Rudi Metzler gehörte vor über 30 Jahren zu denjenigen, die das Fest in Karlsruhe auf den Weg brachten.
Bild: Hiegle
"Am Anfang konnte ich mit dem Namen nichts anfangen" - ka-news trifft den Mann, der Das Fest mitgründete
Karlsruhe
11.07.2018 07:05
Er war dabei als "Das Fest" noch in den Kinderschuhen steckte und vorwiegend lokale Bands vor etwa 2.000 Zuschauer spielten: Rudi Metzler ist Herzblut-Musiker und war Anfang der 80er Jahre Mitbegründer des heute größten Festivals im Südwesten. Über 30 Jahre später trifft ka-news-Mitarbeiter Lukas Hiegle den Vollblutmusiker am Mount Klotz und spricht mit ihm über die Entstehung des Fests, seine Leidenschaft für Musik und der Entwicklung des Open-Airs.

Den Ursprung hat Das Fest einem Konzert in der Oststadthalle im Jahr 1983 zu verdanken. Ein Jahr später fand das erste Open-Air mit lokalen Karlsruher Bands statt. Rudi Metzler und Gerd Gruss, die ein Jahr zuvor den Rock Shop in der Fächerstadt gegründet hatten, brachten mit Dieter Moser vom Stadtjugendausschuss (Stja) die Idee auf den Weg. Der ursprüngliche Gedanke war laut Metzler, lokale Karlsruher Bands dem Publikum näher zu bringen.

Die erste Veranstaltung unter dem heutigen Namen gab es 1985 in der Günther-Klotz-Anlage, mit Equipment des Rock Shops und mit nur einer handvoll Aufbauhelfer. "Die rasante Entwicklung war nicht abzusehen", sagt Rudi Metzler heute. Binnen weniger Jahre entwickelte sich das Open-Air zu einem Publikumsmagneten, lockte tausende Besucher an und ist heute ein Fest für die ganze Familie. "Oft kommen drei Generationen gemeinsam zum Fest", erinnert sich Metzler im Gespräch mit ka-news. 

"Am Anfang konnte ich nichts mit dem Namen anfangen"

Die Sehnsucht nach einem Musik-Festival entstand bei Rudi Metzler schon knapp 20 Jahre früher. Die Bundesgartenschau (Buga) 1967 in Karlsruhe hinterließ bei dem damals 16-jährigen Nachwuchsmusiker einen prägenden Eindruck. "Wie schön es wäre, jedes Jahr solch eine Stimmung zu haben, dachte ich mir damals", berichtet Rudi Metzler oben auf dem Mount Klotz - dem legendären Hügel, auf dem in gut zwei Wochen wieder Tausende zu Musik von Simple Minds, Bosse, Materia, Klaas Heufer-Umlauf mit Gloria oder Mando Diao feiern werden.  

Wie Metzler heute rückblickend erzählt, war er von Beginn an von dem Produkt überzeugt - aber nicht von der Verpackung, denn mit dem Namen konnte der heute 66-Jährige zunächst wenig anfangen. "Für mich war der Begriff wenig griffig." Im Laufe der Jahre hat sich das jedoch geändert, inzwischen sei der Name in aller Munde und nicht mehr wegzudenken. 

"Fest"-Mitbegründer Rudi Metzler
Bild: ka-news

"Angst vor schlechtem Wetter war zu Beginn sehr groß"

Ebenso verankert wie der Name ist auch die Location des Karlsruher Open-Air-Events - die "Klotze" im Zentrum der Fächerstadt, am Ufer der Alb gelegen. Der ursprüngliche Wunsch-Ort der damaligen Gründer war der Schlossgarten, erzählt Rudi Metzler im Gespräch mit ka-news. Dies sei aber nicht realisierbar gewesen, da die Fläche Landeseigentum war.

Mit der Parkanlage im Südwesten wollte man sich mit der benachbarten Europahalle eine Hintertür bei Regenwetter offen halten. "Die Angst vor schlechtem Wetter war zu Beginn sehr groß", erinnert sich Rudi Metzler. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich jedoch nie. "Im Nachhinein muss man auch sagen, es wäre ein immenser Aufwand gewesen, die ganze Bühnentechnik neu aufzubauen." Durch die relativ zentrale Lage gingen die Besucher bei regnerischem Wetter immer mal für einige Stunden vom Fest-Gelände zu einem Unterstand und kamen anschließend wieder zurück. 

