Bild: ka-news
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Brand im Karlsruher Zoo: Ursachensuche hat begonnen
Karlsruhe
15.11.2010 15:40
Am Montagmorgen hat um 10.30 Uhr eine mehrstündige Brandschau im Zoo Karlsruhe begonnen. Die Kriminalpolizei Karlsruhe, sowie ein externer Brandschutzbeauftragter starteten die Suche nach Hinweisen, um die Brandursache des Großbrandes im Streichelgehege zu klären. Jürgen Schöfer, Pressesprecher der Polizei, informierte ka-news vor Ort über den aktuellen Stand der Ermittlungen.
Vergangenen Samstag starben 26 Tiere des Streichelgeheges im Karlsruher Zoo. In den frühen Samstagmorgenstunden versuchten Feuerwehr und Polizei zu retten was noch zu retten war. Die Elefanten und Flusspferde überlebten durch eine spektakuläre Rettungsaktion in letzter Minute. Doch für Ponys, Ziegen, Schafe, Esel und Alpakas kam jede Hilfe zu spät. Wie kann so eine Katastrophe nur geschehen, fragt man sich. Die Kriminalpolizei Karlsruhe, sowie ein externer Brandschutzbeauftragter versuchen diese Frage nun zu beantworten.

 

"Selbstentzündung ausgeschlossen"

Die Ermittlungen erstrecken sich in alle Richtungen. Jeder Millimeter, jedes verbrannte Holzstück wird genau untersucht. Nach dem Ausschlussverfahren versuchen die Ermittler die Brandursache herauszufinden. "Laut den Experten wird inzwischen eine Selbstentzündung ausgeschlossen", informiert Schöfer.  "In den Stallungen gab es auch Elektrik, der Brand könnte durch einen technischen Defekt ausgelöst worden sein, allerdings kann man eine Brandstiftung auch nicht ausschließen", so Schöfer weiter.

Durch die Befragungen der Anwohner des Karlsruher Zoos, die bereits am Wochenende stattfanden, kamen nach Angaben der Polizei keine konkreten Hinweise zur Brandursache heraus. Auch ein Zusammenhang mit in der Nähe des Zoos brennenden Mülleimern konnte noch nicht bestätigt werden. 

"Dadurch, dass die Feuerwehr das brennende Gehege löschen musste, ist der Brandort stark verändert", erklärt der Pressesprecher weiter. Der daher "eher schwere Brandort" wird nun sehr sorgfältig von den Ermittlern untersucht. "Voraussichtlich sind noch genauere Analysen von einzelnen, verbrannten Dingen notwendig, bewertet Schöfer den aktuellen Ermittlungsstand durch seine langjährige Erfahrung.

Tagesroutine gegen Trauer und Schmerz

Die Karlsruher Zoodirektorin, Gisela von Hegel ist noch schwer getroffen von dem Unglück. Drei der vier geretteten Elefantendamen sind noch nicht über den Berg: "Wir haben die Tiere im Detail untersucht. Sie weisen massive Hautverletzungen auf", berichtet von Hegel. Die Wunden werden örtlich behandelt, die Tiere erhalten eine Schmerztherapie und werden antibiotisch behandelt, um eine Sekundärinfektion zu vermeiden. Mit großem Aufwand muss auf die Stallhygiene geachtet werden. Denn zum normalen Verhalten der Elefanten gehört es, sich selbst mit Sand oder auch Wasser zu bewerfen, um die Haut kühlen. Ein Verhalten, das auch jetzt bei den verletzten Tieren zu beobachten ist.

Die Elefanten, die zeitweise zum Rundgang auf die Außenanlage gelassen werden, müssen daher im Stall sofort abgeduscht und desinfiziert werden. "Die Tagesroutine ist besonders wichtig für die Dickhäuter, nur so kann ihr psychisches Wohlbefinden stabilisiert werden", erläutert die Direktorin des Karlsruher Zoos.

Von Hegel weißt auch auf den enormen Einsatz der Pfleger hin. "Ich bin sehr froh über den direkten Kontakt, den die Pfleger zu den Tieren aufgebaut haben. Wäre dieser nicht da, so hätten wir sie vermutlich nicht rechtzeitig aus dem Elefantenhaus retten können. Auch die jetzige Versorgung der Wunden wäre problematisch geworden", erklärt Frau von Hegel.

Unglücksstelle weiterhin geschlossen

Das Elefantenhaus wurde durch den Brand erheblich beschädigt; dennoch können die vier Elefanten momentan dort leben. "Der vollständige Schaden des Streichelgeheges sowie des Elefantenhauses wurde noch nicht ermittelt. Doch es werden viele Reparaturen nötig sein", so von Hegel. Über die Zukunft des Streichelgeheges will und kann die noch geschockte Zoodirektorin nichts konkretes sagen. "Der Schock und die Trauer müssen erst noch verdaut werden."

Wie die Stadt in einer Sondermitteilung erklärt, bleibt die Unglücksstelle einschließlich des Dickhäuterhauses sowie die Tiergartenbrücke weiterhin für die Öffentlichkeit geschlossen. Vor Eintritt in die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung möchte Oberbürgermeister Heinz Fenrich am Dienstag über den aktuellen Stand der Ermittlungen berichten.

Spendenkonten:

Zoofreunde e. V.
Verwendungszweck "Soforthilfe Streichelzoo"

Badische Beamtenbank
BLZ: 660 908 00
Konto-Nummer: 34753291

Sparkasse Karlsruhe
BLZ: 660 501 01
Konto-Nummer: 13000005

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Nach ersten Schätzungen dürfte der Schaden mehrere hunderttausend Euro betragen. Im Einsatz waren mehr als 100 Feuerwehrleute. Auch am Samstagvormittag musste die Feuerwehr noch Glutnester im Dickhäuterhaus löschen. Der Zoo blieb zunächst geschlossen, soll aber bereits am Sonntag wieder seine Pforten öffnen.

 

 


Karlsruher Zoo: Suche nach der Brandursache

Auf der Tiergartenbrücke Zum Gedenken an die verstorbenen Tiere wurden Rosen niedergelegt. Nur die Tauben konnten sich vor dem Feuer retten. Doch ihr "Zuhause" wurde zerstört.

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