Ditib Türkay Bolat
Bild: ka-news/privat
Die Ditib-Moschee wird gebaut, aber: "Wir hätten uns einen reibungsloseren Ablauf gewünscht", sagt Sprecher Türkay Bolat
Karlsruhe
11.10.2019 10:02
Bekommt die Ditib-Gemeinde eine neue Moschee? Über diese Frage wurde jahrelang diskutiert und sogar gestritten, doch nun steht fest: Ja, die Stadt Karlsruhe hat die Baugenehmigung erteilt. Die Bagger könnten also schon bald rollen - was das für die Gemeinde bedeutet, wie sie mit der Parkplatzsituation umgehen und ob die immer wiederkehrende Kritik an dem Bauprojekt vermeidbar gewesen wäre - ka-news.de hat Ditib Karlsruhe-Sprecher Türkay Bolat gefragt.

Drei Geschosse, Platz für 700 Menschen, ein Versammlungsraum für 300 Gläubige, eine 17 Meter hohe Kuppel und ein Minarett mit 28 Meter Höhe: Das soll die neue Moschee des Türkisch Islamischen Kulturvereins (Ditib) in der Karlsruher Oststadt werden - wenn man sie in nüchternen Fakten betrachtet. 

Für die Mitglieder der Gemeinde bedeutet der Neubau in der Käppelestraße, der von Oberbürgermeister Frank Mentrup am Dienstag im Hauptausschuss offiziell genehmigt wurde, aber weitaus mehr: "Die Vision einer neuen Moschee war der Wunsch unserer Mitglieder. Wir sind sehr froh, dass wir den nächsten Schritt in Richtung Baubeginn gehen konnten", sagt Türkay Bolat, Sprecher der Ditib Karlsruhe, im Gespräch mit ka-news.de.

Türkay Bolat
Bild: privat

Erste Planungen starteten schon 2013



Die Freude: verständlich, wenn man bedenkt, wie lange die Glaubensgemeinschaft auf diesen Tag hatte warten müssen: Bereits im Jahr 2013 war der Wunsch nach einem neuen Gotteshaus in der Oststadt laut geworden, doch die Verhandlungen scheiterten. 2016 dann ein neuer Vorstoß: Das Gebäude soll nun in Mühlburg entstehen, die Pläne sorgten allerdings für reichlich kommunalpolitische Streitigkeiten. Der nächste Ansatz: Die Moschee soll nun doch in der Oststadt gebaut werden, auf dem Ditib-eigenen Gelände in der Käppelestraße.

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So könnte der Neubau der Zentralmoschee in der Oststadt aussehen. Bild: ka-news/juw/anb

Der Bauantrag folgte Anfang 2018 und schließlich - über eineinhalb Jahre später - hat die Stadtverwaltung nun die Baugenehmigung erteilt. "Der für die Genehmigung erforderliche Verkehrsgutachter konnte durch den benachbarten Ikea-Neubau nicht sofort anfangen, sondern musste erst die dort neu entstehenden Verkehrsströme abwarten", erklärt Bolat die lange Dauer des Verfahrens. 

"Ich sehe das nicht als Streit, sondern als Erfahrungswert"

Verärgert über das jahrelange Hin und Her sowie die Streitigkeiten über den Moschee-Neubau ist der Ditib-Sprecher aber nicht. "Ich sehe das nicht als Streit, sondern als Erfahrungswert. Wir waren vielleicht nicht immer der gleichen Meinung und hätten uns natürlich einen reibungsloseren Ablauf gewünscht, aber dadurch sehen wir keinen negativen Effekt", meint er gegenüber ka-news.de. "Letztendlich zählt: Wir haben Kompromisse verwirklichen können und sind froh, dass das Projekt für alle gut ausgegangen ist."

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So soll die neue Moschee in der Käppelestraße aussehen. Bild: ka-news/juw/anb

Mit "alle" meint Türkay Bolat in diesem Fall auch die Verkehrsteilnehmer in der Oststadt, denn: Obwohl die Moschee künftig 700 Gläubigen Platz bieten, jedoch nur 32 Parkplätze ausgewiesen werden sollen - ein "Park-Chaos" befürchtet er nicht: "Nur zwei Mal im Jahr feiern wir Bayram (die türkische Bezeichnung für Feiertage, Anm. d. Red.), wir erwarten also nicht jeden Tag 700 Besucher auf einmal", sagt er.

Gibt es zu wenig Parkplätze?

Und sollten die 32 Stellplätze nicht ausreichen, würden die Mitglieder auf die Straßen rund um die Moschee ausweichen oder mit dem Fahrrad sowie dem ÖPNV anreisen. "Wir pflegen auch gute Kontakte mit unseren Nachbarn", so Bolat weiter und ergänzt: "Das machen wir seit Jahren so und da gab es noch nie Probleme."

Moschee Käppelestr. 3
Das Ditib-Gemeindehaus in Karlsruhe. Bild: Reiff

Einem baldigen Baustart sollte nun also eigentlich nichts mehr im Wege stehen, oder? Noch nicht ganz, so der Ditib-Sprecher. Vorher müssten noch zwei wichtige Fragen geklärt werden: "Wo beten wir während der Bauphase und wie bewältigen wir die Finanzierung?" Sechs Millionen Euro soll die neue Moschee kosten, hier gebe es aber schon Lösungsansätze: "Wir werden einen Finanzierungskredit benötigen, haben aber über die Jahre bereits einiges an Eigenleistungen angespart und Spenden von Mitgliedern gesammelt", sagt Türkay Bolat.

Sobald diese beiden Fragen geklärt sind, können die Bagger aber rollen: "Wir haben zur Zeit erst einen groben Zeitplan. Aber ein Baustart im nächsten Frühjahr - das ist nun unsere Vision."


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