Stau auf der Kriegsstraße
Bild: ka-news
Eine Kreuzung mit Hindernissen: Wie viel Verkehrschaos steckt im Karlstor?
Karlsruhe
09.04.2019 19:28
Die Karlsruher sind verwirrt: Die Baustelle der Kombilösung am Karlstor bringt den Verkehr in der westlichen Innenstadt gehörig durcheinander: Ein U-Turn ist nicht da, wo er sein sollte, wegfallende Fahrbahnen sorgen für Rückstau auch außerhalb der Pendlerzeiten und wo darf man eigentlich noch wie abbiegen - läuft hier wirklich alles wie geplant? Der städtische Baustellenmanager sagt: Nicht ganz, aber eine Katastrophe ist es auch nicht.

Am Montag haben offiziell die Bauarbeiten für den Autotunnel der Kombilösung am Karlstor begonnen. Die Unterführung der Kriegsstraße wurde endgültig geschlossen und oberirdische Umleitungen eingerichtet. Bereits Ende vergangener Woche kam es verkehrsbedingt zu ersten Einschränkungen - denn die neuen Fahrbahnen wollten eingerichtet werden.

Bei den Karlsruhern stiftet die Situation am Karlstor offenbar große Verwirrung. So suchte ein ka-Reporter vergeblich nach dem östlichen U-Turn und ka-news-Kommentator mueck scheint ebenfalls verwirrt hinsichtlich der kleinen Änderungen, die sich bereits vor Montag aufgetan hatten: "Der Wegfall der Rechtsabbiegespur war wohl nur temporär, vorhin war sie jedenfalls wieder da ..." 

Wie viel Verkehrschaos steckt im Karlstor?

Doch wie ist die neue Lage am Karlstor wirklich? ka-news hat den Test gemacht und sich am Dienstagmittag selbst mit dem Auto durch das Baustellengewirr begeben. Und schon auf dem Weg zum Karlstor wird schnell klar: Obwohl es erst früher Nachmittag ist, kommt starkes Feierabendverkehr-Feeling auf - bereits auf Höhe der Ritterstraße Richtung Karlstor reihen sich die Stoßstangen aufgrund der einspurigen Fahrbahnverengung aneinander.

 

Wo ist der U-Turn Ost?

Angekommen am Karlstor erweist sich die Situation dann aber doch übersichtlicher als zuerst gedacht: Rechtsabbiegen und Geradeausfahren klappt in alle Richtungen. Der U-Turn West auf Höhe der Hirschstraße funktioniert auch einwandfrei. So weit so gut - doch tatsächlich - genau wie der ka-Reporter zuvor fragen wir uns: Wo ist der U-Turn Ost an der Ritterstraße?

 

Vor Ort finden wir ihn nicht - zurück im Büro kann uns Achim Winkel, Pressesprecher der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) die Antwort geben: "Der U-Turn wird ab Mittwoch in Betrieb genommen", so Winkel im Gespräch mit ka-news.

Er ist da: Der U-Turn Ost nahe der Ritterstraße wurde am Mittwoch eingerichtet. Bild: Melissa Betsch

Baustellenmanager Lohmeyer: Umbauten brauchen Zeit

Dass die Baustelle am Karlstor für große Verwirrung sorgt, kann Jürgen Lohmeyer, Baustellenmanager des Tiefbauamts, gut nachvollziehen. "Dass es hier klemmen wird, war uns klar", erklärt er im Gespräch mit ka-news. Es sei schließlich eine große Umstellung für Verkehrsteilnehmer jeglicher Art, von Autofahrern über Radfahrer und Fußgänger bis hin zur Straßenbahn. Hier sei nach Angaben Lohmeyers eine gegenseitige Absprache nötig und auch wichtig.

Kreuzung Kriegsstraße Karlstraße
Linksabbiegen wird an dieser Kreuzung ab Montag nur noch möglich sein, wenn man von der Innenstadt kommt. Bild: Sophia Wagner

"Das Karlstor ist ein komplexer Verkehrsknoten der Stadt, der von allen Seiten einen ordentlichen Verkehrsschub bekommt", meint der Baustellenmanager. Solche Umbauten bräuchten eben auch einen großen Anlauf, da könne nichts von heute auf morgen geschehen. "Zaubern kann kein Handwerker", meint Lohmeyer gegenüber ka-news.

"Die Situation ist weder eine ganz große Katastrophe, noch verläuft alles reibungslos"

Damit der Verkehr während der Bauzeit am Karlstor flüssig laufen kann, seien nach Aussage des Baustellenmanagers viele einzelne vorbereitende Maßnahmen nötig, die nach einer festen Reihenfolge abgearbeitet werden. Hierzu sei eine konsequente Zusammenarbeit aller Beteiligten essentiell, zudem werde mehr auf Qualität als auf Schnelligkeit geachtet.

Jürgen Lohmeyer
Jürgen Lohmeyer vom Tiefbauamt Karlsruhe stellt die neuesten Baumaßnahmen in Karlsruhe vor Bild: Julia Baege

"Die Situation ist weder eine ganz große Katastrophe, noch verläuft alles reibungslos. Natürlich benötigt es seine Zeit, bis sich alles eingependelt hat", sagt er. "Da müssen wir geduldig sein. Wir beobachten die Verkehrsführung intensiv und werden bei Bedarf an Problemstellen ausbessern."

Eine Großbaustelle direkt vor der Nase

Doch nicht nur die Geduld der Verkehrsteilnehmer wird während der Bauarbeiten am Karlstor auf die Probe gestellt, auch die dort ansässigen Geschäfte spüren die Auswirkung der Baustelle vor ihrer Tür. So auch das Hotel "Gästehaus Am Karlstor", welches sich direkt an der Baustellenkreuzung befindet.

Das Gästehaus am Karlstor. Bild: Melissa Betsch

Hier haben sich vereinzelte Gäste über die Lautstärke beschwert, gerade in den Zimmern mit Blick zur Straße, erklärt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage von ka-news. Um weniger Zulauf mache sich das Gästehaus dank zentraler Lage aber keine Gedanken.

Auch Normann Schmidt, Geschäftsführer der Immobilienfirma Engel & Völkers, die sich direkt an der Karlstor-Kreuzung befindet, bekommt den Geräuschpegel zu spüren: "Hin und wieder kann das schon störend sein. Doch wir haben uns bereits im Vorhinein darauf eingestellt, dass es lauter werden wird", so Schmidt gegenüber ka-news.

Normann Schmidt
Normann Schmidt, Geschäftsführer von Engel & Völkers Karlsruhe. Bild:

Karlstor erst Ende 2021 wieder baustellenfrei

Auch wenn die Baustelle sowohl Verkehrsteilnehmer als auch ansässige Geschäfte vor Hürden stellt: Mit dem bisherigen Baufortschritt zeigt sich Jürgen Lohmeyer trotz allem sehr zufrieden. "Es läuft alles nach vorgesehenem Zeitplan", meint er gegenüber ka-news.

Bis es am Karlstor aber wieder richtig rund läuft und die Bauzäune von der Kreuzung verschwinden, müssen sich die Karlsruher noch gedulden: Nach Angaben der Kasig werden die Bauarbeiten erst mit der  Fertigstellung der Kombilösung Ende 2021  abgeschlossen sein.

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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