Martin Bentz ist Klinikdirektor am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.
Martin Bentz ist Klinikdirektor am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.
Bild: Carsten Kitter
Passive Immunisierung: Wunder-Medikament in der Corona-Pandemie? Karlsruher Klinikdirektor klärt auf
Karlsruhe
02.03.2021 18:30
"Wir impfen zu langsam", hatte Michael Geißler, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums in Karlsruhe, auf der jüngsten Pressekonferenz des Krankenhauses gesagt. Die Impfungen hätten in der aktuellen Anzahl noch keine Auswirkungen auf die Pandemie, deshalb seien Lockerungen noch zu früh, da es sonst noch keine andere Möglichkeit gäbe, das Infektionsgeschehen positiv zu beeinflussen. Oder doch?

In diesem Zusammenhang fallen die Zauberworte "passive Immunisierung." Doch was hat es damit genau auf sich und inwieweit kann eine solche Immunisierung den Pandemieverlauf in die richtige Richtung steuern?

So funktioniert passive Immunisierung

Bei einer Corona-Infektion kann eine passive Immunisierung über zwei Wege geschehen. Der Erste wäre das sogenannte Rekonvaleszentenplasma. "Dieses scheint vor allem in einer sehr frühen Phase einer Corona-Infektion wirksam zu sein", berichtet Martin Bentz, Klinikdirektor des Städtischen Klinikums, gegenüber ka-news.de.

Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III, Michael Geißler, Geschäftsführer, Josef Hug, ehemaliger Pflegedirektor bei einer Pressekonferenz des Klinikums.
Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III, Michael Geißler, Geschäftsführer, Josef Hug, ehemaliger Pflegedirektor bei einer Pressekonferenz des Klinikums. Bild: Oliver Stiltz/ Städtisches Klinikum Karlsruhe

"Dieses Plasma wird durch gespendetes Blut von bereits infizierten Personen gewonnen und dann eingefroren. Bei uns im Krankenhaus haben wir einen kleinen Vorrat an Rekonvaleszentenplasma, welches als Medikament eingesetzt wird", sagt Bentz. 

Der große Durchbruch in Sachen Corona-Bekämpfung sei das Plasma allerdings nicht, da es nur für einen kleinen Teil von Personen verwendet wird beziehungsweise verwendet werden kann. Bentz erklärt: "Das Problem ist, in einer sehr frühen Phase wissen wir nicht, wie die Krankheit weiter verläuft. Es ist also kein Konzept zu sagen: 'Alle, die seit wenigen Tagen Symptome haben bekommen dieses Plasma.' Das machen wir nur bei einzelnen Patienten, die einen ausgeprägten Immundefekt haben." 

Für diese Personen kommt das Medikament in Frage 

Beispielhaft nennt Bentz hier Personen, welche in der Vergangenheit schon mit bestimmten Antikörpern behandelt wurden, Leukämie- oder Autoimmunkranke. "Bei diesen Personen sind die Zellen ausgeschaltet, die Antikörper gegen das Corona-Virus bilden würden. Bei solchen Personen macht eine Verwendung des Plasmas auch in einer späteren Phase der Erkrankung Sinn", erklärt Bentz. Für die breite Masse sei diese Behandlung keine Möglichkeit.

Die Behandlung mithilfe von Rekonvaleszentenplasma wird aktuell auch am Klinikum in Karlsruhe durchgeführt. Die betroffenen Personen bekommen das Plasma dann wie bei einer Bluttransfusion verabreicht. 

Neben der Behandlung mit Rekonvaleszentenplasma besteht eine zweite Möglichkeit eine passive Immunisierung zu erreichen. Diese würde über sogenannte "monoklonale Antikörper" erfolgen. "Das sind Medikamente, bei denen ein bestimmtes Abwehr-Eiweiß - welches gegen Covid-19  wirksam ist - ausgewählt wird und verabreicht wird", so Bentz.

Variante: Künstliches Eiweiß

Der Unterschied zum Plasma eines bereits Infizierten bestehe darin, dass dieses Abwehr-Eiweiß im Labor hergestellt werden könne. "Der Einsatz-Ort wäre aber ähnlich zum Rekonvaleszentenplasma. Allerdings ist diese Art von Medikament in Europa noch nicht zugelassen", sagt Bentz. 

Bild: Thomas Riedel

Lediglich in Amerika sei diese Art von Medikament zugelassen, allerdings sei das Medikament in Europa verfügbar und der Bund habe laut Bentz zwischen 200.000 und 300.000 dieser Präparate bestellt. 

Auswirkungen auf die Pandemie hätten diese beiden Medikamente aber nicht, wie der Mediziner im Gespräch mit ka-news.de erklärt. "Es bekommen nur Personen, die bereits infiziert sind. Die Hoffnung besteht darin, dass es bei einzelnen Patienten oder Ausnahmefällen die ein hohes Risiko eines schweren Verlaufes haben, in einer frühen Phase hilft." 

 

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