Bild: Thomas Riedel
Schluss mit dem Geschwurbel! Wie barrierefrei sind Corona-Infos in Karlsruhe wirklich?
Karlsruhe
04.05.2021 08:51
Welche Corona-Impfung ist die richtige für mich? Wie lasse ich mich gegen das Virus testen und wie läuft das eigentlich mit der Quarantäne ab? Informationen rund um Corona gehören seit mehr als einem Jahr zu unserem Alltag. Doch nicht selten sind diese - vor allem zum Leidwesen vieler Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund - in kompliziertes Amtsdeutsch verpackt und "lokale" Informationen in sogenannter "Leichter Sprache" gar nicht erst vorhanden. Ulrike Wernert, Koordinatorin vom "Netzwerk für Leichte Sprache" in Karlsruhe, sagt: Das ist auch in der Fächerstadt ein Problem.

Asylunterkünfte, Behinderteneinrichtungen, Kulturzentren. Die Liste von Ämtern und Organisationen, die auf die sogenannte "Leichte Sprache" zurückgreifen, ist lang. Doch wie läuft das zu Zeiten der Pandemie ab? Bekommt jeder die Informationen, die er für den Alltag braucht?

Leichte Sprache kommt vielerorts zum Einsatz

Ulrike Wernert, Koordinatorin vom "Netzwerk für Leichte Sprache", sieht da definitiv Verbesserungsbedarf - besonders bei der Übersetzung von Corona-Informationen. "Da muss auf jeden Fall etwas getan werden. Oft sind die Links zur Leichten Sprache auf den Websiten sehr versteckt und die Leichte Sprache nicht optimal aufgearbeitet", erzählt sie gegenüber ka-news.de.

Ulrike Wernert, Koordinatorin vom Netzwerk Leichte Sprache Karlsruhe Bild: Netzwerk leichte Sprache

Aber was gehört denn zu einer "guten" Leichten Sprache dazu? "Das hat einige Kriterien, aber am wichtigsten sind zum Beispiel kurze Sätze, kein Konjunktiv und unterstützendes Bild- beziehungsweise Videomaterial", erläutert die Expertin. Verantwortlich für die entsprechende Aufbereitung bleiben aber die Organisationen selbst.

"Wir agieren nur als Netzwerk, das heißt wir bieten ihnen auf dem Gebiet unsere Hilfe an", so Wernert. Dazu gehört zum Beispiel das Amt für Integration, welches dem Landratsamt Karlsruhe angehört, aber auch Museen, medizinische Einrichtungen und Altenheime greifen inzwischen vermehrt auf die "Leichte Sprache" zurück. 

Bild: Screenshot - Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Wie verständlich sind Karlsruher Corona-Infos wirklich?

"Bei uns werden alle Aushänge und Informationen stets mit Blick auf die Leichte Sprache erstellt und durch Bilder unterstützt. Auch die in die 'Integreat App' eingestellten Informationen werden - neben der Übersetzung in neun Sprachen - auch in Leichter Sprache eingestellt", heißt es seitens des Amts für Integration auf Anfrage von ka-news.de.

"Wir sind Mitglied beim Netzwerk für Leichte Sprache Karlsruhe und stehen ständig mit ihnen in Kontakt."

Laut der Integrationsbeauftragten der Stadt Karlsruhe, Meri Uhlig, komme zusätzlich eine persönliche Vermittlung durch die Unterkunftsleiter oder die Caritas zur Fundierung der Informationen zum Einsatz.

Meri Uhlig, Integrationsbeauftragte der Stadt Karlsruhe und Leiterin des Büros für Integration. Bild: Meri Uhlig/ SPD Karlsruhe

Auch das Presse und Informationsamt (PIA) der Stadt Karlsruhe ist ein Mitglied des Netzwerkes für Leichte Sprache. In ihrer Obhut liegt die Betreuung der städtischen Corona-Info-Website www.corona.karlsruhe.de, welche Informationen zu der Ausbreitung des Virus in der Fächerstadt bietet. Dementsprechend muss auch die Verständlichkeit der Seite gewährleistet sein. Aber ist dem so?

