Landwirt Matthias Becker
Bild: Melissa Betsch
Neuer Radschnellweg nach Ettlingen entsteht - das ärgert die Landwirte
Karlsruhe
31.07.2020 06:00
Die Städte Karlsruhe und Ettlingen sowie das Regierungspräsidium Karlsruhe (RP) planen einen rund fünf Kilometer langen Radschnellweg von der Fächerstadt nach Ettlingen. Am Donnerstag wurde die Planungsvereinbarung unterzeichnet. Doch was die Radfahrer glücklich machen wird, stößt bei Landwirten auf umso größeren Ärger: Sie fürchten um das Landschaftsschutzgebiet, durch das sich die Strecke künftig ziehen könnte.

Was besonders morgens und abends in der Rush Hour für Autos gilt, gilt für Fahrradfahrer gleichermaßen: Ampeln, Kreuzungen und enge Straßen machen ein entspanntes Vorwärtskommen nur schwer möglich. Daher will Karlsruhe sein Radwegenetz um mehrere Radschnellverbindungen erweitern. Diese sollen mit einer Mindestlänge von fünf Kilometern, einer regulären Breite von vier Metern und einer asphaltierten Strecke ohne lästige Kreuzungen und Hindernisse das Radeln auf längeren Distanzen attraktiver und einfacher machen - und so mehr Menschen zum Umstieg von vier auf zwei Rädern ermuntern.

Bis zu 8.000 Radfahrer pro Tag sollen zwischen Karlsruhe und Ettlingen unterwegs sein

Für den ersten dieser Radschnellwege beginnt jetzt die Planung. Er soll bis zirka 2025 zwischen Ettlingen und Karlsruhe entstehen. Dass ausgerechnet diese Verbindung realisiert wird, hat einen Grund: Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein hat in einer Machbarkeitsstudie Anfang 2019 mehrere Strecken untersucht und auf sechs strahlenförmige Trassen sowie eine Ringroute um die Fächerstadt herum festgelegt - und der Route nach Ettlingen Vorrang eingeräumt, denn: Sie ist die am stärksten frequentierte Strecke.

"Für den Bau eines Radschnellwegs müssen täglich 2.000 Radfahrer eine Strecke nutzen. Zwischen Ettlingen und Karlsruhe zählen wir schon jetzt das Doppelte", erklärt der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup am Donnerstag. "Sobald die Verbindung ausgebaut ist, rechnen wir mit bis zu 8.000 Radfahrern pro Tag."

Bund fördert Planung

In einem ersten Schritt hat er mit seinem Ettlinger Amtskollegen Johannes Arnold und Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder nun am Donnerstag die Planungsvereinbarung unterzeichnet. "Es ist ein Startschuss für ein wertvolles Gemeinschaftsprojekt", sagt Felder. Wo die Strecke letztendlich genau verlaufen wird, ist noch offen.

Ettlingens OB Johannes Arnold (l.), Frank Mentrup und Sylvia M. Felder bei der Unterzeichnung der Planungsvereinbarung. Bild: Melissa Betsch

Sicher aber ist: Schätzungsweise rund fünf Millionen Euro wird der Radschnellweg an Investitionskosten verschlingen, hinzu kommen Kosten bei der Umsetzung. 13 Prozent der Planungskosten entfällt dabei auf die beiden Städte außerhalb der Gemarkungen trägt das RP die Kosten, welche vom Bundesverkehrsministerium mit rund 300.000 Euro gefördert wird. Weitere Förderungen durch Bund und Land seien während der Umsetzung denkbar.

Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder Bild: Melissa Betsch

Oberbürgermeister Mentrup ist von der dringlichen Realisierung des Projekts überzeugt: "Wir verzeichnen täglich etwa 140.000 Ein- und Auspendler. Nur 2,5 Prozent davon sind Radfahrer", erklärt er. "Es muss im Interesse der Bürger liegen, dass wir die Infrastruktur weiter ausbauen."

"Nicht zu Lasten des Naturschutzes!"

Doch das trifft wohl nicht auf jeden zu, bereits jetzt hat das Projekt Gegner: "Ich fahre selbst Fahrrad und freue mich, wenn man künftig einfacher nach Karlsruhe kommt - allerdings nicht zu Lasten des Naturschutzes", sagt Matthias Becker. Er ist Mitglied des Bürgervereins Rüppurr und Landwirt. Seine Sorge: Der künftige genaue Trassenverlauf der Radschnellroute, denn dieser ist bisher noch nicht festgelegt.

Landwirt Matthias Becker Bild: Melissa Betsch

Nur eine mögliche grobe Vorzugsvariante wurde vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein in seiner Machbarkeitsstudie aufgezeigt - und die würde neben den Punkten Bahnhof Ettlingen-West und Weiherfeldbrücke auch die Rüppurrer Felder queren - für Matthias Becker ein Ding der Unmöglichkeit.

Verantwortliche planen Bürgerbeteiligung 

"Bisher arrangieren wir Landwirte uns mit den Radfahrern auf dem bestehenden Radweg - allerdings sollen jetzt noch einmal vier Meter Breite dazugeteert werden. Eine Versiegelung der Fläche eines Landschaftsschutzgebietes - das kann man in der heutigen Zeit nicht mehr gutheißen", sagt er. Aus seiner Sicht sei es besser, bestehende Strecken - wie die Herrenalber Straße - für den Radverkehr umzurüsten und einen zusätzlichen Radstreifen zu schaffen.

Sein Wunsch an die Projektverantwortlichen: "Nicht voreingenommen sein, sondern alle möglichen Alternativen prüfen - denn dort schafft man Natur. Hier zerstört man sie." Damit alle Bürger Gelegenheit haben, Sorgen und Anmerkungen rund um das Projekt loszuwerden, planen die Städte zusammen mit dem RP im Laufe der Planungsphase eine Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der gemeinsam mit einem Ingenieurbüro auch der genaue Verlauf des Radschnellwegs festgelegt werden soll.

Frank Mentrup. Bild: Melissa Betsch

"Da es sich hier um eine Hochleistungsverbindung mit großem Flächenverbrauch handelt, erwarte ich Diskussionen in dem Ausmaß, wie wir sie schon bei Straßenbauprojekten geführt haben", sagt Frank Mentrup. Er appelliert daher schon jetzt an alle Bürger, sich darauf einzulassen und Verständnis für die umfassenden Planungen zu haben.

Planung für Radschnellweg nach Rastatt vor dem Start

Bis Anfang 2022 soll die Planungsphase samt Erörterungsterminen und Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen sein. Dann folgt ein Planfeststellungsverfahren, sodass frühestens 2025 mit dem Bau begonnen werden könne. Zeitgleich soll der Radschnellweg an die aktuell in Planung befindliche "Rad-Südtangente" angeschlossen werden.

Links die Vorzugsvariante des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein für den Trassenverlauf. Bild: Melissa Betsch

Und bereits das nächste Projekt steht in den Startlöchern: Nach der Sommerpause wolle man mit den Vorplanungen mit dem Radschnellweg von Karlsruhe nach Rastatt beginnen - die zweite Verbindung in der Machbarkeitsstudie des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein.

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