Der Abstieg auf die nächste Ebene erfolgt über einen sehr wackeligen Weg.
Bild: Needham|Mohawkvisuals
Unterwegs im Kombi-Tunnel: Über wackelige Treppen zum künftigen Bahngleis
Karlsruhe
05.04.2020 07:00
Auf der Kombi-Baustelle der unterirdischen Haltestelle Marktplatz tut sich gerade einiges. ka-news.de-Mitarbeiterin Marlene Witke war zum zum ersten Mal für eine Baustellen-Besichtigung im Karlsruher "Untergrund". Eine Reportage.

Es ist ein grauer, wolkenverhangener Mittwochnachmittag Anfang März. Draußen regnet es wie aus Eimern, und während sich jetzt die meisten Menschen zu Hause im Warmen verkriechen, stehe ich - zusammen mit rund 15 weiteren interessierten Bürgern - vor dem Informationspavillon "K" am Ettlinger Tor.

Der Grund: Für uns wird die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) gleich den Zugang zu den Baustellen des Stadtbahntunnels der Kombilösung öffnen, die in diesem Moment unter unseren Füßen im Karlsruher Untergrund entsteht.

Meine erster "hautnaher" Kontakt mit der Kombilösung

Für mich wird es die erste Baustellenführung und der erste "hautnahe" Kontakt mit der Kombilösung sein. Ein wenig unsicher bin daher schon, aber auch ziemlich aufgeregt, was mich dort unten erwartet. 

Nachdem Erich Serbinski, Leiter der Baustellenrundgänge bei der Kasig, mich und die restliche Gruppe begrüßt und uns mit Kopfhörern, Warnwesten und Bauhelmen ausgestattet hat, geht es auch schon los!

Alle Besucher müssen einen Schutzhelm und eine Warnweste, zur besseren Erkennung tragen. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Eingekleidet in neon-orange geht es von unserem Treffpunkt vorbei an den Baustellen vor dem Ettlinger-Tor in Richtung Marktplatz. Dort werden wir in den Tunnel hinabsteigen, um uns den Südabzweig - also den "Kreuzungsbereich" des Kaiserstraßentunnels mit dem Tunnel der Ettlinger Straße - anzuschauen.

Erich Serbinski, führt mich und 15 weitere Personen durch die Baustelle der Haltestelle Marktplatz. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Bereits auf dem Weg dorthin gibt uns Erich Serbinski einen kleinen Einblick in den momentanen Stand der Kombilösung: Sechs der sieben unterirdischen Haltestellen seien im Grundgerüst weitestgehend fertig gestellt. 

Erich Serbinski im Gespräch mit ka-news.de -Mitarbeiterin Marlene Witke. Bild: Needham|Mohawkvisuals

"Die Haltestelle Marktplatz und den dazu gehörigen Tunnel unterhalb der Kaiserstraße zu errichten, hat auch einige Besonderheiten und Herausforderungen mit sich gebracht", sagt Serbinski.

"Momentan steht der Innenausbau der Haltestelle Marktplatz im Fokus"

So gibt es beispielsweise einen alten Abwasserkanal unterhalb der Karl-Friedrich-Straße, der gestützt und bewahrt werden musste. Der Stadtbahntunnel befindet sich nur etwa 60 Zentimeter unterhalb dieses Kanals, weshalb für diese Arbeit hohe Präzision gefragt war. 

So soll die unterirdische Haltestelle Marktplatz nach Fertigstellung aussehen. Bild: (ps/Kasig)

Am Marktplatz angekommen, steigen wir über eine Holztreppe auf die erste Zwischenebene hinab, die sich etwa fünf Meter unterhalb des Marktplatzes befindet.

Als erstes fallen mir die vielen Kabel auf, die von der Decke hinunterragen. "Momentan steht der Innenausbau der Haltestelle Marktplatz im Fokus und im Zuge dessen werden vor allem Deckenarbeiten getätigt", erklärt uns unser Baustellenführer. 

Bauarbeiter beschäftigt mit Deckarbeit und Kabelverlegung. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Die Zwischenebene wird künftig als eine Art "Überbrückung" dienen, von der aus man die Bahngleise über Treppen, Fahrstühle und Rolltreppen erreichen kann. In anderen Haltestellen werden an dieser Stelle künftig auch Gastronomie-Angebote wie Bäcker-Stände zu finden sein.