Städtische Corona-Homepage agiert als Verweiswebsite

Nach Aussage von Ulrike Wernert könnte auch hier die ein oder andere Änderung vorgenommen werden. "Der Link mit der Leichten Sprache ist mit Gebärdensprache und anderen Sprachen in einem Block zusammengefasst, welcher nicht unbedingt auf den ersten Blick zu finden ist", sagt die Expertin.

Ein weiteres Problem: Wird dieser Link betätigt und die Leichte Sprache im Unterverzeichnis aufgerufen, leiten die Links den Nutzer weiter auf die Seiten des Landes und der Bundesregierung in Leichter Sprache. Informationen, zugeschnitten auf Karlsruhe - hier Fehlanzeige. Doch warum? 

"Aus Sicht der Stadt Karlsruhe macht es durchaus Sinn, auf 'übergeordnete' Informationen, die zentral für alle und einheitlich zur Verfügung stehen, zurückzugreifen. Man sollte damit verhindern können, dass Qualitätsunterschiede und Informationsdefizite entstehen. Natürlich ist bei der Auswahl der Informationsgeber und der Links auf die entsprechende Qualität und Seriosität zu achten", erklärt die Stadt gegenüber ka-news.de. 

Die Website corona.karlsruhe.de Bild: Stadt Karlsruhe - Screenshot

Sogar das Amt für Integration nimmt die Stadt Karlsruhe in ihrer Verweistätigkeit in Schutz: "Die Website der Stadt Karlsruhe fungiert als Verweiswebsite. Allgemein ist festzuhalten, dass das Thema Leichte Sprache am Anfang steht und erst langsam an Bedeutung und Aufmerksamkeit - auch in der öffentlichen Verwaltung - gewinnt."

Corona-Impfung in Leichter Sprache

Doch es gibt noch einen weiteren Kritikpunkt, den Ulrike Wernert während der Analyse der Website bemerkt: "Die Seite verfügt über einen extra Impfungs-Informationsbereich. Aber in Leichte Sprache ist dieser nicht übersetzt worden", stellt sie fest.

Dieses Merkblatt zum Thema "Impfen" könnte schon bald als Verlinkung auf der corona.karlsruhe.de Website verewigt werden. Bild: Robert Koch Institut -Screenshot

Tatsächlich sei das ein Punkt, dem sich die Stadt sehr wohl bewusst ist, heißt es auf Nachfrage von ka-news.de. Hier sollen bald weitere Links folgen, wobei die Verlinkungen des Robert Koch Instituts (RKI) in die engere Auswahl gekommen seien.  

Wo kann ich mich offline in Leichter Sprache über Corona informieren?

Doch außerhalb des Internets gibt es ebenfalls Bedürftige, die auf eine entsprechende Vermittlung angewiesen sind. Wie werden die über die von der Stadt über Corona informiert? "Einige Dienststellen der Stadt bieten aktuell Informationen in einer Print-Version an. Es gibt Fortbildungen im Fortbildungsprogramm zum Thema Leichte Sprache", heißt es aus dem Rathaus.

Damit das gelingt, müssen die Informationen jedoch "zielgruppenorientiert verteilt und kommuniziert werden", wofür die Stadt nicht alleine die Verantwortung übernehmen wolle. Der Grund: "Die Stadt Karlsruhe sieht neben der 'Bring-Schuld' der öffentlichen Hand auch eine gewisse 'Hol-Schuld' der Nutzergruppen." Das heißt: Die Stadt muss nicht nur liefern, sondern die Menschen, die auf die Leichte Sprache angewiesen sind, müssen sich auch um die Beschaffung dieser Informationen bemühen. 

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