Karlstor Einzelhändler
Boutique.Besitzer Marc Ephraim im Gespräch mit ka-news.de-Redakteurin Melissa Betsch.
Bild: Hammer Photographie
Einzelhändler ärgern sich über Mega-Baustelle Karlstor: "Eine wichtige Arterie der Stadt ist verstopft!"
Karlsruhe
17.02.2020 06:06
Die Karlsruher Einzelhändler an der Karlstraße sind empört: Ab April soll quasi direkt vor ihrer Haustür eine weitere Baustelle der Kombilösung Einzug halten und den Bahn- und Autoverkehr rund ums Karlstor lahmlegen. Die Befürchtung: Die Kunden bleiben aus. Ihre Forderung: Die Stadt soll etwas dagegen unternehmen.

Langsam aber sicher bewegten sich die Bagger immer weiter in Richtung Westen, direkt auf das Karlstor zu - nun hat der Bau des unterirdischen Autotunnels die Kreuzung südlich des Europaplatzes nahezu völlig in Beschlag genommen: Seit Ende Januar kommen Autofahrer nur noch über einen "Wender" genannten Umweg von Norden nach Süden über das Karlstor, ab dem 1. April wandert die Sperrung auf die Gegenfahrbahn.

Die Kombilösung hat nun das Karlstor erreicht. Der Bahnverkehr in der Karlstraße (Nord-Süd-Richtung) wird im Zuge dessen zeitweise eingestellt werden. Bild: Carmele/ TMC-Fotografie

Ab dem 20. April steht bis voraussichtlich September auch der Schienenverkehr über die Kreuzung und in der Karlstraße still, danach sollen die Bahnen - wie zuvor schon am Mendelssohnplatz - über Hilfsbrücken rollen. Mitte nächsten Jahres folgt die zweite Sperrung der Gleise, bevor die Pendler Ende 2021 endlich über die neue Kreuzung Karlstor fahren können.

Der Bahnverkehr in der Karlstraße wird in den kommenden Monaten eingestellt werden. Bild: Hammer Photographie

"Wir hoffen, dass wir über die Krise hinwegkommen"

Was zunächst nur Radler, Autofahrer und Fußgänger zu spüren bekommen haben, macht nun aber zunehmend auch den Einzelhändlern in der Karlstraße und der Südlichen Waldstraße Sorgen. Einer von ihnen ist Bernd Reif, Inhaber eines Modegeschäfts auf der Karlstraße, in direkter Angrenzung zur Baustelle am Karlstor.

Boutique-Besitzer Bernd Reif. Bild: Hammer Photographie

Die anstehenden Sperrungen machen ihm Angst, wie er im Gespräch mit ka-news.de erklärt. "Weil wir nicht hundertprozentig wissen, wie die Verkehrsführung aussehen wird." Auch seine Kunden hätten schon Bedenken geäußert.

Bernd Reif hat sein Modegeschäft in direkter Nähe zum Karlstor in der Karlstraße. Bild: Melissa Betsch

Reif befürchtet Umsatzeinbußen - wie hoch genau, könne er aber noch nicht abschätzen. "Wir hoffen, dass wir über die Krise hinwegkommen werden, aber die Verkehrsführung schreckt einfach viele ab", sagt er im Interview.

Das ganze Interview mit Bernd Reif im Video:

"Baustellenführung ist gefährlich"

Kritik an den anstehenden Baumaßnahmen erhebt auch Marc Ephraim, Boutique-Besitzer in der benachbarten Südlichen Waldstraße und 1. Vorsitzender der Freien Wähler (FW) Karlsruhe.

Marc Ephraim führt ein Modegeschäft in der Südlichen Waldstraße. Bild: Hammer Photographie

 "Gerade Schüler und ältere Menschen sind durch die Baustellenführung im Kreuzungsbereich extrem gefährdet. Hier besteht definitiv noch Nachholbedarf seitens der Stadt", erklärt er im Gespräch mit ka-news.de.

Schlechte Kommunikationspolitik: Kritik an Stadt

Insgesamt ist Ephraim von der Kommunikationspolitik des Rathauses und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), also der Bauherrin der Kombilösung, enttäuscht. "Bis Ende Januar ist diesbezüglich nichts passiert."