"In den Anfangsjahren war die Organisation mit großem Stress verbunden, denn das Equipment aus dem Rock Shop musste nach dem Fest noch in der Nacht abgebaut und zurück in den Laden gebracht werden, da am Montagmorgen um 9 Uhr wieder die Ladentüren öffneten." Damals habe die Euphorie diese Stressmomente verdrängt, erzählt Rudi Metzler. 

"Mount Klotz" in der Günther-Klotz-Anlage
(Symbolbild) Bild: Peter Eich

Viel Lob für die heutigen Veranstalter

Das Vor-Fest, das am kommenden Freitag beginnt, möchte der Schlagzeuger so oft wie möglich besuchen. Mit der Band Seventies3 wird er am Montag, den 16. Juli auch selbst am Instrument sitzen und auf der Cafébühne spielen. Vom Charakter her erinnert den Drummer das Vor-Fest sehr an die Anfangsjahre. Für Metzler ist das Vor-Fest ein Beispiel dafür, dass die heutigen Veranstalter das Fest immer weiterentwickelt haben.

"Meiner Meinung nach hat sich das Fest in jeder Hinsicht entwickelt und verbessert. Es ist nicht mehr wie früher, aber das ist auch gut so. Veränderungen gehören einfach dazu!" Er selbst freut sich, dass der Charakter der Veranstaltung und die Besucher im Kern jünger geworden sind. "Ich sehe auch in Zukunft Entwicklungspotenzial bei der Veranstaltung und habe großes Vertrauen in die Veranstalter um Martin Wacker, wenngleich die Weiterentwicklung nicht mehr so rasant verlaufen wird, wie in den Anfangsjahren." 

Gewohntes Bild: Beim Fest versammeln sich Zehntausende Leute rund um den Hügel in der Günther-Klotz-Anlage, um die Bands zu feiern. Bild: Reiff

Dass er für das Hauptprogramm keine Karten hat, hat mit der Vergangenheit zu tun. Noch bis 2014 war Rudi Metzler an der Organisation des Festes beteiligt. "Da fällt es schwer zwischen all den vielen Menschen als normaler Besucher herumzulaufen. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass das Fest seinen lokalen Charkter behält und trotz seiner Größe auch weiterhin lokalen Künstlern die Möglichkeiten bietet, sich zu zeigen." Es muss ja nicht die Ausmaße von Wacken oder Rock am Ring bekommen, findet der 66-jährige Vollblutmusiker. 

Inzwischen glücklich als Musiker und Schlagzeug-Lehrer

Nach Unstimmigkeiten mit seinem Geschäftspartner Gerd Gruss und gesundheitlichen Problemen zog sich der engagierte Drummer vom Stress des Einzelhandelsgeschäfts im Rock Shop zurück. "Preise für Schlagzeuge auszuhandeln hatte nur noch wenig mit meiner Leidenschaft für die Musik zu tun." Auch beim Fest ist er seither nicht mehr an der Organisation beteiligt. Seine Liebe zum Fest ist aber trotz allem geblieben, betont der Mann, der einst als Teenager durch die Musik der Beatles geprägt wurde. 

Vor über dreißig Jahren hat Rudi Metzler die Entstehung des Festes mitgeprägt. Bild: ka-news

Heute lebt der 66-Jährige voll und ganz seinen Traum Musik zu machen, spielt in verschiedenen Bands als Schlagzeuger. Als Lehrer gibt er jetzt zudem sein Wissen an den Drumsticks an jüngere Generationen weiter. Zu seinen Lieblingskünstlern zählt neben den Beatles die britische Band Police und der Komponist Frank Zappa, denn: "Er hatte immer die besten Schlagzeuger in seiner Band!"

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Wann? 20. bis 22. Juli 2018
Wo? Karlsruhe - Günther-Klotz-Anlage
Tickets? 10 Euro pro Tag für Hügelbereich
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