bessere Alternativen

Des Weiteren wird davon gesprochen, dass die VBK - ebenfalls wie die Stadt - der Meinung ist, dass es im Falle einer Notsituation mittlerweile bessere Alternativen gebe. Beispielsweise können Handys oder Smartphones kostenlos und sogar ohne die Tasten zu entsperren, Notrufe absetzen. Eine Alarmierung über eine Notrufsäule sei demnach längst überholt.

Und auch unterirdisch wird die Thematik in den zukünftigen Haltestellen der Kombilösung laut Stadt kein Problem sein: "Der Stadtbahntunnel und die Haltestellen werden mobilfunktauglich sein." Das solle allein schon wegen der Fahrkarten, die übers Handy gekauft werden können, so sein. Einen Notruf abzusetzen sei also auch unter Tage möglich. Weiter verspricht die Stadt in ihrer Beschlussvorlage, dass im Tunnel "alle Haltestellen mit Video-Überwachung ausgerüstet werden. Die entsprechenden Bilder werden in der Leitstelle der VBK auflaufen."

Der Hauptausschuss hat nun bei seiner Sitzung am heutigen Dienstag, ab 16.30 Uhr, die Möglichkeit, dieses Ergebnis zustimmend zur Kenntnis zu nehmen.

VBK und AVG rüsten Bahnen nach

Eine Lösung, um das Sicherheitsgefühl der Bahnfahrenden zu erhöhen, sehen VBK und die AVG in einer sogenannten Fahrgastnotsprechstelle. Sie sind allerdings in Bahnen - und nicht an Fahrscheinautomaten an den Haltestellen angebracht. In Gefahrensituationen können Passagiere damit in direktem Wege Kontakt mit dem Fahrer aufnehmen. Wie Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer von VBK und AVG, Thorsten Erlenkötter, Projektleiter für die Fahrzeuge "ET2010" und "NET2012" der VBK und AVG bereits im August ankündigten, werden in den kommenden Wochen Bahn-Prototypen mit dieser Anlage probeweise durch das Karlsruher Netz fahren.

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