Und weiter: "Es gab keine direkte Ansprache an die Bürger, obwohl wir das gegenüber der Ersten Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz mehrmals angesprochen haben", sagt der FW-Vorsitzende im ka-news.de-Interview. Die Stadt müsse ihre Planungen daher noch einmal genauer und vor allem rechtzeitiger kommunizieren. 

Das ganze Interview mit Marc Ephraim im Video:

"Wir müssen uns schon sehr anstrengen, um das auszugleichen"

Denn, so fürchtet Marc Ephraim: Ohne transparente Planung und attraktive Verkehrsführung bleiben potentielle Kunden fern - und schnell sähen sich die Einzelhändler rund um die Karlstraße mit Existenzängsten konfrontiert.

"Es ist fast so, dass damit eine wichtige Arterie der Stadt verstopft ist. Wir sind schließlich von den Menschen abhängig, die mit dem Auto zu uns kommen - aber die Fahrt sollte kein Hindernislauf sein", so der Geschäftsführer eines Modegeschäfts im Gespräch mit ka-news.de.

Fahrräder, Autos, Bahnen - auf der Karlstor-Kreuzung muss der Verkehr aktuell etwas enger zusammenrücken. Bild: Hammer Photographie

"Aber es ist ein Teufelskreis: Wenn die Karlsruher nicht herkommen, kommen die Leute aus dem Umland erst recht nicht in die Stadt!", ergänzt er. Karlsruhe Ruf als Baustellenstadt, findet Ephraim bedenklich. Zusammen mit den Interessensgemeinschaften Südliche Waldstraße und Karlstraße will er sich dafür stark machen, "dass die Menschen sich hier willkommen und wohl fühlen".

"Wir müssen uns schon sehr anstrengen, um das auszugleichen", sagt auch Galeriebesitzer und Mitglied der Interessensgemeinschaft Südliche Waldstraße, Joachim Elwert. "Wir veranstalten zwar Feste und Aktionen, haben aber trotzdem Angst, dass die Menschen zu verunsichert sind und fernbleiben."

Joachim Elwert hat eine Kunstgalerie in der Südlichen Waldstraße. Bild: Hammer Photographie

Kasig kann Kritik nicht verstehen

Dass das Karlstor eine "belebte Kreuzung und die Lösung nicht optimal ist", weiß auch Kasig-Sprecher Achim Winkel. Er hat vollstes Verständnis für die Sorgen der Händler: "Wir wollen ja nicht, dass jemand deswegen sein Geschäft schließen muss." Aber: "Der aufkommenden Kritik bezüglich fehlender Kommunikation möchte ich mich entschieden entgegenstellen!", sagt er im Gespräch mit ka-news.de.

So hätten bereits zwei Informationsveranstaltungen im November und Dezember zur anstehenden Baustelle stattgefunden. "Es gab einen angeregten Austausch mit Händlern und Dienstleistern, alle Maßnahmen wurden kommuniziert, begründet und konnten eingesehen werden", erklärt Winkel gegenüber ka-news.de.

Achim Winkel, Sprecher der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig). Bild: Tim Carmele

Unter den aktuellen Umständen sei die vorgestellte Lösung nach Ansicht des Kasig-Sprechers der beste Kompromiss. Aufforderungen zu Entschädigungszahlungen für eventuelle Umsatzeinbußen seien bisher noch keine eingegangen, einreichen können unabhängige Einzelhändler diese allerdings jederzeit online. Auch ein Vorschuss sei dabei möglich.

"Vielleicht verläuft die Baustellenzeit auch ganz reibungslos, das wäre umso schöner"

Wirklich zufrieden ist Marc Ephraim mit der bisherigen Situation aber noch nicht. "Nach zehn Jahren Baustelle sollte man da doch mehr Erfahrung haben, aber die Realität zeigt, dass hier noch einiges getan werden muss", sagt er, ergänzt aber: "Wir blicken trotz allem hoffnungsvoll in die neue Saison."

Marc Ephraim, Bernd Reif und Joachim Elwert (v. l.) kritisieren die Baustellen und Sperrungen am Karlstor. Bild: Hammer Photographie

Und wer weiß: "Vielleicht verläuft die Baustellenzeit auch ganz reibungslos, das wäre natürlich umso schöner", so Ephraim im Gespräch mit ka-news.de, "wir müssen eben nur dafür sorgen, dass es nicht noch schlimmer wird, als es jetzt schon ist."

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