Der zukünftige Weg auf die Bahngleise. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Weil die Haltestelle Marktplatz aber nur als reine "Zweckhaltestelle" dienen soll, werde man hier laut Serbinski auf solche Angebote verzichten.

Über wackelige Treppen zum künftigen Bahngleis

Plötzlich stehen wir vor einem schmalen Treppenabgang - die Stufen selbst machen auf mich keinen allzu sicheren Eindruck. "Wenn Sie sich alle zutrauen, über diese sehr wackelige Treppe hinabzusteigen, können wir noch eine Etage tiefer gehen", meint Erich Serbinski.

Kurz hadere ich mit mir - doch schließlich siegt die Neugier bei mir und den anderen Teilnehmern über die Angst und wir machen uns vorsichtig an den Abstieg auf das eigentliche künftige Bahngleis.

Der Abstieg auf die nächste Ebene erfolgt über einen sehr wackeligen Weg. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Und für den Anblick, der mich zirka zehn Meter unter der Erde erwartet, hat sich mein Mut definitiv gelohnt: Mich begrüßen schier endlos scheinende, fertiggestellte Gleise, die einen schon erahnen lassen, wo künftig die Bahnen entlangrollen werden.

Die Schienen sind bereits verlegt. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Eingeweiht werden diese Schienen aber nicht erst bei der geplanten Eröffnung der Kombilösung im Juni 2021. Schon während des Bauprojekts kommen sie zum Einsatz: Materialien werden über die Gleise von A nach B transportiert.

Schienen inklusive Gleisschotter. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Über den Gleisen erstrahlt in rotem Licht die Tunnelröhre selbst, die sich aus sechs Beton-Elementen zusammensetzt. "Diese sind zu 100 Prozent wasserdicht", erklärt uns Serbinski. Kein Tropfen Grundwasser würde es in den Tunnel schaffen, da die Grundelemente so nah beieinander liegen. 

Der Tunnel erstrahlt in rotem Licht Bild: Needham|Mohawkvisuals

"Und wie wird die Sicherheit im Fall eines Feuers gewährleistet?", meldet sich eine Teilnehmerin zu Wort. Hier kann Erich Serbinski schnell beruhigen: "Allgemein gibt es einen gut durchdachten Brandschutzplan.

"Nach all der Zeit macht mir mein Job immer noch Spaß"

Besorgte Fragen wie diese kennt der Kasig-Mitarbeiter gut. Und obwohl er sie auf seinen Touren oft immer wieder aufs Neue beantworten muss, "macht mir mein Job nach all der Zeit immer noch Spaß", erzählt mir der Leiter der Baustellenführungen. "Ich treffe bei diesem Projekt sehr viele nette und interessierte Menschen."

Es freue ihn, dass die Akzeptanz gegenüber der Kombilösung in Karlsruhe - besonders im Vergleich mit beispielsweise Stuttgart - relativ hoch ist. Das liege seiner Meinung nach vor allem an der Öffentlichkeitsarbeit der Kasig. "Sie steht hinter diesem Projekt, was die Karlsruher offenbar auch spüren", erklärt mir Serbinski .

Erich Serbinski im Gespräch mit ka-news.de -Mitarbeiterin Marlene Witke. Bild: Needham|Mohawkvisuals

Er selbst sei gerne Karlsruher und finde das Projekt in seiner Entwicklung "hoch spannend zu begleiten" - und das nicht allein aus dem Grund, dass er selbst aus der Baubranche stamme, erklärt er mir.

Die Kombilösung aus einem ganz anderen Blickwinkel - beeindruckend!

Als wir kurz darauf wieder an der Oberfläche im Tageslicht stehen und die Menschen um uns herum unbeeindruckt ihren Beschäftigungen nachgehen, bin ich froh, mich in die Tiefen der Karlsruher Kombilösung hinabgewagt zu haben. Es ist beeindruckend, das alltägliche Baugeschehen einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten, denn man sieht die Fortschritte, welche von oben meist nur schwer zu erkennen sind.

Und während ich im strömenden Regen an der Haltestelle auf meine Bahn warten muss, wird mir ein großer Vorteil des zukünftigen Stadtbahntunnels bewusst: In Zukunft haben wir die Möglichkeit, dies im Trockenen zehn Meter unter der Erde zu tun. 

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