Bahnen in der Kaiserstraße
Bahnen in der Kaiserstraße - ab 2021 soll dieses Bild der Vergangenheit angehören.
Bild: Thomas Riedel
Nach Abschluss der Kombilösung: Fahren die Bahnen weiter durch die Kaiserstraße?
Karlsruhe
17.01.2020 06:00
Wo derzeit noch Bahnen durch die Karlsruher Kaiserstraße rattern, sollen mit der Inbetriebnahme der Kombilösung künftig nur noch Fußgänger und Radfahrer unterwegs sein - die oberirdischen Gleise zwischen Kronenplatz und Europaplatz sollen verschwinden. Eigentlich. Denn dagegen sprechen sich nun mit der AfD, der Linken und der Grünen drei Gemeinderatsfraktionen aus. Sie fordern: Die Gleise müssen liegen bleiben.

Mindestens drei Jahre - so lange wollen die AfD-Stadträte die Bahnen nach Fertigstellung der Kombilösung noch oberirdisch zwischen Kronen- und Europaplatz pendeln lassen. Der Grund: Der parallel darunter verlaufende Bahntunnel allein werde den Bahnbetrieb nicht stemmen können.

"In dem veröffentlichten Liniennetz der Kombilösung verkehren zwischen Europaplatz und Marktplatz tagsüber fünf Linien im 10-Minuten-Takt, mithin also 30 Bahnen je Stunde und Richtung. Deren Fahrweg kreuzen mindestens neun Fahrten je Stunde aus Richtung Kronenplatz an der Haltestelle Marktplatz als Linksabbieger in Richtung Ettlinger Straße, so dass in Summe im Kreuzungsabschnitt mindestens 39 Zugfahrten je Stunde in den genannten Richtungen stattfinden", führt die Fraktion in ihrem Antrag an die Stadtverwaltung an.

Stand von 2004 - das geplante Liniennetz nach Fertiggstellung der Kombilösung. Bild: Kasig

Signalsteuerung macht Bahnen langsamer

Insbesondere im Kreuzungsbereich der Haltestelle Marktplatz werde die Streckenkapazität daher "nahezu vollständig beansprucht, sodass bei Verzögerungen im Betriebsablauf keinerlei Robustheit gegeben ist".

Hinzu komme die Verlangsamung des Bahnbetriebs aufgrund der signalgesteuerten Taktung innerhalb des Tunnels. Gegenüber des aktuellen Betriebs mit "Fahren auf Sicht" rechnen die Stadträte dadurch mit einer "Kapazitätsreduktion um rund ein Drittel auf eine - bei optimistischer Betrachtung - theoretisch mögliche minimale Zugfolgezeit von 90 Sekunden, entsprechend 40 Zugfahrten pro Stunde und Richtung".

Die Bahnen werden im Tunnel künftig mit Signalen getaktet. Das macht sie langsamer als die Fahrt auf Sicht. Bild: Hammer Photographie

Und noch ein Vorteil bietet die Beibehaltung der oberirdischen Gleise aus Sicht der AfD-Fraktion: Sollte ein Zwischenfall im Bahntunnel auftreten, könnten die Linien auf die Kaiserstraße ausweichen - ohne die sonst nötige Umleitung über die künftige Kriegsstraßentrasse.

Kaiserstraßen-Strecke als "Backup" erhalten

Diese Bedenken plagen auch die Stadträte der Linken und der Grünen: Sie fordern die Gleise erst abzubauen, wenn der Betrieb im Tunnel reibungslos läuft. In einem interfraktionellen Antrag wollen sie daher - ähnlich der AfD - erreichen, dass die oberirdischen Gleise für mindestens ein Jahr nach Inbetriebnahme der U-Strab unangetastet bleiben. 

Wo aktuell noch Baustelle herrscht, sollen oberirdisch künftig Bahnen in der Kriegsstraße fahren. Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Die Stadtverwaltung sieht hier allerdings kein Problem: "Als Umleitungsstrecke steht mit der neu gebauten Strecke durch die Kriegsstraße eine leistungsfähige Trasse zur Verfügung", schreibt sie in in ihrer Stellungnahme. Auch die Gleisanlagen in der Baumeisterstraße/Hermann-Billing-Straße/Mathystraße sollen zu diesem Zweck erhalten bleiben.

"Sollte der Rückbau in Frage gestellt werden, würde dies dem Konzept der Kombilösung das Fundament entziehen"

Bleibt die Kaiserstraße also keine Bahnstrecke? Nein - zumindest nicht, wenn es nach der Stadt Karlsruhe geht. Sie beruft sich dabei auf den Bürgerentscheid von 2002. Darin festgehalten: Neben dem Bau des Bahn- und Autotunnels selbst gehört zum Projekt der Kombilösung auch der Ausbau der Gleise in der Kaiserstraße zwischen Kronen- und Europaplatz nach Abschluss des Baus des Bahntunnels und der Kriegsstraßentrasse.

Die Gleise in der Kaiserstraße müssen ausgebaut werden - so wurde es 2002 beschlossen. (Symbolbild) Bild: Paul Needham

"Sollte der Rückbau in Frage gestellt werden, würde dies dem Konzept der Kombilösung das Fundament entziehen und dann besonders das Teilprojekt Kriegsstraße als unnötig erscheinen lassen", erklärt die Verwaltung weiter. Die Anträge der Stadträte, die Gleise zur Sicherheit teils mehrere Jahre in der Kaiserstraße zu belassen, lehnt man von Seiten des Rathauses daher ab.

Mehrmonatige Testphase geplant

Aber: Ganz ohne Absicherung vor Zwischenfällen soll der Bahnbetrieb im Tunnel nicht anlaufen. Vor dem Start - voraussichtlich im Juni 2021 - soll "eine intensive mehrmonatige technische und betriebliche Test- und Schulungsphase" erfolgen, in der sowohl Anlage als auch Zugsicherungsanlage getestet werden. Das Risiko einer "unzureichenden Qualität" des folgenden regulären Bahnbetriebs erachtet die Stadt daher als gering.

Statt Bahnen werden in der Kaiserstraße künftig nur Fußgänger und Radfahrer unterwegs sein. Bild: Thomas Riedel

Für mindestens ein halbes Jahr nach Inbetriebnahme des Tunnels werden die Bahnen aber dennoch noch durch die Fußgängerzone rattern - erst dann, im Dezember 2021, soll die Kriegsstraßentrasse ans Netz gehen und die Kaiserstraße als Bahnstrecke endgültig überflüssig machen. 

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