Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der VBK, bei der Vorstellung des neuen Liniennetzes.
Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der VBK, bei der Vorstellung des neuen Liniennetzes.
Bild: Hammer Photographie/KVV
Linienplan 2021: Warum hat man sich (ausgerechnet) für diese neuen Strecken entschieden, Herr Egerer?
Karlsruhe
12.03.2020 20:11
Das Geheimnis um den künftigen Karlsruher Liniennetzplan ist gelüftet: Ab Dezember 2021 fahren die Karlsruher Stadt- und Straßenbahnen neue Wege durch die Fächerstadt. Was bei der Planung wichtig war und welche Vorteile die neue Linienführung bringen soll - ka-news.de hat die Antworten.

Drei Jahre - so lange haben sich die Verantwortlichen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) Zeit genommen, um gemeinsam mit weiteren Experten an dem neuen Liniennetzplan nach Vollendung der Kombilösung zu tüfteln.

Bild: Hammer Photographie

"Ist das Netz noch das richtige?"

Der Grund: Der letzte Entwurf von 2013 ist inzwischen überholt. "In fast zwei Jahrzehnten seit Beginn der Planungen hat sich in Karlsruhe viel getan, neue Wohngebiete sind hinzugekommen - da haben wir uns die Frage gestellt: Ist das Netz so noch das richtige?", erklärt Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der VBK, bei der Vorstellung des neuen Liniennetzes am Donnerstag.

2016 hat man mit den Planungen des aktuellen Entwurfes begonnen. Beteiligt waren dabei neben VBK und Stadtplanungsamt das für die mathematischen Berechnungen zuständige Berliner Zuse-Institut (ZIB), die für die Bereitstellung der Berechnungsdaten zuständige ptv Transport Consult und die Transport-Technologie-Consult Karlsruhe (TTK), die die Planungen konstant auf Machbar- und Belastbarkeit überprüfte.

"Rund 27.000 Linien wären in unserem Netz denkbar. Die Kunst bestand darin, die Anzahl auf rund 6.000 herunterzubrechen und dann die einzelnen Verbindungen anhand verschiedener Kriterien auf Vor- und Nachteile zu überprüfen", so Ascan Egerer.

Ascan Egerer, technischer Geschäftsführer der VBK Bild: Hammer Photographie

Planungskriterien und Vorteile

So seien unter anderem die Reisezeit, die Nachfrage, die Kosten, die vorhandene Infrastruktur und die mögliche Auslastung der eingesetzten Bahnen betrachtet worden. 

Drei Kriterien mussten laut Egerer bei den Planungen auf jeden Fall berücksichtigt werden:

  1. Das Festhalten am 10-Minuten-Takt
  2. Die Aufhebung der Takteinkürzung bei den Linien 4 und 5
  3. Die Einhaltung einiger Direktverbindungen - etwa zum Hauptbahnhof oder der Ettlinger Straße

"Beim Rest der Planungen hatten die Experten aber freie Hand", sagt der VBK-Geschäftsführer. Herausgekommen ist schließlich ein Plan, der - so VBK-Betriebsleiter Ralf Messerschmidt - viele Vorteile vereint:

  • Kürzere Fahrzeiten beim AVG- und VBK-Verkehr: So soll die Fahrt beispielsweise vom Mühlburger Tor zum Marktplatz künftig nur rund 3,5 statt 7 Minuten dauern - eine Zeitersparnis von rund 50 Prozent.
    Bild: ka-news.de
  • Gute ÖPNV-Erreichbarkeit der Innenstadt: "Nahezu alle Linien berühren das Innenstadtnetz an mindestens zwei Stellen", so Messerschmidt.
  • Steigerung der Pünktlichkeit durch Reduzierung der Störanfälligkeit
  • Entlastung der Knotenpunkte im Innenstadtverkehr - mehr Platz für Fahrradwege
  • "Echte Fußgängerzone" und schienenfreier Marktplatz
  • hohes städtebauliches Entwicklungspotential
  • geschützte und überwachte Räume in den neuen unterirdischen Haltestellen
  • betriebliche Flexibilität mit Kapazitätsreserven: Das Netz soll weiterentwickelbar und ausbaufähig sein, auch die Tunnelkapazität sei laut VBK noch nicht voll ausgeschöpft

S31/S32 fährt künftig in die Karlsruher Innenstadt

Gerade zu letztem Punkt verfolgen Ascan Egerer und seine Mitarbeiter bereits konkrete Pläne: In Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn soll die von Bruchsal herkommende S31/S32 in die Karlsruher Innenstadt weitergeführt werden.

VBK-Betriebsleiter Ralf Messerschmidt Bild: Hammer Photographie

"Auf Höhe des Schloss Gottesaue werden die Linien von der Bahnstrecke der DB über die Ludwig-Erhard-Allee und die Kriegsstraße in Richtung Europaplatz geleitet", erklärt Ralf Messerschmidt. Dazu laufen aktuell Gespräche mit der Deutschen Bahn.

Baustellen gehen bei laufendem Tunnelbetrieb weiter

Bis es aber soweit ist, wird unterdessen auch im Stadtgebiet selbst kräftig weitergebaut - denn: "Bis zur geplanten Eröffnung des Tunnels im Juni 2021 haben wir noch ein sportliches Bauprogramm vor uns", sagt der Betriebsleiter.

Bild: Hammer Photographie

Da aller Voraussicht nach laut Messerschmidt nicht alle Baustellen bis dahin beendet werden können und während des laufenden Tunnelbetriebs noch weitergebaut werden muss, werden sich die Fahrgäste noch auf provisorische Ersatzlinien und veränderte Verkehrsführungen einstellen müssen.

Erst zur geplanten Eröffnung der Kriegsstraßentrasse im Dezember 2021 soll der endgültige Fahrplanwechsel stattfinden und die Bahnen endlich so fahren, wie der neue Liniennetzplan es für sie vorsieht.

Dateiname : Liniennetzplan ab Dezember 2021
Dateigröße : 196.36 KBytes.
Datum : 13.03.2020 09:08
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Neuer Liniennetzplan


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