Beim Brand im Streichelzoo starben alle 26 Tiere.
Beim Brand im Streichelzoo starben alle 26 Tiere.
Bild: dpa
Vor 5 Jahren brannte der Zoo: Wie sieht es heute mit Brandschutz aus?
Karlsruhe
02.05.2015 06:00
Es war wohl die größte Katastrophe, die sich im Karlsruher Zoo in den letzten Jahren ereignete: 2010 gerieten Stallungen im Streichelzoo in Brand, 26 Tiere starben in den Flammen. Fünf Jahre ist das inzwischen her. Ist die Brandursache inzwischen eindeutig geklärt? Und welche Konsequenzen zog man beim Karlsruher Zoo nach dem verheerenden Großbrand?

Es geschah an einem Samstag in den frühen Morgenstunden: 2010 brannte das Streichelgehege im Karlsruher Zoo mit einem Mal lichterloh. In den Unterkünften befanden sich Walachenschafe, Afrikanische Zwergziegen, Alpakas, Shetlandponys sowie Sardische Zwergesel - für 26 Tiere kam jede Hilfe zu spät. "Uns Zooleute hat ein Schock und eine große Betroffenheit erfasst", beschrieb die damalige Zoodirektorin Gisela von Hegel, die mit Pflegern wenige Minuten nach Brandausbruch vor Ort war, die Situation.

Brandursache noch immer nicht geklärt

Die Suche nach der Brandursache gestaltete sich damals schwierig. Der Grund: Die schwere Brandzehrung und der Grat der Zerstörung erschwerten die Arbeit des damals eingesetzten Brandsachverständigen. "Es wurde in alle Richtungen ermittelt, aber eine eindeutige Klärung gab es nicht, da alles in Schutt und Asche lag", erklärt eine Polizeisprecherin auf Nachfrage von ka-news.

Bis heute ist damit nicht eindeutig geklärt, wie die Stallungen in Brand gerieten. "Die Untersuchungen führten zu keinem eindeutigen Ergebnis", so die Stadtsprecherin im Gespräch mit ka-news.  Die damals siebenköpfige Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei fand 2010 keine Hinweise auf eine vorsätzlich begangene Brandstiftung.

"Im Rahmen der Begutachtung der Brandörtlichkeit ergaben sich für den Sachverständigen hingegen Hinweise, die einen technischen Defekt als Ursache für das Feuer wahrscheinlich erscheinen lassen", heiß es damals vonseiten der Beamten. Demnach könnte der Brand seinen Ursprung in einem Teilbereich der Elektroinstallation an zentraler Stelle des Stallkomplexes gehabt haben. "Gänzlich wird sich das aber nie klären lassen", so die Pressesprecherin der Stadt Karlsruhe.

Welche Konsequenzen wurden nach dem Zoobrand gezogen?

Und wie soll verhindert werden, dass sich eine solche Tragödie wiederholt? Direkte Konsequenzen habe man durch die fehlende Brandursache nicht ziehen können, meint die Stadtsprecherin. So gab es beispielsweise keine zusätzlichen Schulungen für Mitarbeiter. Die Erklärung: Beim Personal hätten sich keine Defizite in Sachen Sicherheit gezeigt - ganz im Gegenteil: "Die Tierpfleger haben sich sehr umsichtig verhalten. So umsichtig, dass durch ihr Verhalten Tiere gerettet werden konnten."


Großbrand im Karlsruher Zoo

Nach ersten Schätzungen dürfte der Schaden mehrere hunderttausend Euro betragen. Im Einsatz waren mehr als 100 Feuerwehrleute. Auch am Samstagvormittag musste die Feuerwehr noch Glutnester im Dickhäuterhaus löschen. Der Zoo blieb zunächst geschlossen, soll aber bereits am Sonntag wieder seine Pforten öffnen.

Das bedeute allerdings nicht, dass Sicherheit und Brandschutz im Zoo kein Thema wären. "Sicherheit ist eine Selbstverständlichkeit", erklärt die Sprecherin, "es wird alles getan, um mögliche Gefahrenlagen auszuschließen." Auch bei der Frage nach einem neuen Leitbild des Zoologischen Stadtgartens spiele Sicherheit eine Rolle.

In ämterübergreifenden Projektgruppen will die Stadtverwaltung hier eine ganzheitliche Analyse des Zoos vornehmen und aktuelle Rahmenbedingungen und Anforderungen, die sich seit der Festlegung des 2007 vom Gemeinderat beschlossenen Zookonzepts geändert haben, berücksichtigen. Vor allem im Zusammenhang mit Baukonzepten für Gebäude spiele Brandschutz eine wichtige Rolle, so die Sprecherin weiter. "Die aktuellen Richtlinien sind hier das Maß der Dinge, da gehört auch der Brandschutz dazu. Das gehört zu den üblichen Standards."

Chronik des Zoobrands:

13. November 2010: Um 4.07 steht der Streichelzoo bereits komplett in Flammen. 26 Tiere sterben. Das Streichelgehege wird vollständig, das Elefantenhaus teilweise zerstört.

15. November: Das Feuerdrama erschüttert Karlsruhe. Die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung für einen neuen Streichelzoo ist hoch.

16. November: Oberbürgermeister Heinz Fenrich erklärt: Der Streichelzoo wird wieder aufgebaut. Rund 1,5 Millionen Euro soll das kosten. Eröffnung soll im Sommer 2011 sein.

17. November: Auch den ka-news-Leser liegt der Zoo am Herzen. Laut einer Online-Umfrage wollen 50,29 Prozent der Teilnehmer spenden.

19. November: Die Polizei geht von einem technischen Defekt als Brandursache aus. Für Brandstiftung gibt es keine Hinweise.

9. Dezember: Bei den Zoofreunden sind bisher 520.000 Euro Spenden eingegangen.

3. Februar 2011: Die Genesung der bei dem Brand verletzten Elefanten macht gute Fortschritte.

12. Februar: Der neue Streichelzoo nimmt Gestalt an. Die Stadt plädiert auf eine schnelle Umsetzung. Der Zoo soll noch in den Sommerferienfertig sein.

9. März: Das Elefantenhaus ist wieder für Besucher geöffnet. Ende März: Ein provisorischer Interims-Streichelzoo wird beim Raubtierhaus eröffnet.

13. Mai: Spatenstich für den Neubau des Streichelzoos bei der Schwarzwaldhalle. Rund 800.000 Euro Spenden wurden bisher für den Wiederaufbau gesammelt.

August: Die Bauarbeiten verzögern sich. Der neue Streichelzoo ist noch nicht fertig.

17. September: Geplante Eröffnung des neuen Streichelzoos

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